Lokalsport: TSV wünscht sich Talentscout für behinderte Sportler

Lokalsport : TSV wünscht sich Talentscout für behinderte Sportler

Morgen lädt der Leichtathletikverein ab 16 Uhr zum 5. Integrativen Sportfest auf der Fritz-Jacobi-Anlage.

Behinderte und nichtbehinderte Sportler treffen morgen auf der Fritz-Jacobi-Anlage zusammen, um Inklusion vorzuleben. Beim 5. Integrativen Sportfest stehen nahezu alle Leichtathletikdisziplinen im Fokus. Ein Gesprächsthema am Rande könnte dabei auch die Akquise von behinderten Sportlern sein. Thomas Frischmann, Geschäftsführer der Behindertensportabteilung beim TSV Bayer 04, sagt: "Wir haben das Problem, dass wir Talente identifizieren müssen. Kinder mit Handicap kommen nicht einfach zu uns wie in anderen Sportvereinen und sagen: Wir wollen mitmachen." Selbst in Leverkusen, wo dieses Thema dank der Präsenz des TSV höher sei als andernorts, wüssten viele Kinder und Jugendliche nicht, dass es überhaupt Behindertensport gibt.

Neben dem Unwissen über die Möglichkeiten, die Jugendliche nach einem Schicksalsschlag haben, sportlich aktiv zu werden, gebe es auch hohe mentale Hürden zu überwinden: "Wir hatten schon einen Jungen mit doppelter Armbehinderung, der aber sagte, er wolle keinen Behindertensport machen, denn er sei nicht behindert", berichtet Frischmann.

Deshalb schwirrt in den Gedankenspielen der TSV-Verantwortlichen schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit, einen Talentscout zu engagieren, umher. Die Idee: Ein Angestellter des Behindertensportverbands NRW zieht los, geht in Schulen und Einrichtungen, wo Behinderte arbeiten, und spricht diese gezielt an, ob sie Sport machen wollen und lädt sie zu einem Talenttag ein, wo Trainer mit den Kindern und Jugendlichen sprechen und die Möglichkeiten im Verein eruieren. Das Problem: Wer zahlt den Scout? Dem Vernehmen nach fokussieren sich Ministerien, Sportbund oder Verband eher auf die Förderung von Trainern als auf das Hinterfragen der Besonderheiten des Behindertensports und der daraus resultierenden, unterschiedlichen Strukturen. "Mir fehlt die konkrete Auseinandersetzung mit unserem Sport", analysiert Frischmann.

So liegt es derzeit noch am TSV selbst die Akquise zu betreiben: Zwei Mitarbeiterinnen klappern die Sanitätshäuser im Umkreis von 100 Kilometern von Leverkusen aus ab und legen dort Flyer aus. Doch auch da gibt es Probleme: Viele Orthopädiemechaniker hätten Angst, dass zu genau auf ihre Arbeit geguckt würde und ihre Patienten abwandern. Deshalb werde nicht unbedingt für den Sport geworben, bei dem Prothesen naturgemäß großen Belastungen ausgesetzt sind.

Ein Positivbeispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Merheim. "Die rufen uns schon mal nach Amputierungen an und fragen ob David Behre oder Heinrich Popow mal kommen und sich mit den Leuten unterhalten können. Das hilft den Menschen ungemein", erklärt Frischmann und führt aus: "Ärzte sagen immer wieder, dass Sport der beste Punkt ist, um wieder ins Leben zu finden. Einige Ärzte waren bei uns mit Leuten, die sehen sollten, was trotz Prothesen möglich ist, wenn man nur will."

(RP)
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