Sportschießen : „Wir sind alle ganz lieb“

Vor rund sieben Wochen zog sich Vicky Bobbert einen dreifachen Bruch und einen Sehnenabriss zu. Seither zittert die 26-Jährige um ihre Teilnahme am vielleicht wichtigsten Turnier ihrer Laufbahn. Bobbert ist Sportschützin, trainiert bei der SSG Leverkusen. Am Wochenende ist der Wettkampf um den Aufstieg in die 3. Bundesliga. Dass Sportschützen mit Amokläufen in Verbindung gebracht werden, geht der langjährigen Schützin nah.

Wenn sich Vicky Bobbert in vollster Konzentration auf das Ziel befindet, ist das für sie Entspannung. In diesen Momenten ist alles ruhig, alles unter Kontrolle. Seit sie ein Kind war, kam sie mit auf den Schießstand, seit vier Jahren startet sie für die SSG Leverkusen. „Mein Vater hat mich immer mitgenommen, ich bin so aufgewachsen“, erzählt die 26-Jährige.

Was für Bobbert und ihre Mitstreiter normal ist, kann für andere Menschen von außen betrachtet skurril wirken. Oft werden die Sportschützen inzwischen mit Amokläufen in Verbindung gebracht – Bobbert aber widerspricht so hartnäckig wie sanft: „Wir sind alle ganz lieb“, betont sie. Um legal an eine Waffe zu gelangen, sind ohnehin einige Schritte notwendig.

Rund ein Jahr muss eine Person regelmäßig im Verein trainieren, an Wettkämpfen teilnehmen. Erst dann stellt der Verein einen Antrag bei der Polizei. Schon dort findet die erste Überprüfung statt, ehe der Verfassungsschutz erneut prüft – und erst dann wird der Antrag bewilligt. Allerdings nur bei Vorstrafenfreiheit. Ein Vergehen – welcher Art ist egal – und die Waffen werden eingezogen oder gar nicht erst ausgegeben. „Man kann sich sicher sein, dass wir hier alle eine weiße Weste haben“, sagt Bobbert.

Den Mitgliedern der SSG geht es um den sportlichen Faktor des Schießens. Die Konzentration, den ruhigen Puls und die Freude, die ein guter Treffer auslöst. Schließlich ist die Zehn (der Höchstwert) bei einer Entfernung von zehn Metern nur 0,5 Millimeter groß. Je nach Disziplin – und von denen gibt es aufgrund der unterschiedlichen Waffentypen viele – dauert ein Wettkampf zwischen 30 Minuten und dreieinhalb Stunden. „Danach ist man platt“, berichtet Bobbert.

Vor rund sieben Wochen zog sie sich einen dreifachen Bruch und einen Sehnenabriss zu. Seither zittert sie um ihre Teilnahme am vielleicht wichtigsten Turnier ihrer Laufbahn. Am Wochenende ist der Wettkampf um den Aufstieg in die 3. Bundesliga, und sie als Teamführerin würde ihrer fünfköpfigen Mannschaft am Sonntag arg fehlen. In Inden-Altdorf (bei Düren) geht es in der Disziplin Luftgewehr Freihand um den Aufstieg in die Rheinland-Liga (dritthöchste Schießklasse). Die besten Teams aus den Staffeln Nord, Mitte und Süd treffen aufeinander, hinzu kommen Relegationsmannschaften, die um den Verbleib in der Rheinland-Liga kämpfen.

Zweimal 40 Schuss hat jeder Schütze, um maximal 400 Zähler zu erzielen. Die Punkte werden addiert, die besten zwei Mannschaften steigen auf. Für die SSG ist das das erklärte Ziel. „Wir haben die Mannschaft vor zwei Jahren gegründet, um irgendwann in der Bundesliga zu schießen“, erläutert Bobbert. Jedoch benötigt das einen Leistungssprung. Denn im Oberhaus ist es normal, die Zehn mit fast jedem Schuss zu treffen, wie die 26-Jährige sagt.