Lokalsport: Sportpsychologie-Projekt droht zu scheitern

Lokalsport : Sportpsychologie-Projekt droht zu scheitern

Junge Sportler sollen mit Hilfe eines Projektes lernen, mit Druck umzugehen. Doch dem durch Crowdfunding finanzierten Plan fehlt das Geld.

Jeder kennt dieses Gefühl: Leistungsdruck. Im Job, in der Schule oder beim Studium. Auch im gesellschaftlich wichtigen Bereich Sport ist er allgegenwärtig. Sei es durch einen Vater, der auf dem Fußballplatz seinem Sohn Anweisungen zubrüllt, oder einem Athleten, der von sich selber erwartet, den Sieg nach Hause zu holen.

In genau diese Kerbe schlägt das Projekt von Sportpsychologe Andreas Meyer. "Leider steht das Vorhaben ziemlich auf der Kippe, weil bisher wenig Geld geflossen ist", sagt Meyer ein wenig traurig über sein Projekt, das durch Spenden finanziert werden soll. Ein Projekt, an dem auch der TSV Bayer und acht weitere Vereine aus allen Bereichen des Sports interessiert sind und Meyers Angebot daher in Anspruch nehmen wollen würden. Junge Sportler sollen in Workshops unter anderem lernen, mit dem Druck in einer Wettkampfsituation umzugehen, sich mental zu fokussieren und Selbstvertrauen aufzubauen.

Unterstützung durch einen größeren Verband, wie beispielsweise dem DOSB, erhält der ehemalige Leichtathlet, der auf nationaler Ebene aktiv war, dabei nicht und weiß auch warum: "Zwar gibt es mittlerweile deutlich mehr Sportpsychologen in Deutschland als noch vor einigen Jahren, aber man muss schon sagen, dass dieser Bereich der Psychologie immer noch um Anerkennung kämpft", sagt Meyer, der darauf verweist, dass die Deutschen hierbei von den US-Amerikaner lernen können: "Da wird mit dem Thema offener umgegangen. Es ist dort normal, dass schon junge Sportler von einem Sportpsychologen unterstützt werden und diesen nicht als Psychologen, sondern als zusätzlichen Coach sehen." So bestehe in Deutschland noch Nachholbedarf, entscheide der Kopf doch über Sieg oder Niederlage.

Das weiß auch TSV-Jugendtrainer Lars Knut: "Das Mentale ist bei einem Wettkampf sehr wichtig. Auf hohem Niveau sind die Athleten meist gleichauf, da entscheidet dann der Kopf, wer gewinnt", sagt der 45-Jährige. Für seine jungen Sportler ist er bei Problemen meist erster Ansprechpartner: "Man merkt als Trainer sofort, wenn etwas nicht stimmt. Sie sind dann meist abgelenkt und unkonzentriert", erzählt der Jugendcoach, "ich sage ihnen aber auch von Anfang an, dass wir ein Miteinander haben und sie mir solche Dinge erzählen können."

Dass junge und talentierte Sportler durch selbst- oder gesellschaftlich auferlegten Leistungsdruck die Lust am Sport verlieren, ist laut Meyer häufig gegeben: "Manche Sportler können damit gut umgehen. Gerade Jungathleten, die früh im Profibereich angekommen sind, haben sich da Techniken zugelegt. Andere hingegen fallen unter den Leistungsdurchschnitt, denken ans Aufhören und in seltenen Fällen kann es auch zu Depressionen kommen", erklärt der Absolvent der Deutschen Sporthochschule Köln.

Daher komme es auf die richtige Förderung und eine gute Unterstützung an. "Ich habe nach meiner aktiven Zeit festgestellt, dass mir ein solches Mentaltraining gut getan hätte, daher versuche ich den heranwachsenden Sportlern heute diese Hilfe zukommen zu lassen", erklärt Meyer. Dafür benötigt er jedoch in den nächsten elf Tagen 5600 Euro, von denen bisher gerade einmal 323 Euro zusammengekommen sind.

(RP)