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Opladen: Statt verliebter Worte Wortgefechte

Opladen : Statt verliebter Worte Wortgefechte

Das Junge Theater Leverkusen eröffnet mit dem Tschechow-Schwank „Der Heiratsantrag“ die neue Saison. Die drei jungen Darsteller in dieser vitalen Inszenierung sind völlig abgedreht in ihrer Raserei.

Happy end oder nicht? Hier kann man sich praktisch alles wünschen, denn das ganze Stück ist so überzogen turbulent, läuft so grotesk, dass es eigentlich egal ist, ob es am Ende einen Toten oder ein Heiratsversprechen gibt. Das heißt, vielleicht wäre die erste Variante in Wirklichkeit der gute Schluss. Denn wer gestorben ist, der ruht bekanntlich in Frieden, während diese eheliche Verbindung eigentlich nur Dauerkrieg bedeuten kann.

Mit einer vitalen Inszenierung von Anton P. Tschechows Schwank „Der Heiratsantrag“ eröffnet das Junge Theater Leverkusen an diesem Wochenende die Spielzeit, es ist die neunte. Regie führte ein Gast aus Köln, Malte Wirtz, der Film- und Theaterregie in Bayern studiert hat. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, dieses Stück zu inszenieren, und beim Jungen Theater gab man ihm die Möglichkeit. Er habe grundsätzlich eine Vorliebe für russische Literatur, gesteht Wirtz, und findet: „Dieses Stück ist einfach grandios!“ Beim ersten Lesen habe er unentwegt lachen müssen, und genau dieses Vergnügen wollte er seinem Publikum im Theater auch bieten. Weil die Grund-Idee so verrückt komisch und unrealistisch ist, spannte er diesen von Tschechow vorgegebenen Bogen noch tüchtig weiter.

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Seine Figuren sind nicht nur außer sich, sie sind völlig abgedreht in ihrer Raserei. Jede Reaktion, jeder Dialog ist ordentlich überspannt. Eine Daueranspannung für die drei jungen Darsteller, die alle drei praktisch die ganze Zeit auf der Bühne agieren. Jessica Garbe mimt die Tochter des Grundbesitzers Stepan Stepanowitsch als Furie, das knallrote Kleid unterstreicht diesen Charakterzug, die in jedem Fall Recht behalten muss und unmittelbar in die Rolle des verwöhnten kleinen Mädchens fallen kann, damit der Herr Papa ihre Unannehmlichkeiten aus dem Weg räumt. Und sei es der Wunsch, Tote wieder zum Leben zu erwecken. Markus Lingstaedt ist der Vater, der sich durch nichts erschüttern lässt. Es sei denn, da kommt einer, der genau so rechthaberisch und halsstarrig ist wie er, dann sausen zuerst die Worte und dann die Degen. Und Daniele Nese, der den werbenden Liebhaber gibt, sich zunächst unsicher annähert, ist eigentlich von gleichem Holz und vor allem gleicher Hitzigkeit. Drei Personen also, die sich so ähnlich sind, dass der kopflose Streit vorprogrammiert ist. Und so gibt es statt verliebter Worte heftige Wortgefechte, weil man sich nicht einigen kann, wem der beiden Nachbarn nun die Bullenwiese gehört oder wer von beiden den besseren Jagdhund hat. Ein kurzweiliger Spaß, aber keineswegs oberflächlich, sondern durchaus mit Tiefgang.

(RP)