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TSV Bayer 04 Leverkusen: Mia Zschocke wechselt zu Borussia Dortmund

Handball, Frauen-Bundesliga : Zschocke zieht es zum BVB – Klein kommt zum TSV

Mia Zschocke verlässt im Sommer Bayers Erstliga-Handballerinnen Richtung Dortmund. Aus Lintfort kehrt dafür Naina Klein zurück zum TSV Bayer.

Eine Überraschung war Mia Zschockes Entscheidung nicht. Daher waren die Verantwortlichen von Bayers Bundesliga- Handballerinnen auch alles andere als unvorbereitet, als die Nationalspielerin ihre Vertragsoption zog, um sich im Sommer dem ambitionierten Nachbarn Borussia Dortmund anzuschließen. Und doch war der bevorstehende Wechsel das Gesprächsthema bei den Elfen unter der Woche und verdrängte das bevorstehende Spiel gegen Bensheim/Auerbach am Sonntag (16 Uhr, Smidt-Arena, live im Stream auf www.handball-deutschland.tv) ein wenig aus der Wahrnehmung.

Managerin Renate Wolf war die Enttäuschung darüber deutlich anzumerken, dass Zschocke nach sieben Jahren in Leverkusen weiterzieht. Vor allem, da sich die 22-Jährige – vor ihrer Verletzung – zuletzt endlich auch im Angriff als die Anführerin zeigte, die sie in der Verteidigung schon längst gewesen ist. „Mia hat sich hier Stück für Stück zu einer Leistungsträgerin entwickelt. Es ist wirklich schade, dass sie uns nun verlässt“, betont die Chef-Elfe.

Sie traut Zschocke noch mehr zu, als sie bislang gezeigt hat. „Mia hat durchaus das Potential, eine große Spielerin zu werden“, ist Wolf überzeugt. Entscheidend für die Weiterentwicklung sei allerdings, „Spielanteile und gutes Training“ zu bekommen. Sie wünsche dem bisherigen Schützling von Herzen, mit dem Wechsel zum BVB die richtige Entscheidung für die Zukunft getroffen zu haben. Wolf spricht es nicht direkt aus, aber es schwingt schon eine gewisse Skepsis in ihren Worten mit – und der Glaube, dass mindestens ein weiteres Jahr unterm Bayer-Kreuz Zschocke gutgetan hätte.

Mit dem bevorstehenden Abschied verkündeten die Elfen gleich auch einen Zugang für Zschockes Position im linken Rückraum. Vom Kooperationspartner und Zweitliga-Fünften TuS Lintfort kehrt Naina Klein zurück zum TSV Bayer 04, wo sie mit Zweitspiel-Recht schon in der Saison 2018/19 spielen sollte, aber durch einen Kreuzbandriss ausgebremst wurde. „Ich habe ja immer verfolgt, was in Leverkusen so passiert und noch Kontakte in die Mannschaft. Ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für diesen Wechsel und ich will versuchen, mich in der 1. Bundesliga durchzusetzen“, betont die 21-jährige Torjägerin und aktuell achte der Zweitliga-Torschützinnen-Liste. Trainer Martin Schwarzwald kennt Klein bereits seit Jahren und hält große Stücke auf den Zugang.

„Aber von ihr jetzt zu erwarten, ein 1:1-Ersatz für Mia zu sein, wäre nicht in Ordnung“, beugt der Übungsleiter entsprechend hohen Erwartungen vor – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Erstens wird sich Klein den linken Rückraum mit Mariana Ferreira Lopes teilen, die im Winter auch angesichts von Zschockes Verletzung verpflichtet wurde. Zweitens bringt sie neben Talent und Torgefahr auch eine Körpergröße von 1,82 Meter mit und ist schon darum ein anderer Spielertyp als Zschocke. Das soll sich in der Abwehr ebenso bezahlt machen wie im Angriff. Dort könnte Klein dem Spiel der Leverkusenerinnen eine Dimension verschaffen, die aktuell fehlt: Torgefahr aus der Distanz. Von der profitiert bis zum Sommer aber erst einmal noch der TuS Lintfort.

Derweil hat Zschocke unter der Woche zwar erstmals wieder trainieren können. Ein Einsatz am Sonntag käme für sie aber ebenso zu früh wie für Teamkollegen Mareike Thomaier, die inzwischen eine Orthese trägt und den verletzten Daumen nun wieder vorsichtig bewegen darf. Noch mehrere Woche verzichten muss Schwarzwald nach deren Knie-Operation zudem auf Hildigunnur Einarsdottir. Bereits komplett gelaufen ist die Saison wohl für Fanta Keita.

Die ganz große Spannung mit Blick auf den Rest der Saison ist ohnehin raus. Die Elfen gehören wie der nächste Gegner Bensheim zum breiten Mittelfeld der Liga. Allerdings sind sie für Sonntag gleich mehrfach motiviert. Nach der knappen Hinspielniederlage sinnen sie auf eine Revanche. Außerdem wollen sie sich nach zuletzt fünf Pleiten in Pokal und Liga in Serie und mehr als einen Monat ohne Sieg endlich wieder ein Erfolgserlebnis verschaffen. Torhüterin Vanessa Fehr, die den TSV wie Zschocke im Sommer verlässt, wird jedenfalls sicher alles daran setzen, gegen ihren zukünftigen Klub eine starke Leistung zu zeigen.