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Stadtteilrunde mit Peter Odenthal durch Leverkusen-Bürrig

Stadtteilrunde durch Bürrig : Hinter der Kirche ruht „ein treuer Husar“

Wer mit Stadtführer Peter Odenthal durch Bürrig spaziert, erfährt viel über Historie und „Histörchen“ aus dem Stadtteil im Westen.

Ein ansehnliches Schloss mit Stallungen und idyllischer Parkanlage, darunter der Schriftzug „Gruß aus Schloss Reuschenberg bei Küppersteg“ – Postkarten wie diese wurden sicherlich hundertfach verschickt. Mit einem kleinen Fehler, denn tatsächlich liegt Schloss Reuschenberg auf Bürriger Grund und Boden. Selbst wenn sich in dem Stadtteil inzwischen zahlreiche Firmen und Autohäuser sowie die Kläranlage von Currenta angesiedelt haben, existieren ländliche Strukturen und historische Bauten bis heute.

Peter Odenthal, 73-jähriger Bürriger mit Leib und Seele, kennt sich in seiner Heimatgemeinde bestens aus. Er begleitet uns auf dem Spaziergang durch das Dorf im Leverkusener Westen. Wir starten im alten Bürrig. An der Ecke Von-Ketteler-Straße steht ein rotes Ziegelgebäude, in dem von 1889 bis 1922 das erste Postamt für die Gemeinde Bürrig war, beschreibt Odenthal. Weiter geht es über den heutigen Bürriger Weg, der bis zur kommunalen Neugliederung 1975 als Reuschenberger oder auch als Schwarzer Weg bezeichnet wurde, weil dort die Schlacke des Edelstahlunternehmens Cornelius Schmidt abgelagert wurde. Früher war er Privatweg zur Reuschenberger Mühle, deren Historie der Stadtführer genauestens kennt: Einst nutzten die Grafen von Berg die Burg Reuschenberg, um ihren Besitzanspruch am wichtigen Teil des Handelsweges (in Dünnwald existiert er noch als „Mauspfad“) zwischen Genua und Maastricht zu sichern.

Blick von oben: Die Kevelaer Kapelle an der Stephanusstraße gehört zum historischen Erbe Bürrigs. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Seit dem Mittelalter gehörte Reuschenberg im 1147 erstmals urkundlich erwähnten Kirchspiel Bürrig zum Herzogtum Berg und unterstand dem Amt Miselohe. Um 1400 wurde die Burg zerstört und 1676 als Schloss neu aufgebaut. 1885 wurde es bei einem Brand erneut zerstört, ehe 1886 der Neubau erfolgte und die Stadt Leverkusen 1968 das Zeugnis über 1000 Jahre alte Geschichte in einer Nacht- und Nebel-Aktion vernichtete.

Gebäude mit Geschichte: Die erste Post befand sich an der Ecke Bürriger Weg und Von-Ketteler-Straße. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Eine neue Mühle wurde 1477 durch Freiherr von Eller gebaut, er ließ zugleich das Wasser von der Wupper über den Mühlengraben ableiten. Das Hauptgebäude in spätklassizistischer Gliederung besteht aus Backstein und ist mit Rundbogenfenstern verziert. Von 1881 bis 1932 wurde es als Papiermühle genutzt, heute dient es als Standort für Dienstleistungsunternehmen. Die Wehre sind noch in Betrieb, die beiden Turbinen der Wasserkraftanlage erzeugen Strom jeweils mit einer Leistung von rund 214 Kilowatt pro Stunde.

Wir biegen ab in die Stephanus- Straße und sehen rechts die Bahnmeisterei des 1845 eingeweihten Bahnhofs. Weiter geradeaus passieren wir ein unscheinbares Haus, in dem Josef Holzmüller, Direktor eines der größten deutschen Zirkusse, von 1900 bis etwa 1940 lebte. Wir gelangen an die Feuerwache, die ebenso wie die benachbarte Grundschule Im Steinfeld von Wilhelm Fähler gebaut wurde.

Der einstige Stadtbaumeister war im Übrigen verantwortlich für zahlreiche andere Gebäude in Leverkusen, wie beispielsweise das Carl-Duisberg-Gymnasium. In Bürrig ließ er 1944 die im Krieg zerstörte Sankt Stephanus-Kirche an der Heinrich-Brüning-Straße 136 neu erbauen, die seither durch ihren modernen Stil geprägt wird. Die seitlichen Lichtbänder gestaltete er gemeinsam mit dem berühmten Leverkusener Glasmaler Paul Weigmann. Odenthal dazu: „Sie geben dem Raum eine tiefe Bedeutung, wobei der Blick immer auf den Altar gerichtet ist.“ Das Pfarrzentrum nebenan ist als Haus der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften konzipiert. Die „Bundeshalle“ wird im Volksmund auch gerne als „Gürzenich von Bürrig“ bezeichnet.

Auf dem 1926 geschlossenen Friedhof hinter dem Gotteshaus sind neben einstigen Geistlichen auch Infanteristen bestattet, so genannte Musketiere. Und es gibt ein Grab von Carl von Mylius, dem Texter des im Kölner Karneval nach wie vor populären Liedes „Der treue Husar“. Mylius diente unter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia und wurde von ihr zum Freiherrn ernannt. Für seine Verdienste erhielt er neben dem Orden auch einige Goldtaler, von denen er Gut Reuschenberg erwarb – hier schließt sich der Kreis.

Drei Tipps für Bürrig

In Bürrig sollte man laut Peter Odenthal unbedingt:

Den EVL-Wasserturm an der Olof-Palme-Straße besichtigen, der als „Wahrzeichen“ von Leverkusen gilt. Aus einer Höhe knapp unter 72 Metern Höhe blickt man auf Leverkusen und stellt fest, wie grün die Stadt ist und dass Leverkusen mehr zu bieten haben, als nur Industrie und Autobahn. die Stadt genießen. Bei schönem Wetter reicht der Blick bis zur Nachbarstadt Köln und sogar bis ins Siebengebirge.

Entlang dem Mühlengraben zwischen Reuschenberger Mühle in Richtung Opladen spazieren gehen. Wer leise ist, erkennt schnell, warum das Wehr auf der linken Seite  – ein Notablasswehr aus der Zeit von 1840 – den Beinamen „Rusch“ erhalten hat, man hört das Rauschen vom Mühlengraben und den Bäumen des Reuschenbergs. Ein Stück weiter zurück, in der Nähe des Friedhofs Reuschenberg, ist auf der rechten Seite eine Niederschlags-Quelle zu sehen, das so genannte Brünnchen. Ein Märchen aus Bürrig besagt, dass von dort die Babys kommen.

Den Wildpark Reuschenberg besuchen. Das rund 60.000 Quadratmeter große Areal im Reuschenberger Wald, das mehr als 200 verschiedene Tiere beherbergt, liegt zwar im Bezirk Küppersteg, gehörte historisch aber immer zu Bürrig. Das Gelände bietet obendrein einen großen Kinderspielplatz mit diversen Attraktionen. Der Wildpark beruht auf der Initiative des Förderkreises Wildpark Leverkusen, der 1970 gegründet wurde, als ein Zirkus in Leverkusen gastierte, sich nicht mehr um seinen Bären kümmern konnte und ihn daraufhin zurückließ.