Keine Chance auf Verkauf Stadt Leverkusen lagert hunderte Luftreiniger ein

Leverkusen · 650 Luftreiniger schaffte die Stadt während der Corona-Krise für Leverkusener Schulen an. Nun sind sie überflüssig, und niemand will sie haben.

 Luftfilter in Schulen sind passé. Doch wohin damit?

Luftfilter in Schulen sind passé. Doch wohin damit?

Foto: dpa/Arne Dedert

Ereilt die Luftreiniger ein ähnliches Schicksal wie die ausrangierte Wuxi-Ampel und das Aqua-Mobil? Beides ist irgendwo eingelagert und bei manchem aus dem Gedächtnis verschwunden. Die Luftreiniger jedenfalls waren ein heißes Thema in der jüngsten Ratssitzung.

Da war die Bemerkung von Schuldezernent Marc Adomat wohl nicht ganz ernst gemeint. „Zur Not könnte man aus den Luftfiltergeräten auch die Motoren ausbauen und verkaufen. Für 50 Euro das Stück.“ Das würde bei mehr als 650 Geräten, die die Stadt in der Hochphase der Corona-Pandemie anschaffte, zwar in die Tausende gehen, aber die 1,6 Millionen Euro, die die Stadt damals für die Luftreiniger vor allem für Schulräume ausgab, bei weitem nicht einspielen. Fakt sei, so bekräftigten gleich mehrere Ratsmitglieder: Der Bedarf an derlei Geräten sei derzeit schlichtweg nicht da.

Auch die Stadt hatte zahlreiche Vereine und Institutionen angeschrieben, um möglichen Bedarf abzufragen. „Es gab noch keine Interessensbekundungen“, merkte Adomat in der Sitzung an. Und musste sich Steuergeldverschwendung vorwerfen lassen. „Wie lange soll sowas eingelagert werden?“, fragte etwa Horst Müller (Bürgerliste) nach. „Das ist doch über Jahre viel zu teuer. Vielleicht sollten wir doch die Motoren verkaufen.“

Rückblende: Zwischen Januar und August 2022 hatte sich die Stadt 644 Luftreinigungsgeräte liefern lasen, im Januar 2023 nochmal zehn Geräte nachbestellt. Nun haben nur noch zwei Schulen in der Stadt Interesse beziehungsweise Bedarf an Geräten. Sie „sehen den zukünftigen Einsatz der Geräte im Falle einer neuen Pandemie als sinnvoll an. Auf ausdrücklichen Wunsch der Schulen wird ein weiterer Betrieb der Geräte sichergestellt“, hatte die Stadt im Beratungspapier für die Politik notiert. „Dem Fachbereich Schulen liegen Mitteilungen von Schulleitungen vor, dass die Luftfilter nicht mehr eingesetzt werden. Wegen des Raumbedarfs in den Klassenräumen besteht bei 50 Prozent der Schulen der ausdrückliche Wunsch, die Geräte abzuholen. Diese begründen ausführlich, warum sich die Geräte für den Schulbetrieb nicht eignen und nicht erwünscht sind.“

Grundsätzlich sei zwar eine Umverteilung denkbar, allerdings fehlen hier eben, wie von Adomat bestätigt, der Bedarf in anderen Einrichtungen. Und: „Bei erneuter Inbetriebnahme der Geräte nach längerer Lagerung ist zu beachten, dass unmittelbar eine Wartung durchzuführen und ein Vertrag für die nächsten Jahre abzuschließen wäre.“ Derweil stuft die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) die Geräte nur als Ergänzung, etwa zum Lüften, ein.

Die Stadt schlug der Politik vor, die Wartung – Kostenschätzung: rund eine halbe Million Euro – der beschafften Luftreinigungsgeräte „aufgrund der angespannten Haushaltslage zunächst zurückzustellen. Die Geräte sollen für eine spätere Verwendung zwischengelagert werden.“ Die Mehrheit des Rates stimmte den zu. Es wird eingelagert.

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