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Start-up aus Leverkusen entwickeltl digitale Checklisten für Firmen

Junges Start-up hat Siemens als Partner : Digitale Zukunft – made in Leverkusen

Ein Kapitän mit Liebe zur Informationstechnologie und ein Softwareexperte bereiten der Zettelwirtschaft ein Ende. Sie sind die Pioniere der digitalen Checkliste für Unternehmen. Interessenten gibt es bis nach China.

Um Seemannsgarn zu spinnen, braucht’s zweierlei: einen flinken Geist und gute Rhetorik. Über beides verfügt Dirk Emmerich. Nur: Das Seemannsgarn des Leverkuseners mit Kapitänspatent hat Hand und Fuß und sitzt als Start-up im Probierwerk in Opladen. „Log.Go.Motion“ heißt das junge Unternehmen mit fünf Mitarbeitern, das sich anschickt, die ganz großen Player in der Industrie von ihrem digitale Produkt namens „Moby Check“ zu überzeugen.

Der Name erinnert – wer Moby hört, ist schnell bei Moby Dick – an Emmerichs nautische Vergangenheit, acht Jahre ist er zur See gefahren, aber schafft auch die Verbindung zur Mobilität. Und genau darum geht es. Hinter „Moby Check“ verbergen sich digitale Checklisten für betriebliche Abläufe. Wo bisher die Zettelwirtschaft regiert, hilft eine individuell auf den zu inspizierenden Prozess abstimmbare Software – beim Papier-, lange Wege- und Zeitsparen. Entwickelt hat Dirk Emmerich sie mit seinem Bekannten Reinhold Debald. Für den weltweiten Vertrieb und weitere Aufgaben haben die Leverkusener den Konzern Siemens gewonnen.

Zwischen Emmerichs Seefahrerei und dem Start-up liegt unter anderem ein Wirtschafts-Ingenieursstudium. „Als ich zur See fuhr, kamen die ersten PCs auf, das hat mein Interesse geweckt. Die Liebe zur IT entstand. Später habe ich ein Informatik-Studium absolviert.“ Über Umwege gelangte Emmerich nach Leverkusen, arbeitet heute bei Logistiker Talke-Emmerich (früher Friedrich Kruse) „an heiliger Städte direkt unterm Bayer-Kreuz. Wir machen die Logistik für große Chemieunternehmen auch mit Hardcore-Gefahrenstoffen“, berichtet Emmerich. Dabei ist ihm immer wieder aufgefallen: „Die Kontrolle von Prozessen läuft über viele, viele Seiten Papier. Ich habe mich gefragt, warum hochmoderne Firmen so konservativ arbeiten, andere Menschen buchen ihren Urlaub übers Smartphone.“

 Ein Beispiel einer Moby-Check-Digitalen Checkliste aus Leverkusen.
Ein Beispiel einer Moby-Check-Digitalen Checkliste aus Leverkusen. Foto: Log.Go.Motion GmbH

Als er im Frühjahr 2017 mit Reinhold Debald, einem Softwareentwickler mit Lust an etwas Neuem, unterwegs war, entspann sich die Idee: Die unübersichtliche Zettellandschaft digital einzufangen, 2018 präsentierten die Beiden ihr Produkt in Düsseldorf. Der Kontakt zu Lanxess entstand. Der Spezialchemiekonzern ist der erste große Kunde des jungen Start-ups aus Leverkusen. „Uns geht es bei Moby Check darum, ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen, Freiräume zu schaffen, weil die Anwender ihre digitalen Listen ein ganzes Stück weit selbst auf die Bedürfnisse anpassen können, und für die Unternehmen Zeit und Geld zu sparen“, fasst Emmerich zusammen. Beim Treffen mit Lanxess habe es aber auch geheißen: Solch ein Produkt mit viel Potenzial könnt ihr nicht alleine weltweit vermarkten. Lanxess vermittelte den Kontakt zu Siemens. Mit dem Mischkonzern ist eine Technologiepartnerschaft entstanden. Siemens kümmere sich um das Marketing, den Vertrieb, Schulungen und den Update-Service, „wir liefern das Stöffchen dazu“, sagt Emmerich.

Und dieses Stöffchen weckt immer mehr das Interesse von Unternehmen weltweit. Anfragen selbst aus China hat Emmerich auf seinem Tisch. In der Pipeline für mögliche Kunden tummelt sich ein weiteres namhaftes Chemieunternehmen. Aber Namen nennen, bevor die Tinte trocken ist, will der Leverkusener zur Sicherheit noch nicht.

Lanxess nutzt die digitalen Listen in vier Betrieben und will in den nächsten zwei Jahren 65 Betriebe weltweit darauf umstellen. „Wir haben viel Containerlogistik, dafür wird Moby Check eingesetzt, aber auch auf weitere Prozesse soll es übertragen werden“, berichtet Marcus Suberg vom NHF-Betrieb bei Lanxess.

Emmerich spinnt sein digitales Seemannsgarn über die Chemie hinaus: Bei der Bahn, in Häfen, in der Lebensmittelindustrie seien die flexibel gestaltbaren Listen einsetzbar, bei der Logistik, bei Sicherheitsprüfungen. „Das Schöne ist, die Anwender haben selbst so viele Ideen, wo sie die Listen einsetzen wollen.“ Nutzer werden in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung durch die Kontrolle geführt. Die Ergebnisse sind, weil digital, schnell speicher- oder als Ergänzung in Dateien einfügbar. „Unendliche Aktenordner-Regale fallen da weg“, betont der Leverkusener, Jahrgang 1961.

Was Dirk Emmerich besonders freut: „Da sitzen keine Anfänger in Berlin oder in Kalifornien, wo sich sonst viele Start-ups tummeln. Wir sind sehr erfahren, wir sitzen in Leverkusen, und wir zeigen: Was Neues geht auch von hier.“