Leichtathletik: TSV-Duo will bei der WM in Moskau reifen

Leichtathletik : TSV-Duo will bei der WM in Moskau reifen

Kira Biesenbach und Alyn Camara sind die jüngsten Leichtathleten des TSV Bayer 04, die bei der Weltmeisterschaft in Moskau starten. Sie liebäugeln nicht mit Medaillen, sondern sehen ihre Teilnahme als nächsten Entwicklungsschritt an.

In der Vergangenheit waren die Aufgaben, vor die Siebenkämpferin Kira Biesenbach in ihrem Sportlerleben gestellt wurde, klar umrissen. Sie hießen: 100 Meter Hürden, Hochsprung, Kugelstoßen, 200 Meter, Weitsprung, Speerwerfern, 800 Meter. In diesem Jahr hat die 20-Jährige indes noch eine achte Disziplin zu bewältigen. Und zwar: eine beeindruckende, mit überraschenden Höhepunkten gespickte Saison zu verarbeiten. "Ich fange jetzt ganz langsam an zu realisieren, was sich ereignet hat", verrät sie.

In Götzis und Ratingen die 6000er-Marke geknackt, zuletzt Silber bei der U 23-EM, in knapp zwei Wochen Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Moskau. Der Wettkampf in Russland sei "das Sahnehäubchen", sagt Biesenbach. Sie ist eine von "siebeneinhalb" WM-Teilnehmern des TSV Bayer 04.

Beim Träumen von einer Platzierung sehr weit vorne oder sogar vom Sprung auf das Podest wird Biesenbach niemand ertappen. Als Jüngste der Leverkusener Reisegruppe und 19. der weltweiten Saisonbestenliste sei Moskau einzig und allein der richtige Platz, "um mehr Erfahrung zu sammeln. Ich versuche, den Wettkampf mit Lockerheit anzugehen, auch wenn ich glaube, dass ich erschlagen sein werde von den Eindrücken."

Mit einer recht ähnlichen Zielsetzung geht Camara seine WM-Premiere an. "Es ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zu meinem großen Ziel: den Olympischen Spielen 2016 in Rio." Daher zähle für ihn weniger das nackte Ergebnis als das Mehr an Routine. Er erhofft sich, ein Stück weit gefestigter im Kopf aus Moskau zurückzukehren, sieht die WM als eine Art metale Reifeprüfung. "Der psychische Teil eines solchen Wettkampfs ist schwer zu bewältigen. Ich muss noch lernen, wie mit Magengrummeln oder einer schlaflosen Nacht vor so einem Großereignis umzugehen ist."

Allerdings sprangen in diesem Jahr weltweit lediglich sechs Konkurrenten weiter als der 24-Jährige. Daher laute die Zielsetzung: "die Quali überstehen". Das wäre ein Fortschritt zu seinem Auftritt bei Olympia in London. Vor einem Jahr verpasste er mit 7,72 Metern den Endkampf. Enttäuschung brachte er aber nicht mit heim: "Auf so ein Ereignis blickt man sein Leben lang zurück. Da hat sich ein Lebenstraum erfüllt." Dabei hat Camara, der vor rund drei Jahren von der Hürdenstrecke auf den Weitsprung umstieg, erst in diesem Jahr so richtig Fuß gefasst in seiner Disziplin. Waren Acht-Meter-Sprünge in den vorigen Saisons die Ausnahme, sind sie inzwischen zur Regel geworden. Dabei sei es für ihn zunächst "ein Schock gewesen, als ich gesehen habe, dass die WM-Norm 8,25 Meter beträgt — das ist eine Weite, die bei einer WM oft für eine Medaille gereicht hätte". Aber den Schock schüttelte rasch ab. Zwei Mal hat er diese Marke in den vergangenen Monaten überboten, zudem in Ulm mit 8,15 Metern erstmals den Titel bei der Deutschen Meisterschaft gewonnen.

Für Camara steht am 14. August die Qualifikation für das Finale (16. August) an. Biesenbach absolviert ihren Auftritt am 12. und 13. August. Auch in Moskau wird sie eine achte Disziplin in Angriff nehmen. Die lautet: "Die Atmosphäre im Stadion auf den Rängen genießen — denn nach meinem Wettkampf blieben mir noch fünf Tage bis zum Rückflug.".

(RP)
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