Handball : Wolf "pokert" Elfen zu Erfolg im EHF-Cup

Bayers Handballerinnen bezwingen Zaglebie Lubin im Hinspiel mit 30:23 und stehen vor dem Einzug ins Achtelfinale.

Mit einem Pokerspiel verglich Renate Wolf nach dem Schlusspfiff die Tüfteleien für den Europapokal. Wenn es danach geht, müsste die Trainerin von Bayers Fußballerinnen auch am Kartentisch eine gute Figur machen. Denn im ersten Vergleich mit dem polnischen Vizemeister MKS Zaglebie Lubin lag sie mit ihren taktischen Vorgaben gleich goldrichtig, was mit einem 30:23 (13:8)-Erfolg und somit sieben Treffern Puffer für das Rückspiel nächste Woche belohnt wurde. Bei polnischem Ballbesitz lasen die Elfen das "Blatt" hervorragend und ließen den Gegner überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Und als das junge Leverkusener Team mit vielen Europapokal-Debütantinnen die anfängliche Nervosität abgelegt hatte, lief es auch im Angriff rund.

Den 2:4-Rückstand (9.) glichen sie rasch aus (10.) und legten von der elften Minuten an bei wachsendem Vorsprung den Spielstand vor. Die Gäste zeigten sich merklich beeindruckt und leisteten sich einige technische Fehler. "Das haben wir taktisch gnadenlos ausgenutzt", schwärmte Wolf. Gut gefallen hat ihr vor allem das hohe Tempo im Angriff. Das ließ die polnische Abwehr immer wieder merklich die Orientierung - und mit zunehmender Spieldauer auch die Kraft - verlieren.

Insbesondere am Kreis hatten sie immer wieder das nachsehen - und das, obwohl Wolf Jenny Karolius nach ihrer Gehirnerschütterung mehr Auszeiten als üblich gönnte. Sie konnte es sich sogar erlauben, die Elfen-Spielführerin in der elften Minute erstmals aufs Feld zu schicken. Denn am Kreis zeigte sich die junge Anna Seidel als mindestens ebenbürtiger Ersatz. Es war kein Zufall, dass das Eigengewächs mit insgesamt acht Treffern beste Schützin der Partie war. Dafür erhielt sie wie Keeperin Valentyna Salamakha ein Sonderlob der Trainerin.

Aber auch Teilzeitkraft Karolius leistete wertvolle Beiträge zum überzeugenden Sieg. Gleich mit ihren ersten Szenen traf sie Lubin ins Mark. Drei lange Pässen fanden ihr Ziel in der hochgewachsenen Kreisläuferin mit den wilden Dreadlocks. Die wusste die Zuarbeit gewinnbringend zu nutzen. Zwei Treffer (von insgesamt fünf) markierte sie selbst, einen weiteren legte sie "Vertretung" Seidel auf - in nicht einmal anderthalb Minuten und ohne dass Lubin dazwischenfunken konnte.

Der Sieg bietet eine gute Basis für das Rückspiel kommende Woche in Polen. Aber zurücklehnen können sich die Elfen noch nicht. Denn der Einzug ins Achtelfinale ist noch lange nicht perfekt. "Sieben Tore Vorsprung sind toll, aber das ist noch lange keine Garantie", warnte Wolf. Insbesondere dürfe sein Team sich weder vom scheinbar beruhigenden Ergebnis noch von der sicherlich beeindruckenden Kulisse beeindrucken lassen.

Elfen: Salamakha, Hagel (bei mehreren Siebenmetern) - Latakaite-Willig (1), Seidel (8), Müller, Heldmann, Karolius (5), Naidzinavicius (5/2), Jochin (2), Adeberg (1), Loest (1), Rode (7).

(kre)
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