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TSV Bayer 04 Leverkusen: Die Vermessung des Sports hilf den Giants

Basketball, 2. Bundesliga : Die Vermessung des Sports hilft den Giants

Der Etat der Bayer Giants gehört nicht annähernd zu den höchsten in der ProA. Dennoch ist das Team von Hansi Gnad Vizemeister. Ein Erfolgsgeheimnis: Der Trainer setzt bei der Kaderzusammenstellung auf moderne Hilfsmittel.

Die Bayer Giants haben als krasser Außenseiter die Vizemeisterschaft in der ProA gewonnen und hätten in die Basketball-Bundesliga aufsteigen dürfen. Dafür genügte allerdings der Etat nicht, so dass die Leverkusener auch in der kommenden Saison zweitklassig bleiben. Trainer Hansi Gnad möchte freilich erneut das Maximum herausholen. Eines seiner Erfolgsrezepte ist die Nutzung der Software „InStat“, einem Werkzeug, dass Stärken und Schwächen von Sportlern weltweit herausarbeitet.

Die Giants sind in der vergangenen Saison über sich hinaus gewachsen. In der regulären Saison verlor die Mannschaft nur ein Heimspiel. Es folgten ein Durchmarsch in der Play-off-Gruppe, der sportliche Aufstieg in die Bundesliga, und erst im Finale wurden die Giants zum zweiten Mal überhaupt in der Ostermann-Arena geschlagen. Dass für diesen Erfolg Grundtugenden des Basketballs ebenso wichtig waren wie über sich hinauswachsende Spieler, steht außer Frage. Doch die Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner ist ebenfalls von enormer Bedeutung.

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Hansi Gnad nutzt dafür neben klassischen Videoanalysen auch die Statistik-Software. „Das ist ein geniales Werkzeug“, erläutert der Coach. „Ich bin überzeugt, dass ich nicht einmal alle Fähigkeiten des Programms nutze.“ Eine der Funktionen, die er am häufigsten verwendet, ist die Differenzierung der Spiele. „Wenn ich zum Beispiel von Jena alle Fastbreaks der letzten sechs Spiele sehen möchte, bekomme ich sie mit einem Mausklick“, erklärt Gnad. „So ist es auch möglich, mir alle Würfe eines Basketballers anzeigen zu lassen, die von einer bestimmten Position aus genommen wurden. Das gilt auch für Defensivaktionen, das Zurücklaufen und vieles mehr. Die Möglichkeiten sind unfassbar.“

Stärken und Schwächen der Gegner lassen sich damit genauso einfach herausarbeiten wie die von einzelnen Spielern. „Deshalb haben wir uns die Software auch in diesem Sommer für ein paar Wochen geleistet“, sagt Gnad, der mit dem Tool jede etwas größere Liga weltweit abrufen kann. „Das hilft mir bei der Rekrutierung ausländischer Spieler natürlich ungemein.“

Die jüngste Verpflichtung, Quentin Goodin, hat der 58-Jährige zum Beispiel auf diesem Weg gescoutet. „Agenten schicken immer nur Highlight-Videos. Damit kann ich wenig anfangen“, sagt Gnad. „Mir war wichtig, wie er ein Spiel führt, welche Intensität er im Rückzug hat, wie er Schnellangriffe läuft – und ich wollte natürlich auch seine Schwächen sehen. Ich bin mir sicher, dass er das Spiel verstanden hat. Und dazu ist er sehr athletisch.“

Nur bei der finalen Entscheidung für oder gegen einen Zugang kann das Programm nicht mehr helfen. „Er muss auch charakterlich zu uns passen. Das kriege ich nur im persönlichen Gespräch heraus. Aber ansonsten kann das Programm fast alles, was man sich als Trainer wünscht“, sagt der Giants-Coach, der es aber nicht immer nutzen kann.

„Die Entwickler lassen sich das schon sehr gut bezahlen. Das muss man sich leisten können und wollen“, erzählt er. „Wir haben durch gute Beziehungen während der vergangenen Saison immer wieder Testphasen gehabt und zum Beispiel jetzt für ein paar Wochen die Lizenz erworben. Toll wäre es natürlich, wenn wir immer davon profitieren könnten.“