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Stadt Leverkusen rechnet mit 800 Tonnen wildem Müll in diesem Jahr

Menge in Leverkusen hat sich in vergangenen Jahren verdoppelt : Stadt rechnet mit 800 Tonnen wildem Müll

Die Stadt arbeitet an Konzepten gegen das unachtsame Entsorgen von Unrat. Vorbild könnten Modelle in anderen Ländern sein. Bisher hat die Avea in diesem Jahr 470 Tonnen wild entsorgten Müll eingesammelt.

Müll – ein lästiges Thema. Vor allem, wenn man unterwegs ist. Da hinterlassen viele ihre Abfälle einfach auf Straßen, am Wegesrand, auf Wiesen. Dort gesellen sich Masken zu Fast-Food-Verpackungen mit welken Fritten an zerlaufener Mayo, Bierflaschen zu Joghurtbechern und Zigarettenkippen. Dazu tausende ausgespuckte Kaugummis auf Gehwegen.

Schon vor Corona war Müll dieser Art häufig in der Stadt zu finden. Und die Spirale scheint noch nicht am Ende angekommen zu sein. „Bis August sind bereits 470 Tonnen wilder Müll zusammengekommen“, bestätigt Avea-Abfallberater Jürgen Schröder. Bis Jahresende sei mit weiteren 300 Tonnen zu rechnen. „Überall, wo was liegt, kommt schnell was dazu“, bemerkt er. Die Mengen hätten sich in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt. „Niemand muss sich wundern, dass einem die Ratten in Leverkusen fast über die Füße laufen“, höhnte kürzlich ein Bürger.

„Das achtlose Entsorgen von Abfällen im öffentlichen Raum ist ein weit verbreitetes Phänomen und zieht erhebliche ökologische, ästhetische und ökonomische Folgen nach sich“, notiert das Umweltbundesamt. Und sieht veränderte Konsumgewohnheiten – Stichworte: „fliegende Verpflegung“ am Imbissstand, materialintensive Verpackungen, Wegwerfgesellschaft – und einen generell nachlässigen Umgang mit öffentlichem Eigentum als mögliche Hauptursachen. Hinzu kämen veränderte Konventionen, fehlende Integration und mangelnde soziale Kontrolle. Beispiel: städtische Radwegepfleger haben schon oft Pkw-Fahrer beobachtet, die ihren Müll aus dem Autofenster ins Freie entsorgen, während sie an einer roten Ampel warten.

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Es heißt, dass man nur etwas beschützen kann, was man liebt und achtet. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass Bürger ihre Stadt nicht achten? Oder warum werfen sie ihren Müll scheinbar gleichgültig fort? Und wer sind die Umweltsünder? Was ist für ein Umdenken nötig?

Eine Idee, wie es anders gehen kann, kommt vom anderen Ende der Welt: Verantwortung für Natur und Umwelt zu übernehmen, das ist in Neuseeland ein wichtiger Teil der Gesellschaft, was sich Kinder dort spätestens in der Grundschule aneignen. Die Fächer Biologie und Erdkunde  werden mit der Entdeckung von Natur kombiniert. Motto: Halte dein Land und deine Stadt sauber. Kinder lernen unter anderem: Hinterlasse keine Spuren. Nimm deinen Müll mit dir. Wenn du Müll siehst, hebe ihn auf, auch wenn er dir nicht gehört. Drüber hinaus gibt es Kampagnen zum Wassersparen, Mülltrennung und Recycling.

„Man sollte schon im Kindergarten anfangen“, empfiehlt auch Abfallberater Schröder. Kinder als Multiplikatoren wirken offenbar. Denn Kinder können Nachhaltigkeit lernen. Das wird beim Ergebnis einer Studie zum kindlichen Verhalten in der Natur deutlich: Das Argument „Müll gesammelt“ landete in der Aufzählung guter Taten auf dem Spitzenplatz. Denselben Rang nahm die Aussage „Müll weggeworfen“ unter den schlechten Taten ein. Die Alternative „Nichts wegschmeißen“ rangierte ebenfalls ganz vorne. Schröder sieht die Jüngsten als ideal an, weil sie als Zielgruppe besser erreichbar sind  als andere. „Wir haben es schon mit Kinospots versucht“, berichtet er. „Aber es ist schwierig an die Leute ran zu kommen. Vielleicht hilft ein Influencer?“ fügt Schröder lächelnd hinzu.

„Im eigenen Wohnzimmer mögen wir schließlich auch keinen Müll“, argumentiert dagegen Hans-Martin Kochanek, Leiter des Umweltbildungszentrums Naturgut Ophoven, zu dessen Aufgaben unter anderem die Themen Müll, Müllvermeidung und Klimaschutz zählen. „Die freie Natur ist das Wohnzimmer von Tieren und Pflanzen. Weil wir dort gemeinschaftlich leben, gilt es, dieses Wohnzimmer sauber zu halten“, verdeutlicht er.

Zunehmend scheint das Problem in den Reihen der Stadtverwaltung anzukommen. Mag sein, dass der jüngste Gesprächsabend in der Christuskirche dazu beigetragen hat, als Stadt und Bürger mit Experten über Müllberge diskutierten. Alexander Lünenbach, Dezernent für Bürger, Umwelt und Soziales, war einer dieser Gesprächspartner. Umweltsünder gelte es nicht zu bestrafen, betonte er bei der Gelegenheit. Vielmehr müssten Aufklärung und Überzeugung im Vordergrund stehen. Einen konkreten Plan gebe es zwar noch nicht, antwortet er auf Nachfrage unserer Redaktion. Doch Hintergrundgespräche hätten bereits begonnen. Das Thema Müllvermeidung müsse ins Bewusstsein der Menschen dringen, ist der Dezernent überzeugt. Konkret vorstellbar seien etwa gezielte Initiativen und Angebote mit Naturgut und Avea. Von anderen Ländern könne man sich durchaus etwas abschauen, wenn es darum gehe, unterstreicht Alexander Lünenbach, „das Haus, in dem ich lebe, sauber zu halten.“