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TSV Bayer 04 Leverkusen: Elfen zwischen Personalnot und Dauerbelastung

Saison der Elfen im Rückblick (Teil 2/2) : Zwischen Personalnot und Dauerbelastung

Die Pandemie bestimmt in der zweiten Saisonhälfte das sportliche Geschehen bei den Bundesliga-Handballerinnen – inklusive Infektionen, Erkrankungen, Quarantäne und einem Kraftakt im Endspurt.

Als Martin Schwarzwald kurz vor der EM-Pause den Trainerposten bei Bayers Handballerinnen übernahm, empfand er die ersten Spielabsagen noch als Segen. Denn sie gewährten ihm eine etwas längere Vorbereitung auf die ersten Partien. Dass die länger werdende Liste ausstehender Spiele ihm und seinen Schützlingen im weiteren Verlauf zum Verhängnis werden sollte – bis hin zu einem Duell nach dem offiziellen Saisonende und einer abgesagten Begegnung – konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen.

Die ersten Wochen waren ereignisreich. Als Zugang konnte Schwarzwald Mariana Ferreira Lopes begrüßen. Mehr Auswahl erhielt der Trainer aber nicht. Nach Mareike Thomaier und Fanta Keita verletzte sich in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft mit dem DHB-Team auch Mia Zschocke schwer, fehlte dem TSV über Monate und verpasste natürlich auch den kontinentalen Wettbewerb. Dadurch reiste als einzige Elfe (neben dem Einsatz von Teammanagerin Jutta Ehrmann-Wolf als EHF-Delegierte) Keeperin Kristina Graovac zumindest nach Dänemark an. Statt auf dem Feld zu stehen, verbrachte sie jedoch das gesamte Turnier in Quarantäne – erst als Kontaktperson, dann mit einer Covid-Infektion inklusive Symptomen.

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Personelle und terminliche Unwägbarkeiten waren ein ständiger Wegbegleiter der Leverkusenerinnen in dieser Saison. Als rund um den Jahreswechsel zusätzlich zu Zschocke, Thomaier und Keita auch noch Hildigunnur Einarsdottir erst angeschlagen war, dann sogar operiert werden musste, und zudem Lilli Holste länger fehlte, war bereits ein hohes Maß an Improvisation gefragt. Aber im Nachhinein war das eine vergleichsweise einfache Übung – jedenfalls im Verhältnis zum Mangel gleich nach der Covid-Quarantäne fast des gesamten Teams. Acht erkrankte Spielerinnen zählten die Elfen. Alle litten an Symptomen, eine muste gar vorübergehend im Krankenhaus behandelt werden.

Schwarzwald reaktivierte Co-Trainerin Anne Krüger, um überhaupt eine Feldspielerin zum Wechseln zu haben, und Keeperin Vanessa Fehr übte sich im Training als Kreisläuferin – und das alles in einer Phase, in der in kurzer Zeit viele Spiele nachgeholt werden mussten.

„Unglaublich, wie alle mitgezogen haben. Das war beeindruckend“, schwärmt Schwarzwald im Rückblick. Und das bezieht er nicht nur auf Krügers und Fehrs Bereitschaft, sondern auch auf Spielerinnen wie Mariana Ferreira Lopes, die mit Schmerzen im Ellenbogen spielte, Zoe Sprengers, die nach ihrer Covid-Infektion trotz großer Erschöpfung auflief, und Mia Zschocke. Wie sich die Nationalspielerin trotz ihres bevorstehenden Wechsels zu Meister Borussia Dortmund in den letzten Wochen für ihren Heimatklub eingesetzt hat und klaglos fast jede Partie durchspielte, imponierte dem Trainer. „Sie hat nicht eine Sekunde darüber nachgedacht – dabei ist das alles andere als selbstverständlich. Eine tolle Geste zum Abschied“, sagt er.

Respekt nötigte das Leverkusener Beispiel auch vielen Gegnern ab. Mit einem Mini-Kader kämpften die Elfen bis zum Schluss und schoben sich im Endspurt sogar noch auf Platz acht vor. Darum hatten sicher viele Konkurrenten Verständnis dafür, dass die Handballerinnen es bei einer Nachholpartie in der Woche nach dem vorgesehenen Ligaende beließen. Nach der knappen Niederlage beim Vizemeister Bietigheim verzichteten sie aus gesundheitlichen Gründen auf das zweite Treffen am Tag darauf.

Höhepunkt der wechselhaften Monate nach der EM-Pause waren kurioserweise zwei Niederlagen – allerdings nicht gegen irgendwen, sondern gegen den BVB. Schon im ersten Aufeinandertreffen schnupperten die Elfen an der Sensation. Und auch im zweiten Duell wenige Tage später in Dortmund war ein Punktgewinn gegen das Ausnahmeteam im Bereich des Möglichen.

Negativ bleibt neben der Quarantäne und den vielen Ausfällen die überraschende Pokalpleite gegen Buchholz 08-Rosengarten im Gedächtnis. „Das hat wirklich weh getan“, sagt Schwarzwald. Er sieht die Saison trotz aller Herausforderungen und Rückschläge auch als Chance. Schließlich bot sich vielen Talenten die Chance auf Spielzeit – das könnte sich in Zukunft bezahlt machen. Und ohne die Verletzungen wäre wohl im Winter Lopes nicht unters Bayer-Kreuz gewechselt. Sie soll nun helfen, den Abgang von Zschocke zu kompensieren.