Ski-Club Bayer Leverkusen: Roman Frosts Weg zum Profi

Ski-Club Bayer Leverkusen : Hangabwärts auf dem Weg nach oben

Als Ski-Rennläufer des SC Bayer Leverkusen hat es Roman Frost zum Profi geschafft – als Kind aus dem Flachland.

Wenn er aufgerufen wird, reiben sich die Konkurrenten oft verwundert die Augen. „Das ist schon extrem cool, wenn ich auf dem Podest stehe und der Name meines Vereins genannt wird“, sagt Roman Frost und lacht. Sein Verein, das ist der Ski-Club Bayer Leverkusen. Der 20-Jährige ist inzwischen Aushängeschild des größten Ski-Sportvereins in Nordrhein-Westfalen, von dessen Existenz aber außerhalb des Rheinlandes bislang wohl nur die Wenigsten gewusst haben. Und der gebürtige Münsteraner, der seit dieser Saison Profi ist, hat sich vorgenommenen, fortan nicht nur seinen SC aus Leverkusen, sondern gleich eine ganze Region zu repräsentieren: „Ich will zeigen, dass es auch in NRW und im Flachland Ski-Fahrer gibt, die sich vor denen in Bayern nicht zu verstecken brauchen.“

Die Liebe zum Wintersport auf zwei Brettern entdeckte Frost bereits als Kleinkind. Mit zwei Jahren stand der Sohn von Volker Frost und Christiane Prusnat das erste Mal auf Skiern. „Das war der Startschuss“, sagt er. Über die Eltern, die in den Schulferien als Ski-Lehrer arbeiteten, kam auch der Kontakt zum SC Bayer zustande. „Dort habe ich dann angefangen, erste Rennen zu fahren“, erzählt Frost. Dass aus dem Spaß am Ski-Sport irgendwann eine Profession werden würde, war zu Beginn noch nicht abzusehen. Doch Frost entwickelte schnell ein enormes Talent auf der Piste. Bei dem vom Westdeutschen-Ski-Verband ausgerichteten „Kids-Cup“, einer Wettkampfserie zum Einstieg in den alpinen Ski-Rennsport, ließ er die Konkurrenz regelmäßig alt aussehen.

2010 fasste Familie Frost den Entschluss, mit ihren Kindern Roman und dessen drei Jahre älterer Schwester Lara nach Berchtesgaden zu ziehen. Die Stadt im südöstlichsten Zipfel Deutschlands bietet sowohl für das Training als auch den Wettkampf ideale Bedingungen zum Skifahren. Zunächst war es ein auf zwölf Monate angelegter Plan – inzwischen wohnt die Familie seit zehn Jahren dort. „Wir dachten, dass wir gegen die Bayern keine Chance hätten“, sagt Frost. „Aber wir wollten nichts unversucht lassen.“ Die Entscheidung erwies sich jedoch als goldrichtig – und die Erfolge häuften sich. „Ich bin meinen Eltern extrem dankbar dafür, dass sie mir diese Chance ermöglicht haben“, sagt Frost. Mit 16 Jahren wurde er zum ersten Mal in die Jugend-Nationalmannschaft des Deutschen Ski-Verbands berufen. „Da ist mir bewusst geworden: ‚Jetzt wird es ernst.’“

Auch wenn er aufgrund des mehrstündigen, täglichen Trainings auf einige der üblichen Erfahrungen als Heranwachsender verzichten musste, war und ist Frost vom eingeschlagenen Weg überzeugt. „Ich komme extrem viel herum und bin ständig von Sportlern umgeben“, beschreibt er die Vorteile als Ski-Profi. „Und es hilft dabei, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.“ Seit dem Abitur im vergangenen Jahr ist Frost Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr, erhält ein monatliches Gehalt und kann sich nun vollumfänglich seiner Leidenschaft widmen. „Das ist jetzt das erste Mal, dass ich wirklich Geld mit meinem Sport verdiene“, sagt Frost und lacht. Seitdem kann er auch unter der Woche an internationalen Rennen teilnehmen und muss sich nicht auf die Wochenenden beschränken. „Ich bin jetzt viel flexibler“, sagt er.

Doch kaum ein Karriereweg verläuft steil nach oben. Auch Roman Frost hat schon Rückschläge hinnehmen müssen. 2017 riss er sich am Tag vor Heiligabend das Syndesmoseband – und die Saison war für ihn frühzeitig beendet. Nach anstrengendem Reha-Training feierte er im vergangenen Jahr dann sein Comeback und meldete sich mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in der Alpinen Kombination eindrucksvoll zurück.

Auch in die aktuelle Saison ist er mit mehreren Podestplätzen bei internationalen FIS-Rennen gut gestartet. Sein Ziel ist, sich im Europacup – der Vorstufe zum Weltcup – zu etablieren und die Qualfikation für die U21-Weltmeisterschaft im norwegischen Navrik (5. bis 15. März) zu schaffen. Die Chancen, dass das dem Bayer-Profi mit dem für einen Wintersportler so passenden Nachnamen gelingt, stehen nicht einmal schlecht.