Fechten : Tausendsasa Britta H.

TSV-Fechterin Britta Heidemann geht morgen als eine der Führungsfiguren des deutschen Teams in die Fecht-EM in Leipzig. Einziger männlicher Starter aus den Reihen der Leverkusener ist Degenfechter Christoph Kneip.

Natürlich stimmt es, Britta Heidemann als Fechterin zu bezeichnen. Aber sie ist es nicht mehr nur. Es gibt auch Heidemann, die erfolgreiche Uni-Absolventin, Heidemann, das Delegationsmitglied von Bundesforschungsministerin Annette Schavan oder Heidemann, die Engagierte für Kinder-Hilfsprojekte in Südafrika. Am Wochende steht aber mal wieder die Fechterin Britta Heidemann im Vordergrund. Bei der morgen beginnenenden Heim-EM (17. bis 22. Juli) geht sie als eine der großen Medaillen-Hoffnungen im 25-köpfigen deutschen Team an den Start.

Sowohl im Einzel als auch mit der Mannschaft rangiert der Platz ganz oben auf dem Treppchen im Bereich des Möglichen. "Gegen weitere Titel auf diesem Niveau würde ich mich nicht wehren", sagt die 27-Jährige und meint natürlich ihrem EM-Sieg aus dem Vorjahr im bulgarischen Plovdiv und zuallererst ihrem Olympia-Triumph in Peking 2008. Der damalige nochmalige Popularitätsschwung hat die aktuell Führende in der Degen-Weltrangliste selbst überrascht. Normal stehe man danach eine Woche lang im Fokus und das sei es dann. "Jetzt ist es aber immer noch viel, aber das ist auch sehr abwechslungsreich, da es ineinander übergeht", sagt Heidemann.

Im April 2009 schloss sie ihr Studium der Regionalwissenschaften mit Schwerpunkt BWL an der Uni Köln ab. Heute arbeitet sie als Projektmanagerin China im Bereich Erneuerbare Energien und Umwelt. Zusätzlich organisiert Heidemann Veranstaltungen zu den Themen "Mentale Stärke" und "Leistungsmanagement".

"Nebenbei" lief aber auch die sportliche Karriere der gebürtigen Kölnerin in diesem Jahr erfolgreich. Zwei Grand-Prix-Siege in St. Maur und Barcelona stehen auf der Habenseite. Selbst das erneute Scheitern beim Versuch, endlich Deutscher Meister zu werden, nagt nicht mehr am Nervenkostüm. "Es wird irgendwann auch noch mit dem DM-Titel klappen", hatte sie nach dem verlorenen Finale gegen Nationalmannschaftskollegin Imke Duplitzer gesagt. Jetzt, in Leipzig, hat sie der Ehrgeiz einmal mehr gepackt. Und der Druck vor eigenem Publikum? "Das empfinde ich nicht so", sagt sie. Es ist eher eine ungewohnte Situation, an zwei Tagen zu fechten. Das hatten alle Spitzenfechter lange nicht. Aber es ist gut, sich auf etwas Neues einzustellen."

Als einziger weiterer Starter aus der Fechtabteilung des TSV Bayer 04 nimmt Degenfechter Christoph Kneip an der Europameisterschaft teil. Der 30-Jährige ist derzeit Dritter der Deutschen Rangliste, aktueller Deutscher Vizemeister und belegte bei der vergangenen EM Platz 41.

(RP)