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TSV Bayer 04 Leverkusen: Giants-Abteilungsleiter Frank Rothweiler im Interview

Interview mit Giants-Abteilungsleiter Frank Rothweiler : „Wir planen für die ProA“

Leverkusens Basketball-Abteilungsleiter im Gespräch über den Saisonabbruch und die Kaderplanung der Giants.

Herr Rothweiler, Sie sind für die Bayer-AG beruflich in den USA, in St. Louis, tätig. Wie haben Sie die Corona-Pandemie dort wahrgenommen?

Rothweiler Da ich auch in den USA aufgewachsen bin, habe ich mich neben meinem Hauptberuf bei Bayer in St. Louis an meine Jugendleidenschaft der US-Sportlandschaft dort gewöhnt. Am Abend schaltet man den Fernseher ein, schaut noch ein, zwei Basketballspiele. Als das plötzlich wegfiel, die College-Meisterschaft abgesagt und auch die NBA ausgesetzt wurde, war alleine deshalb eine gewisse Leere da. Kurze Zeit später konnte ich dann mit Unterstützung meines Arbeitgebers früher als geplant nach Hause zu meiner Familie nach Deutschland reisen. Zum Glück bin ich noch rechtzeitig weggekommen.

Ist ihre Rückkehr in die Staaten zeitnah geplant?

Rothweiler Derzeit bin ich im Homeoffice tätig. Sobald sich die Lage entspannt, werde ich zurückfliegen, aber im Moment denken wir von Woche zu Woche. Bayer wird keine unnötigen Risiken eingehen. Wir warten jetzt einfach ab und geraten nicht in Panik. Dazu besteht auch kein Anlass, denn trotz der Ernsthaftigkeit der Lage wird es nicht das Ende der Welt sein.

Die Basketball-Saison ist allerdings vorbei. Den Bayer Giants wird die Chance auf die Play-off-Teilnahme in der ProA verwehrt. War der Abbruch alternativlos?

Rothweiler Es war die korrekte Entscheidung, schließlich geht es um die Gesundheit von uns allen. Inklusive Play-offs hätten wir noch vor etwa zwei Monaten Spielbetrieb gestanden. Ob es wirklich dazu gekommen wäre, wenn wir auf Zeit gespielt hätten, ist gar nicht abzusehen. Mit dem Abbruch ist zumindest etwas Planungssicherheit gegeben, und es spart allen Klubs natürlich Kosten – in erster Linie, da die Spielergehälter nicht mehr gezahlt werden müssen.

Wie hoch sind die Verluste für die Bayer Giants?

Rothweiler Die Zuschauer- und Catering-Einnahmen fallen weg. Das sind die beiden Hauptposten. Auf der Gegenseite sparen wir die Gehälter. Belastbare Zahlen lassen sich nicht nennen, aber wir werden sicher, wie die meisten Vereine, mit einem Minus herausgehen. Dauerkarteninhaber und Sponsoren werden wir fair bedienen, aber natürlich hoffen wir, dass man uns – soweit möglich – die drei, vier Heimspiele schenkt, damit wir den Basketballbetrieb so weiterführen können, wie wir es zuletzt gemacht haben.

Es lief super. Als Aufsteiger beenden die Giants die ProA-Saison auf dem fünften Platz. Ist das Level zu halten?

Rothweiler Wir würden uns gerne frühzeitig Gedanken über die nächste Saison machen. Neben Bayer werden wir aber von vielen mittelständischen Unternehmen unterstützt. Die haben momentan einfach andere Probleme zu lösen, als sich die Frage zu beantworten, ob sie in der kommenden Saison noch Sponsor der Giants sind. Deshalb warten wir mit den Gesprächen, bis die Situation kalkulierbarer ist. Die Zeit wird kommen.

Ist ein Rückzug aus der ProA zu befürchten?

Rothweiler Das kommt nicht in Frage. Wir planen für die ProA und sind absolut zuversichtlich, dies auch in der kommenden Saison zu stemmen. Nur können wir derzeit noch nichts über den Etat sagen. Im Zuge der Krise und ihren Folgen halte ich es für vorstellbar, dass bei vielen Vereinen die Spielergehälter nicht mehr so hoch sein können, wie sie es in der Vergangenheit waren. Die Kosten müssen wohl allgemein etwas gesenkt werden. Wir setzen aber alles daran, unser Level zu halten – und dabei auch den Nachwuchs und die Zweite Mannschaft nicht zu vergessen. Es wäre schade, wenn alles auf null gestellt werden müsste.

Würden Sie die Mannschaft unter sportlichen Gesichtspunkten so zusammenhalten?

Rothweiler Unser Trainergespann Hansi Gnad und Jacques Schneider haben gezeigt, was mit dem Kader möglich ist. Trotzdem müssen wir daran arbeiten, jede Saison einen kleinen Schritt nach vorne zu machen. Einen Teil der Mannschaft würde ich als Gerüst sehen, das wir gerne erhalten würden. Aber wenn wir ein Play-off-Aspirant sein wollen, brauchen wir vielleicht ein paar kleine Veränderungen. Hier sind in erster Linie die Trainer gefragt, wo sie ansetzen wollen. Es wird also sein wie nach jeder Saison. Auf manchen Positionen werden wir Wechsel anstreben.

Namen können Sie noch keine nennen?

Rothweiler Dazu ist es eindeutig zu früh. Für ein paar Spieler könnte das plötzliche Saisonende ein etwas ernüchternder Abschied sein. Immerhin haben wir kurz vor Schluss noch ein kleines Mannschaftsessen organisiert, bei dem sich alle noch mal wiedergesehen haben. Wir alle hoffen, die Zeit geht jetzt schnell vorüber, so dass wir uns auf die Saison 2020/21 freuen dürfen.