Lupe auf Tim Breddemann : Ein Leben für den SV Schlebusch

Der 31-jährige Mittelfeldspieler hat im letzten Liga-Spiel des Jahres Vereinslegende Frank Sittig überholt.

Die Chronisten waren sich zunächst uneinig: War es nun Tim Breddemanns 338. oder 340. Spiel für den SV Schlebusch? Eigentlich ist es auch egal. Sicher ist, dass er der Spieler mit den meisten Einsätzen für den Landesligisten ist, seit er Frank Sittig abgelöst hat – ein Meilenstein in der Laufbahn des Fußballers, der von seinen Teamkollegen mit einem Spalier gewürdigt wurde. Dass Breddemann am 8. Dezember beim 2:0-Sieg gegen Homburg-Nümbrecht auch noch ein Tor erzielte, machte den Ehrentag des Mittelfeldspielers perfekt. Es war das letzte Spiel des Jahres für den Tabellenzweiten.

„Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Fußball zu spielen“, erinnert sich der von seinem Trainer Stefan Müller schlicht als „Mister Zuverlässig“ bezeichnete Spieler. Er habe schon früher anfangen wollen, doch sein Vater Michael sei zunächst dagegen gewesen, weil die Schule im Vordergrund stehen sollte. Doch genau da traf der Sprössling dann auf Klassenkameraden, die beim SVS spielten – und Breddemann wollte unbedingt auch dabei sein. „Ich habe im Grunde so lange gequengelt, bis ich zu meinem ersten Training durfte.“ Zu Beginn habe er allerdings nichtmals Fußballschuhe gehabt. Kurz danach hatte auch der aus dem Ruhrgebiet stammende Papa, der selbst Fußballer war und am Ende seiner aktiven Zeit auch für Schlebusch spielte, ein Einsehen: „Okay, dann melden wir ihn halt an.“

Gesagt, getan. Eingestiegen in der F-Jugend, durchlief Breddemann alle Altersklassen im Verein, war nach der A-Jugend schnell Teil der damaligen Bezirksliga-Mannschaft – und hat zügig „eine gute Rolle gespielt“, wie er es umschreibt. Bereits nach seiner ersten Hinrunde sei er Stammspieler gewesen. Seitdem hat der Mittelfeldspieler viel mit dem Verein erlebt, der im Drei- oder Vier-Jahresrhythmus zwischen Bezirks- und Landesliga pendelte, in der jüngeren Vergangenheit aber meist zu den Teams zählt, die um den Aufstieg in die fünfthöchste Spielklasse mitmischen. Hinzu kommen Pokalduelle wie gegen Alemannia Aachen im vergangenen Jahr. „Der Aufstieg ist natürlich ein Ziel von uns“, sagt Breddemann. „Wir haben uns vorgenommen, oben dabei zu sein und sind nach der Hinrunde Zweiter. Sollten wir es schaffen, nehmen wir das gerne mit.“

Der 31-Jährige ist nicht nur wegen seiner Vereinstreue ein wichtiger Spieler für den SVS. Er ist auch in viele Entscheidungen die Mannschaft betreffend eingebunden. Der Austausch mit seinem Trainer ist eng. „Ich kenne Stefan sehr lange. Schon in der Jugend habe ich unter ihm gespielt. Unsere Wege sind eine gefühlte Ewigkeit verbunden – im Grunde mein ganzes Fußballer-Leben.“ Entsprechend hoch sei die gegenseitige Wertschätzung: „Er holt sich Ratschläge bei mir ein – und ich bei ihm.“ Das ihm beinahe schon naturgemäß zustehende Kapitänsamt wollte Breddemann nach einigen Jahren aber nicht mehr haben, „damit die Jüngeren Verantwortung übernehmen können“, wie der defensive Mittelfeldspieler erklärt.

Schon immer in Gelb-Schwarz: Tim Breddemann in einer Partie für den SVS aus dem Jahr 2009. Foto: Miserius, Uwe (mise)/Miserius, Uwe (umi)

An das Gefühl bei seinem Rekordspiel erinnert er sich noch sehr genau. „Das Spalier meiner Kollegen hat mich sehr gefreut“, sagt der bemerkenswert vereinstreue Spieler. Dazu gab es Spruchbänder und Applaus von den Rängen. „Das war ein sehr positiver und emotionaler Moment für mich.“ Dabei war es nie eine ausgemachte Sache, dass er ein Leben lang für den SVS spielen würde. „Ich konnte mir immer gut vorstellen, bis zum Ende meiner Laufbahn in Schlebusch zu bleiben. Ich brauchte nichts anderes.“ Allerdings: Hätte es ein Angebot gegeben, hätte er sich damit befasst. „Aber von mir aus war es nie eine Intention, auf die Suche zu gehen.“ Er schätze vor allem die örtliche Nähe, das Freundschaftliche und das Familiäre. „Mir sind die Leute einfach ans Herz gewachsen.“

Müller ist darüber freilich froh. „Er ist ein eher ruhiger und besonnener Vertreter seiner Zunft, der zuverlässig seinen Job erledigt“, sagt der Trainer. Breddemann glänze zudem durch „98 Prozent oder mehr“ Trainingsbeteiligung. Eine Schwäche habe sein Schützling aber doch: „Seinen rechten Fuß hat er eigentlich nur, damit er nicht umfällt“, sagt der Coach und lacht. „Abgesehen davon ist er fordernd, aber gleichzeitig auch immer bereit, alles für sein Team zu geben. Das macht ihn brutal wichtig für uns.“

Dass Tim Breddemann seine bisherige Laufbahn beim SV Schlebusch verbracht hat, spreche für Spieler und Verein gleichermaßen. Müller: „Wenn ich könnte, würde ich mir elf Spieler von seiner Sorte backen.“