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Leverkusen: Staatsanwältin zieht Anklage wegen versuchten Mordes zurück

Leverkusen : Staatsanwältin zieht Anklage wegen versuchten Mordes zurück

Der Prozess um den beinahe tödlichen Angriff eines Schlebuschers auf seine Ex-Freundin steht kurz vor dem Ende. Heute wird ein Urteil erwartet.

Es hat nicht viel gefehlt, dann wäre der 19-Jährige zum Mörder geworden. "Es ist erschreckend, wie knapp das war", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer gestern am Kölner Landgericht. Dem Schlebuscher wird vorgeworfen, am 25. Mai dieses Jahres seine Ex-Freundin beinahe zu Tode gewürgt zu haben.

Die Anklage lautete deshalb auf versuchten Mord, wurde jedoch gestern am vierten Prozesstag von Staatsanwältin, Nebenklägerin und Verteidigung auf gefährliche Körperverletzung korrigiert. Der Angeklagte hatte unmittelbar nach der Tat Feuerwehr und Polizei benachrichtigt, was dem Opfer vermutlich das Leben gerettet hat. Das bezeichnete die Staatsanwältin als "Rücktritt vom versuchten Mord".

"Er wollte bei dem Anruf nicht mehr, dass sie stirbt", begründete die Staatsanwältin ihre Entscheidung. Knapp eine halbe Stunde plädierte sie gestern, schilderte, was sich strafmildernd und straferschwerend auf die Urteilsfindung auswirkte. Positiv sei mitunter gewesen, dass der 19-Jährige während des Prozesses geständig war und Reue gezeigt habe.

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"Der Angeklagte ist der Einzige, der den Tathergang wiedergeben kann", begründete sie. Das Opfer, seine 18-jährige Ex-Freundin, war am dritten Prozesstag gehört worden, hatte aber zum eigentlichen Tatgeschehen nur wenig berichten können, da sie sich nur vereinzelt an das Geschehene erinnerte und an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet.

Die Staatsanwältin legte großen Wert darauf, den Prozessteilnehmern und der Vorsitzenden Richterin Ulrike Grave-Herkenrath bewusst zu machen, dass die Tat "kurz vor der Vollendung" gestanden hat. "Für eine gefährliche Körperverletzung ist das die schlimmste Tat", sagte sie. Die Verletzungen, die bei der Geschädigten festgestellt wurden, hätten die Rechtsmediziner so nur bei maximal drei Überlebenden gesehen, ansonsten seien solche Schädigungen nur bei Leichen zu sehen, verlas sie aus Gutachten. Drei Jahre und neun Monate forderte sie deshalb als angemessene Strafe. Zudem sei der zum Tatzeitpunkt 18-jährige Angeklagte nach Jugendstrafrecht zu verurteilen.

Wie die Staatsanwältin erinnerte auch der Verteidiger daran, dass der Prozess größtenteils auf der Aussage seines Mandanten basiere. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so viele Fragen beantwortet bekomme", sagte der Anwalt, selbst überrascht von der Auskunftsfreude des jungen Mannes. Wegen der Geständigkeit und der Tatsache, dass der 19-Jährige bisher nicht vorbestraft ist, sei das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß zu hoch, sagte er. Seine Forderung: drei Jahre.

Das Opfer habe bis heute sehr unter der Tat zu leiden, bei ihr seien Verzögerungen der Sprechgeschwindigkeit festzustellen, die auf einen Sauerstoffverlust zurückzuführen sind, berichtete die Nebenklägerin in ihrem Plädoyer. Ihrer Meinung nach soll der 19-Jährige für vier Jahre hinter Gitter. Ein Urteil wird heute erwartet.

(RP/rl)