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RP-Mitarbeiter Markus Neukirch über Erfolge und Misserfolge im Jugendfußball

Serie Zwei Jahrzehnte im Lokalsport (Teil 2) : Titel, Tränen, Triumphe – und unbezahlter Tatendrang

Unser Autor Markus Neukirch berichtet über seine Erlebnisse im Jugendfußball, Erfolge sowie Fehlschläge angehender Profis und den Wert des Ehrenamts

Wie viel Zeit ich beim Jugendfußball und mit der Berichterstattung darüber verbracht habe, ist kaum abschätzbar. Ein besonderes Spiel war zweifellos das Finale im Juni 2007 von Bayers U19 gegen den FC Bayern München. 22.500 Zuschauer füllten bei freiem Eintritt die damals noch nicht erweiterte BayArena. Bastian Oczipka (76.) und Alexander Hettich (97.) drehten damals die Partie, die ein gewisser Thomas Müller mit dem 1:0 für die Bayern eröffnet hatte (10.). Das 2:1 nach Verlängerung war eine Überraschung für das Team von Trainer Trainer Thomas Hörster. Müller, Kroos, Badstuber, Kraft und Langkamp auf der einen Seite – und bei Bayer 04 spielten Oczipka, Reinartz, Hegeler, Naki, Sukuta-Pasu, Schmidt sowie Risse – damals noch eher unbekannte Namen, die ihren Weg im Profigeschäft machten.

Die gab es auch schon 2003 bei meinem ersten Finale gegen den VfB Stuttgart, das die Schwaben mit 5:2 (1:1) gewannen. Marco Caliguri und Mario Gomez trafen da für den VfB. Bei Bayer stand René Adler im Tor, Jan-Ingwer Callsen-Bracker verteidigte und Timo Röttger stürmte. 2010 verlor Bayer vor 6000 Zuschauern zuhause gegen Hansa Rostock mit 0:1 (0:0). Einen Tag zuvor war die U17 im Finale Eintracht Frankfurt mit 0:1 unterlegen, Danny da Costa, Leart Paqarada und Dominik Kohr waren damals dabei.

Das internationale Jugendturnier des SV Bergfried war jedes Jahr fester Bestandteil des Berichterstattungskalenders. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Beim Finale des DFB-Junioren-Vereinspokals in Berlin war ich zweimal. In der Saison 2002/2003 ging es ins Stadion An der Alten Försterei. Durch den regen Hauptstadtverkehr schafften wir es erst zum Erklingen der Nationalhymne ins Stadion. 4:1 (1:1) gewann der 1. FC Kaiserslautern gegen Bayer 04. Im Jahr 2008 war das Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg Austragungsort des Duells gegen Borussia Mönchengladbach. Bayer verdarb die Party zum Abschied von Trainer Ulrich Sude, weil Stefan Reinartz und Deniz Naki sowie ein Eigentor für einen klaren 3:0-Erfolg sorgten. Trainer der Bayer-A-Junioren war der 2016 verstorbene Sascha Lewandowski.

In zwei Saisons schaffte es der VfL Leverkusen ebenfalls in die Bundesliga der U19. Es reichte zwar nicht für den Klassenerhalt, aber manchmal ist dabei sein tatsächlich alles. Den bislang letzten nationalen Titel gewann die Jugend von Bayer 04 in der Saison 2015/2016 – ein gewisser Kai Havertz erzielte in Dortmund das 1:0 gegen den BVB, Jakub Bednarczyk kurz vor Schluss das Tor zum 2:0-Endstand. Die Trainer Markus Anfang und Tom Cichon heuerten wenig später zunächst in Kiel an und brachten Holstein in die 2.Bundesliga – und der jüngste Aufstieg des 1. FC Köln trägt ebenfalls ihre Handschrift.

Bei den Junioren der Werkself war Markus Neukirch ebenfalls Stammgast. Hier ist die U17 von 2010 zu sehen. Foto: Miserius, Uwe (mise)/Miserius, Uwe (umi)

Einen WM-Fahrer aus dem Nachwuchs gab es auch: 2006 nahm Assimiou Touré für Togo teil – statt gegen die SpVg Erkenschwick in der Bundesliga ging es gegen Südkorea und die Schweiz. Insgesamt kam er auf 15 Länderspiele und entging 2010 nur knapp dem Anschlag auf den Bus der togoischen Nationalmannschaft bei der Vorbereitung zum Afrika-Cup, bei dem drei Menschen von Rebellen erschossen wurden.

Aber ich war nicht nur in den höheren Klassen unterwegs. Dutzende Turniere finden jedes Jahr in Leverkusen und Leichlingen statt. Allein vierzehnmal berichtete ich über das internationale Turnier für D-Junioren beim SV Bergfried. Zunächst wurde auf Asche gespielt, was an einem verregneten Ostern für Hochbetrieb etwaiger Waschmaschinen sorgte, später dann auf Kunstrasen. In anderen Jahren gab es Eis und Schnee – oder es war so trocken, dass die Feuerwehr half, den Aschenplatz zu wässern.

Jakub Bednarzcyk (r.) machte mit seinem Treffer zum 2:0 im Juni 2016 die Deutsche U17-Meisterschaft für Bayer 04 klar. Foto: Peter Ludewig

2002 lernte ich Werner Burger kennen, der damals Jugendleiter beim SVB war. Leider musste ich vor nicht allzu langer Zeit einen Nachruf auf ihn schreiben – auch er ging zu früh. So wie Marco Hahmann, der ebenfalls 2016 verstarb. Ich kannte ihn, weil er lange als Jugendtrainer und -leiter beim VfL Leverkusen wirkte und Turniere wie den Josef-Volkmar-Cup organisierte.

Zum Glück wird beim „Nachfolgeverein“ SC Leverkusen 2017 unter der Führung von Rolf Schiefer weiterhin der Jugendarbeit nachgegangen. Bei der Veranstaltung des VfL-Insolvenzverwalters fragten sich dutzende Eltern, was mit ihren Kindern geschehen solle, wenn die Tannenbergstraße nicht mehr zur Verfügung stünde. Schiefer hatte einen Plan, den Kreisjugendobmann Detlef Winkler unterstützte – und binnen weniger Tage war das Problem gelöst. Es ist ein Beispiel, warum Ehrenamtler so wichtig sind. Es bedarf vieler Hände, um Turniere, Vereinsfeste sowie andere Veranstaltungen zu stemmen und die Vereinsarbeit erledigen zu können.