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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Currenta-Mitarbeiter in Leverkusen

Nach Explosionsunglück in Leverkusen : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Currenta-Mitarbeiter

Bei der schweren Explosion Ende Juli im Entsorgungszentrum des Leverkusener Chempark wurden sieben Menschen getötet. Jetzt verdächtigt die Staatsanwaltschaft drei Beschäftigte, das Unglück durch mangelnde Sorgfalt ausgelöst zu haben. Aus der Currenta-Zentrale wurden Unterlagen sichergestellt. Privaträume von vier Mitarbeitern wurden durchsucht.

Nachdem Ermittler von Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstagvormittag bei der Currenta-Zentrale vorgefahren waren, war eine Durchsuchung der Geschäftsräume nicht nötig. Die notwendigen Unterlagen seien freiwillig herausgegeben worden, hieß es am frühen Nachmittag in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Chempark-Betreiber selbst beeilte sich, auch öffentlich guten Willen zu zeigen: „Currenta hat großes Interesse daran, dass die Ursachen des tragischen Explosionsunglücks vom 27. Juli 2021 vollumfänglich aufgeklärt werden. Bei der Untersuchung des Unglücks arbeitet das Unternehmen eng mit den Ermittlungsbehörden und den anderen Fachbehörden zusammen. Dies wird auch weiterhin der Fall sein“, hieß es nur eine Dreiviertelstunde später in einer Mitteilung des Unternehmens.

Die strafrechtlichen Ermittlungen der Behörden nehmen offenbar Fahrt auf. Sie richten sich gegen „drei Beschuldigte wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion“. Alle drei sollen ihre Sorgsfaltspflichten „im Zusammenhang mit der Lagerung und Behandlung des Abfalls verletzt“ haben. Um wen es sich genau handelt, bleibt offen. Alter und Geschlecht bleiben ebenso ungenannt wie Arbeitsbereich und Funktion der beschuldigten Personen.

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Nach jetzigem Stand der Ermittlungen bestehe „der Verdacht, dass der in einem Tank gelagerte Abfall über der zulässigen Selbsterwärmungstemperatur gelagert worden war“, schreiben Polizei und Staatsanwaltschaft. Nach vorläufiger Bewertung des Sachverständigen „könnten hierdurch Selbsterwärmungseffekte eingetreten sein, die zu einem exponentiellen Temperatur- und Druckanstieg geführt und schließlich die Explosion des Tanks auslösten“. Es bestehe der Verdacht, dass sich infolge der Explosion restliche Abfallflüssigkeiten und zuvor zur Kühlung und Spülung in den Tank eingeleitetes Heizöl mit Luft vermischt haben und dies schließlich zum Brand geführt haben könnte.

Den Beschuldigten werde nun zunächst rechtliches Gehör gewährt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dabei werde sich zeigen, ob sie sich zum Tatvorwurf äußern wollten. Zudem würden Zeugen gehört und die sichergestellten Unterlagen ausgewertet. Auch müsse das bisher vorläufige Sachverständigengutachten endgültig abgefasst werden. Anschließend müsse sich zeigen, ob es zur Anklageerhebung kommen werde.

Die Wohnungen der drei Beschuldigten und eines weiteren Mitarbeiters sind durchsucht worden. Dabei seien Datenträger, Mobiltelefone und schriftliche Unterlagen sichergestellt worden.

„Bis zum Abschluss des Verfahrens darf es zu keiner Vorverurteilung unserer Kollegen kommen“, betont Currenta-Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Wolfgang Homey in einer Stellungnahme. Für Beschuldigte eines Ermittlungsverfahrens gelte uneingeschränkt die Unschuldsvermutung. Currenta bittet deshalb nachdrücklich, „dies zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen und zur Sicherstellung eines objektiven staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens zu respektieren“. Hierzu zähle insbesondere auch der Anonymitätsschutz der Beschuldigten.

Durch die Explosion in der Sonderabfallverbrennungsanlage waren sieben Menschen ums Leben gekommen. 31 erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Der gesetzliche Untersuchungsauftrag verpflichte die Ermittlungsbehörden, „das Ermittlungsverfahren zu personalisieren“, heißt es in einer Mitteilung von Currenta weiter. „Voraussetzung dafür ist die Möglichkeit, dass die betreffenden Personen einen strafrechtlich relevanten Fehler gemacht haben könnten.“ Im Ermittlungsverfahren solle dann überprüft werden, ob sich dieser Verdacht bestätigt oder nicht. „Der Unfall wird so umfassend wie möglich untersucht“, verspricht Currenta-Arbeitsdirektor Wolfgang Homey. „Daraus ziehen wir die notwendigen Konsequenzen für den zukünftigen sicheren Betrieb der Sonderabfallverbrennungsanlage.“ (mit dpa)