Stadtkantorei Leverkusen führte "Die sieben letzten Worte Christi" von Théodore Dubois auf.

Christuskirche : Musik zur Todesstunde Jesu

Stadtkantorei und Solisten beeindruckten mit „Die sieben letzten Wort Christi“.

Kein Applaus, keine Gespräche, kein Glockengeläut – still verließen die Besucher die evangelische Christuskirche noch ein wenig benommen und auf jeden Fall ergriffen von der musikalischen Ausdeutung der Kreuzigungsszene. Begleitet von Johannes Quack hatten die Stadtkantorei Leverkusen und drei angenehme Solostimmen unter der Leitung von Kirchenmusiker Bertold Seitzer eine emotionale und anrührende Aufführung der 1867 entstandenen Komposition „Die sieben letzten Worte Christi“ von Théodore Dubois erklingen lassen, die alle Zuhörer erreichte.

Die sieben letzten Sätze Jesu Christi, in allen vier Evangelien überliefert, sind mehrfach in diversen Stilen und mit unterschiedlichen Mitteln vertont worden. Von der rein instrumentalen Komposition – Joseph Haydn führte seine gleich in drei Fassungen (für Orchester, Streichquartett, Klavier) aus – bis zum Oratorium, das die gesungenen Worte Jesu, die eigentlich jeweils Sätze an verschiedene Adressaten sind, ins Zentrum stellt. So wie in der etwa einstündigen Karfreitagsmusik von Théodore Dubois, die fast 100 Jahre lang regelmäßig zur Todesstunde in „seiner“ Kirche Ste Madeleine in Paris aufgeführt wurde.

Die Sätze, die hier von Bariton Steffen Bücher mit großer Ruhe und Präsenz gesungen wurden, werden ergänzt durch erklärende und kommentierende Texte von Tenor (angenehm weich von Alexander Lüken geformt), Sopran (klar und zugleich anmutig die Stimme von Marion Bücher-Herbst) und nicht zuletzt von einem gemischten Chor, der unterschiedliche Rollen und Standpunkte vermittelt.

Da sind einerseits diese harten, geradezu brutal klingenden Zwischenrufe, die den Gekreuzigten noch einmal schuldig sprechen, während Christus bereits sanftmütig um Vergebung für seine Peiniger bittet („denn sie wissen nicht was sie tun“). Wie Hiebe ließ die Stadtkantorei die Zwischenrufe dieser ersten dramatischen Stelle klingen, die an Bach’sche Passionen erinnern.

Wie dort in den betrachtenden Chorälen übernimmt beim zweiten und sechsten Wort auch hier der Chor die Rolle der gläubigen Gemeinde. Aber bei allen Parallelen geschieht das bei Dubois eindeutig im Stil der französischen Spätromantik. Die Brutalität, der Schmerz der Mutter, Spott und Hohn zum fünften Ausspruch „Mich dürstet!“, die bebende Erde sowie zerspringende Felsen nach dem „Es ist vollbracht“ – eine hochemotionale und tief empfundene Musik, die von den Ausführenden glaubhaft mit Leben gefüllt wurde.

Pfarrer Detlef Prößdorf gab der Aufführung mit Begrüßung, Betrachtung, Gebet und Segen einen gottesdienstlichen Rahmen und wies bei dieser Gelegenheit auf den untrennbaren Zusammenhang mit Ostern hin. Denn erst durch die Auferstehung sei der Karfreitag ein „Good Friday“ (for future), wie der Tag im Englischen heißt.