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Stadt Leverkusen öffnet für Schau ihr Kunst-Depot

Bild der Woche : Intensiver Blick ins Gewächshaus

Die RP stellt ausgewählte Arbeiten aus städtischem Kunstbesitz vor, die derzeit im Museum Morsbroich gezeigt werden. Den Auftakt macht „From the Hot House“ von Ben Schonzeit. Der Künstler malte das Bild 1978 auf der Basis eigner Dias aus dem Gewächshaus im Botanischen Garten von Brooklyn, jenem New Yorker Stadtteil, in dem er geboren und aufgewachsen ist.

Wie ein Fenster in der Außenwand des Schlosses Morsbroich erlaubt das großformatige Bild des amerikanischen Künstlers Ben Schonzeit den Blick in einen anschließenden Raum. Diese vorgetäuschte Wirklichkeit ist ein lichtdurchflutetes Gewächshaus mit realistisch gemalten Pflanzenstrukturen von Kakteen und Palmen. Fast scheint man die schwere, feuchte und schwüle Atmosphäre zu spüren, die in solchen tropischen Glashäusern herrscht.

Ben Schonzeit malte das Bild 1978 auf der Basis eigner Dias aus dem Gewächshaus im Botanischen Garten von Brooklyn, jenem New Yorker Stadtteil, in dem er geboren und aufgewachsen ist. Allerdings hat der Maler dem Blick ins Grüne „From the Hot House“ die Farbe entzogen bis auf eine fein abgestimmte Skala von Grau-Nuancen. Zwei Jahre vor der Entstehungszeit begann Schonzeit mit ersten Gemälden in Schwarz-Weiß, ein deutlicher Kontrast zu seinen frühen, grellbunten Bildern von Alltagsgegenständen. „Ich arbeite mit Kings Highway, Brooklyn, New York City…, renne mit einer geborgten Kamera durch die Gegend und finde überall auf dieser verdammten Welt Kunst…“, erklärte Ben Schonzeit 1971, was ihn zu der Zeit umtrieb. „Ich möchte meine Gegenstände aus dem Jetzt nehmen… Ich hoffe, dem Betrachter eine erhöhte Erfahrung und Bewusstheit angesichts jener Dinge zu vermitteln, denen man täglich begegnet.“

Seit Mitte der 1960er Jahre gilt Ben Schonzeit, geboren 1942, als einer der Hauptvertreter des Fotorealismus und nahm 1972 an der Documenta 5 in der damals bahnbrechenden Abteilung „Realismus“ teil. Diese Arbeit wurde 1980 vom damaligen Förderverein – dem heutigen Kunstverein – in Absprache mit der Museumsleitung angekauft und dem Museum Morsbroich als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Ausstellungsbesucher können sich in das Bild von Ben Schonzeit besonders vertiefen, wenn sie sich davor auf einer ganz besonderen Gartenbank niederlassen, die selbst ein Kunstwerk ist. Entworfen hat sie die Künstlerin Sherrie Levine als Prototyp für die Möblierung des Schlossparks Morsbroich, gezeigt wurde sie bereits in anderem Zusammenhang. In diesem Fall dient das Kunstobjekt tatsächlich als passende Sitzgelegenheit für Bild-Studium.

Auch Sherrie Levine ist mit in dieser Sammlungs-Schau vertreten. Im Raum nebenan sind ihre „Hobbyhorses“ von 1996 aufgereiht. Dazu hat sie funktionstüchtige Zirkus-Dreiräder silber gespritzt und auf den Sockel gehoben als eine seriell angelegte Arbeit mit industriell gefertigten Warenobjekten, die in uns ein Begehren wecken.

Bis zum Ende der Ausstellung Ende August mit ausgewählten Arbeiten der Sammlung Morsbroich stellt die Rheinische Post in loser Folge weitere Kunstwerke aus dem Besitz der Bürger als „Bilder der Woche“ vor.