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TSV Bayer 04 Leverkusen: Renate Wolf kontert Henk Groeners Kritik

Handball, Frauen-Bundesliga : Renate Wolf kontert Henk Groeners Kritik

Bundestrainer Henk Groener gibt den Handball-Vereinen eine Mitschuld an der schwachen EM der Frauen-DHB-Auswahl. Elfen-Managerin Renate Wolf widerspricht ihm deutlich.

Renate Wolf machte schon im Vorfeld der EM kein Geheimnis daraus, dass sie wenig Verständnis für das Turnier in Zeiten der Corona-Pandemie hat. Jetzt sind die Titelkämpfe vorüber. Und die Managerin von Bayers Handballerinnen sieht sich bestätigt. Denn die Auswirkungen der nötigen Schutzmaßnahmen und einige Corona-Fälle bei Spielerinnen ließen erst gar nicht das Flair eines Handball-Festes aufkommen. Aus Sicht der deutschen Auswahl und der Elfen (siehe Infokasten) verlief das Turnier enttäuschend.

Wirklich auf die Palme brachte Wolf indes, wie Bundestrainer Henk Groener mit dem bitteren Hauptrunden-Aus der Frauen-Nationalmannschaft umging. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass das DHB-Team wegen Verletzungen (Mia Zschocke und Mareike Thomaier) oder wenig überzeugender Form (Jennifer Souza) ohne die drei Kandidatinnen aus Leverkusen nach Dänemark reiste. Groener hatte nach dem siebten Platz die Arbeit der Vereine kritisiert und sie so für den Misserfolg zumindest mitverantwortlich gemacht. Man habe zu viele Spielerinnen, die nicht tagtäglich im Training sind oder Spiele auf höchstem Niveau spielten, beklagte der Trainer.

„Diese Kritik finde ich anmaßend und das lasse ich mir so nicht gefallen“, betont die Elfen-Managerin. Die Vereinsschelte erschien nicht nur ihr als Ausrede und Ablenkungsmanöver – vor allem, da die Nationalmannschaft zum überwiegenden Teil aus Spielerinnen besteht, die im Ausland oder bei den deutschen Top-Klubs Bietigheim, Metzingen und Dortmund aktiv sind.

„Trainer müssen sich auch an Ergebnissen messen lassen. Etwas Selbstkritik wäre sicherlich angebracht“, gibt Wolf zu bedenken. Zumal die Groener-Sieben gegen den späteren Europameister Norwegen eine überdeutliche 23:42-Niederlage kassiert hat, die mit den Ansprüchen, eine Medaille zu gewinnen, ebenso wenig in Einklang stand, wie die entscheidende Pleite gegen Kroatien, das Corona-bedingt nur mit einem B-Team angereist war.

Hinter den Aussagen des Bundestrainers sieht Wolf auch abseits aktueller Resultate eine Grundhaltung, der es am nötigen Respekt gegenüber Vereinen mit kleinerem Etat fehlt. Zu denen zählt auch der TSV Bayer, wo nur wenige Voll-Profis unter Vertrag und Europapokal-Teilnahmen inzwischen eher die Ausnahme sind. „Obwohl die meisten Spielerinnen bei uns zusätzlich arbeiten oder studieren, trainieren wir bis zu neun mal die Woche“, betont sie. An der Qualität der Ausbildung in Leverkusen kann angesichts der Tatsache, dass kein Verein mehr Nationalspielerin geformt hat, kein Zweifel bestehen.

Schon länger registrieren die Verantwortlichen bei den Elfen mit einiger Verärgerung, dass Groener auf junge Spielerinnen – auch aus Leverkusen – einwirkt, sie sollten sich möglichst früh einem der vermeintlich professionellen Top-Teams anschließen. Das führe dazu, dass junge Talente den Ausbildungsvereinen wie den Elfen den Rücken kehrten. „Und ich habe nicht den Eindruck, dass das immer das Beste für die Entwicklung der Spielerinnen ist“, sagt sie ohne Namen zu nennen.

Aber Beispiele für diese Beobachtung drängen sich durchaus einige auf. So erhält beispielsweise etwa ganz aktuell Ex-Elfe Jennifer Rode in Dortmund kaum noch Einsatzzeiten. In Leverkusen stand sie als Leistungsträgern in den letzten Jahren deutlich häufiger auf dem Feld.