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TSV Bayer 04 Leverkusen: Michael Biegler wirft bei den Elfen hin

Handball, Frauen-Bundesliga : Michael Biegler wirft bei den Elfen hin

Der 59-Jährige überrascht den Frauenhandball-Bundesligisten aus Leverkusen mit seinem Rücktritt. Managerin Renate Wolf ist um eine langfristige Lösung bemüht. Am Mittwoch kommt Bietigheim.

Die Nachricht verbreitete sich in der Szene wie ein Lauffeuer. Michael Biegler trat am Montag überraschend als Coach von Bayers Bundesliga-Handballerinnen zurück – und das mit sofortiger Wirkung. Das heißt: Der frühere Bundestrainer sitzt schon am Mittwochabend beim letzten Spiel vor der EM-Pause gegen den Tabellenführer Bietigheim nicht mehr auf der Bank der Elfen. Spekulationen, nun würde Renate Wolf übernehmen, trat die Managerin entschieden entgegen. „Das wird nicht passieren“, versicherte sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Nicht einmal für die Partie gegen die SG BBM möchte die langjährige Trainerin der Leverkusenerinnen, die unter Biegler als Assistentin aushalf, auf die Bank zurückkehren. Stattdessen arbeitet sie fieberhaft an einer Lösung, die idealerweise sofort greift und auch langfristig funktionieren soll. Das Anforderungsprofil ist klar. „Es muss jemand sein, der auch zu unserer Philosophie passt“, wünscht sich Wolf.

Die Zusammenarbeit mit Biegler endete nach nicht einmal einem Jahr. Er hatte nach der vorzeitigen Trennung von Robert Nijdam im Dezember 2019 zunächst in Teilzeit – und in Arbeitsteilung mit Wolf – übernommen und war seit dem Sommer dann alleiniger Chef-Trainer. Allerdings trieb er parallel den Aufbau seiner Agentur „360° Coaching bei Michael Biegler“ voran. Mit dem wachsenden Zeitaufwand dafür begründete er nun auch seinen Entschluss, das Engagement zu beenden.

Obwohl er die Verantwortlichen damit am Montag überraschte, waren beide Seiten um warme Worte zum Abschied bemüht. „Michael hat uns im Winter in einer schwierigen Situation sehr geholfen“, sagte Abteilungsleiter Andreas Thiel und dankte dem Trainer für die „sportlich erfolgreiche Arbeit“. Der wiederum zeigte sich ebenfalls verbunden für die Möglichkeit, die „facettenreiche Arbeit bei einem Frauen-Bundesligisten“ kennenzulernen und bezeichnete die Zusammenarbeit als „interessante und fruchtbare Aufgabe“.

Auch Wolfs Verzicht auf eine Rückkehr auf die Trainerbank und die gegenseitigen Beteuerungen werden jedoch wohl nicht ganz verhindern können, dass über mögliche Probleme zwischen der Managerin und dem befreundeten Trainer spekuliert wird. Dementsprechend groß ist die Hoffnung der Chef-Elfe, dass bald wieder Ruhe einkehrt und sie – im fünften Anlauf – doch noch eine langfristige Lösung für die Elfen findet. Denn sie will sich dauerhaft nur noch um die Aufgaben als Managerin kümmern.

Das ist schon seit 2012 das Ziel, als sie das Team an Ex-Spielerin Heike Ahlgrimm übergab. Länger als deren zwei Jahre war jedoch seitdem kein Coach im Amt, von Wolfs eigenen „Rückfällen“ einmal abgesehen. Am kürzesten währte 2014 die Amtszeit von Khalid Khan, von dem sich der Verein noch vor Saisonbeginn trennte. Vorzeitig endeten zuletzt aus unterschiedlichen Gründen auch die Amtszeiten von Nijdam (Sommer 2018 bis November 2019) und schließlich Biegler.

Wer auch immer gegen Bietigheim auf der Elfen-Bank sitzen wird, beginnt die neue Aufgabe mit kniffliger Mission und dezimiertem Personal. Denn neben den verletzten Mareike Thomaier und Fanta Keita drohen gegen den Spitzenreiter und Champions-League-Teilnehmer auch die Ausfälle der angeschlagenen Zoë Sprengers und Svenja Huber. Es ist also aus Perspektive der Elfen in mehr als einer Hinsicht höchste Zeit für die Pause in der Liga.