Leichtathletik : "Von einem Frust zum nächsten"

Robin Schembera ist die tragische Figur unter Leverkusens Leichtathleten. Bei den Deutschen Meisterschaften stoppte den 800-Meter-Läufer einmal mehr Verletzungspech. Die Saison mit EM und Olympia ist für ihn gelaufen. 2013 will er mental gestärkt den nächsten Neuanfang angehen.

Nach dem erneuten Rückschlag entschlossen sich Robin Schembera und sein Trainer Paul-Heinz Wellmann, dem Schrecken ohne Ende ein Ende mit Schrecken vorzuziehen. "Bis kein eindeutiger Befund vorliegt, wird Robin keine Wettkämpfe mehr absolvieren. Der Junge läuft ja von einem Frust zum nächsten", sagte Wellmann und begrub damit letzte, zarte Hoffnungen auf eine Teilnahme seines Schützlings bei EM und Olympia.

Bei den Deutschen Meisterschaften hatten Schembera auf der Zielgerade des 800-Meter-Vorlaufs erneut die in dieser Saison so leidigen wie rätselhaften Oberschenkelprobleme zur Aufgabe gezwungen. "Die ganze Woche hatte ich keine Probleme, und dann das", klagte der 23-Jährige.

Der Deutsche Meister der Jahre 2008 und 2009 muss damit eine Saison frühzeitig zu den Akten legen, die eigentlich als Neustart angedacht war. Der Wechsel von Adi Zaar zu Wellmann sollte neue Reize setzen — mental wie physisch. "Ich habe meine Ernährung umgestellt. Außerdem habe ich den Spaß am Laufen zurückgewonnen. Ich will diese 800 Meter laufen. Ich habe nicht länger das Gefühl, dass ich sie laufen muss. So etwas setzt extreme Kräfte frei", hatte Schembera noch in der Vorwoche auf seiner Internetseite mitgeteilt.

Doch so willig der Geist anscheinend war, das Fleisch war schwach — zu schwach. Er war zuletzt zur Behandlung bei Sportmedizinern in Sendenhorst/Münsterland gewesen, und er ist es aktuell schon wieder. Die Oberschenkelprobleme sollen vom Rücken herrühren, heißt es.

Die gute Laune des Kommissar-Anwärters wird also weiter auf eine harte Probe gestellt — wie so oft in letzter Zeit. Im vergangenen Jahr hatte er den Endlauf der Deutschen Meisterschaften in Kassel auslassen müssen — ein Ziehen in der Kniekehle ließ keinen Start zu. Ein Jahr zuvor in Braunschweig hatte seine Polizeiausbildung offenbar zu viele Körner für ein gutes Rennen bei den nationalen Titelkämpfen gekostet, wie man später erfuhr. Bei der WM 2009 in Berlin war er gestürzt.

Doch Wellmann hat trotz aller Rückschläge weiter die Hoffnung, dass sein Athlet selbige nicht verliert. "Solche Erlebnisse können einen mental noch stärker werden lassen. Ich selbst war 1973/74 am Boden, war immer verletzt. Doch danach war ich so stark wie nie zuvor", erzählt der Olympiadritte von 1976 über 1500 Meter, der Schembera nach wie vor "eine Super-Einstellung" attestiert. Schembera selbst will jedenfalls weiter kämpfen. "Ich habe nicht aufgegeben und werde das jetzt auch nicht tun", sagte er tapfer.

Wenn es gut läuft, könne Schembera Ende August vielleicht noch den ein oder anderen Wettkampf mitnehmen, hofft Wellmann. "Damit er mit einem guten Gefühl aus der Saison herausgeht", sagt er. Während andere für EM und Olympia planen, muss Schembera sich neue Fernziele suchen. Die Leichtathletik-WM 2013 findet im August in Moskau statt. Das Nahziel ist indes eins, für das er keine Norm benötigt: Gesundheit.

(RP/rl)
Mehr von RP ONLINE