Stadt Leverkusen stellt Alternativstandorte für Schloss-Parkplatz vor

Parkplatzdiskussion in Morsbroich : Museumsverein: Bäume oder Schloss?

Die Stadt hat alternative Standorte für einen Zusatz-Parkplatz in Morsbroich erarbeitet. Dienstag werden sie vorgestellt.

Die Präsentation eines großen Wurfs wird es noch nicht, wenn die Stadt am Dienstag die Politik zu einer Infoveranstaltung zum Standortkonzept Schloss Morsbroich einlädt. „Die Stadt hatte von der Politik den Prüfauftrag, alternative Standorte für einen Parkplatz an Schloss Mosbroich zu suchen. Dem sind wir nachgekommen“, sagt Oberbürgermeister Uwe Richrath. Am Dienstag werde Baudezernentin Andrea Deppe die Alternativen vorstellen. Reimar Molitor vom Verein Region Köln/Bonn werde der Politik erläutern, wie sich „die Förderkulisse“ (Richrath) ändern könnte, wenn der Rat sich gegen den vom Museumsverein Morsbroich vorgeschlagenen Standort für 100 Stellplätze und für einen Alternativstandort entscheidet. Gerade das könnte spannend werden.

An die Vorgeschichte erinnert Manfred Hüttemann vom Museumsverein, der das Standortkonzept zum Schloss entwickelt hat. Der Verein hatte die Stadt aufgefordert, an einer Förderung des Bundes für Städtebauprojekte teilzunehmen; „insgesamt sind 140 Millionen Euro aus dem Seehofer-Etat bereitgestellt“, sagt Hüttemann. Der Verein hatte der Stadt dabei geholfen, die Kurzfassung für die erste Stufe des zweiphasigen Verfahrens einzureichen. „Für Gemeinden im Nothaushalt ist eine 90-prozentige Förderung möglich“, ergänzt er. Im April hatte die Stadt mitgeteilt, dass 35 Projekte als förderungswürdig eingestuft worden seien, darunter auch das Leverkusener Schloss.

„1,08 Millionen Euro könnte es für die Umsetzung unseres Konzepts im Parkbereich des Schlosses geben, die Stadt müsste einen Eigenanteil von 120.000 Euro aufbringen“, erläutert Hüttemann. Zum Konzept für den Schlosspark gehören etwa ein Radrundweg, die Neugestaltung der Wege, ein Spielplatz und eben die rund 100 Stellplätze entlang der Gustav-Heinemann-Straße im äußeren Park, „die wir für zwingen erforderlich halten, um Leben in die Bude zu bekommen“, betont der Rechtsanwalt.

Dem Verein schwebt vor, das Schloss samt Park attraktiv zu machen für Veranstaltungen wie die „Landpartie“ von Eventorganisator Reno Müller, die im Juni stattfindet. Aber auch für Hochzeiten, für kulturelle Veranstaltungen, für Gastronomieinteressierte, die im Ambiente der Schlossremisen essen mögen. Es gibt laut Museumsverein einen Investor, der 400.000 Euro in die Gastronomie stecken würde, „wenn es Parkplätze am Schloss gibt“.

Genau darüber aber war eine heiße Diskussion ausgebrochen. Bei etlichen Parteien, die anfänglich dem Konzept des Vereins komplett zugestimmt hatten, regten sich Bedenken gegen Stellflächen im Parkgelände, Naturschutzverbände schlossen sich an. Tenor: Durch den Parkplatz werde zu stark in die Natur eingegriffen. Dazu hatte die Stadt laut Verein ein falsches, fast doppelt so großes Größenmaß für die Parkplatzfläche ausgegeben, wie der eigentliche Platzverbrauch sein soll. Zudem: „Die Bäume auf dem Gebiet, wo wir den Parkplatz hätten bauen wollen, wären weitgehend erhalten geblieben. Der übrige dortige Grünzug enthält laut Fachmann nichts Schützenswertes, er ist nur entstanden, weil dort jahrelang pflegerisch nichts getan wurde. Man kann übrigens sehr schön einen Parkplatz unter Bäumen anlegen.“ Der Verein erinnert daran, dass früher genau in dem Bereich, über den nun diskutiert wird, der Reitverein Bayer Leverkusen Außenreitplätze unterhielt. „Damals hat es noch schöne Sichtachsen von dort zum Schloss gegeben“, betont Hüttemann.

Wenn nun die Politik sich gegen den vorgeschlagenen Parkplatz-Standort wende, müsse man das in einer Demokratie akzeptieren, „aber im Grunde kann man das Konzept dann wegschmeißen“. Denn für die Alternativen, die die Stadt vorstellen will, sieht Hüttemann ein Problem: Der Verein habe sämtliche Möglichkeiten durchgespielt; die Alternativen, die es gebe, seien nicht wirklich welche. Er nennt Beispiele: Eine Parkpalette auf dem aktuellen Parkplatz sei unter anderem aus Denkmalschutzgründen keine Möglichkeit. Die rechte Spur der Gustav-Heinemann-Straße zum Parkstreifen zu machen, wie am Karl-Carstens-Ring, funktioniere nicht wegen „eines völlig anderen Verkehrsflusses“. Und Parken an der Vom-Stein-Schule? „Wenn Mittags gleichzeitig am Schloss was los ist und dort schon Schüler und Lehrer parken, wird das doch nichts“, sagt er.

Größtes Problem, das der Anwalt sieht: „Wenn unser Konzept nicht so umgesetzt wird, wie es für die Fördergelder eingereicht ist, sich also qualitativ etwas ändert, dann könnte es sein, dass gar nichts gefördert wird.“ Und dann fasst Manfred Hüttemann in einem Satz zusammen, um was im Kern bei der Debatte geht: „Die weltanschauliche Frage: Bäume oder das Schloss erhalten?“ Denn anders, als oft vermittelt werde, gehe es nicht nur ums Museum, sondern darum, „das Schloss samt Park wieder mit Leben zu füllen“.

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