Termin im September am Amtsgericht Leverkusen Großfamilie – Haus in Wiesdorf wird zwangsversteigert
Leverkusen-Wiesdorf · Der Gebäudekomplex Carl-Leverkus-/Kaiserstraße steht im September zur Zwangsversteigerung an. Das Sachverständigengutachten benennt unter anderem diverse nicht genehmigte Nutzungen und Bauveränderungen und eheliche Mängel, etwas starken Schimmelbefall. Verkehrswert des Gesamtareals: mehr als eine Million Euro.
Wem die Grundstücke an der Ecke Carl-Leverkus/Kaiserstraße gehören, geht aus dem Gutachten nicht hervor, das zu einem Zwangsversteigerungstermin Mitte September am Amtsgericht Leverkusen gehört. Aber auch ohne Gutachten ist in Leverkusen relativ klar, wer in den auf den Grundstücken gebauten Häusern lebt: Mitglieder der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie.
Die hatte erst im Mai in Verbindung mit einer Zwangsversteigerung gestanden. Damals ging es um die „Türmchenvilla“ in Schlebusch, die der Familie gehört. Kurz vor dem angesetzten Zwangsversteigerungstermin am Amtsgericht wurde der Termin abgesagt und kein neuer festgesetzt. Ein unbestätigter, aber naheliegender Grund: Der Gläubiger wurde doch noch rechtzeitig bezahlt.
Nun geht es wieder um eine Adresse, die mit der Großfamilie in Verbindung gebracht wird und in den vergangenen Jahren mehrfach Schauplatz von Polizeirazzien war. Die Gutachterin setzt den Verkehrswert des Grundstücks- und Gebäudekomplexes mit sieben Wohneinheiten bei 1.050.000 Euro an. Allerdings nennt sie auch erhebliche Mängel. Die Liste ist lang.
Das Amtsgericht fasst in seinem Beschluss zur Zwangsversteigerung zusammen: Es handelt such „um mehrere miteinander verbundene, mehrstöckige Gebäude aus unterschiedlichen Baujahren ab 1928 auf sieben Flurstücken...“ Es habe „viele Nutzungsänderungen“ geben, die „bislang baubehördlich nicht genehmigt sind“. So etwa die Nutzung des Ladenlokal-Erdgeschosses des Eckhauses samt ehemaliger Backstube als Wohnräume. Auch ein Wanddurchbruch zum angrenzenden Gebäude an der Kaiserstraße sei nicht genehmigt, notiert die Gutachterin. Ebenso würden – nicht genehmigt – Garagen als Wohnbereiche genutzt, die Expertin spricht von „formell illegalen Wohnnutzungen“ und davon, dass „nach Auskunft des Eigentümers die Mieter „überwiegend in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander“ stünden.
Die legal genutzten Wohnflächen und die wohnlich genutzten gewerblichen Flächen – insgesamt 913 Quadratmeter – „weichen zudem von den vorhandenen Mietverträgen (insgesamt angeblich 650 Quadratmeter) erheblich ab“, schreibt das Gericht in seiner Zusammenfassung weiter. Zudem lägen für verschiedene Gebäudeteile keine Baugenehmigungen vor. Für das Dachgeschoss des Eckhauses habe die Baubehörde 2019 aus brandschutztechnischen Gründen die Nutzung untersagt. „Heizungen wurden stillgelegt beziehungsweise es fehlt an Heizkörpern, was zu massivem Schimmelbefall führte.“ Wie die Wasserversorgung gewährleistet sei, sei unklar. Zudem: Dächer seien „erheblich“ beschädigt, so dass Wasser eindringen könne. Kurz: „Es besteht ein größerer Unterhaltungs-, Instandsetzungs- und Sanierungsstau“, fasst das Gericht zusammen.
Versteigerungstermin 11. September, Amtsgericht Leverkusen, 9.30 Uhr, weitere Infos auf www.ag-leverkusen.nrw.de/behoerde/zvg_termine/index.php