Judo : Rio 2016 soll ein Fest für Roper werden

Die 31-jährige Judoka Miryam Roper vom TSV Bayer 04 ist aktuell die Nummer eins der Weltrangliste. Sie spricht über Bemühungen, Aufmerksamkeit zu erregen, den Reiz eines aggressiven Kampfstils und ihren Traum von der Olympia-Medaille.

Das Café unweit des Ehrenfelder Bahnhofs hat Miryam Roper selbst vorgeschlagen. Es ist klein, nur ein paar Tische, die Einrichtung ist bunt gemixt, "alternativ" würde mancher sagen. Am Nachbartisch dreht sich das Gespräch um Schwangerschaft und Kindererziehung. Aus den Lautsprechern tönt gedämpfte Indie-Musik. Roper selbst geht als normaler Gast durch, der einen Cappuccino bestellt. Sie fällt höchstens auf, weil sie eben diese typische Wuschelfrisur hat, aber ganz bestimmt nicht, weil jemand in ihr die weltbeste Kämpferin in ihrer Gewichtsklasse erkennt.

Die 31-Jährige vom TSV Bayer 04 ist es gewohnt, trotz sportlicher Erfolge unbehelligt durch den Alltag zu kommen. Judo ist Randsportart. "Judo ist meine Leidenschaft, aber ich werde niemals damit aussorgen können", sagt Roper. Sie muss selbst die Initiative ergreifen, um Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. "Ich versuche, mich darzustellen, über Facebook und Twitter zum Beispiel. Ich bin ein extrovertierter Typ, ich falle auf. Das sind Vorteile. Das ist vielleicht eine Nische, die von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird", sagt Roper. Am Wochenende ist sie am Königssee bei der EM medienwirksam in einen Bob gestiegen. Es war ein typischer Termin, der Aufmerksamkeit garantiert. Aber es gibt Grenzen. "Ich würde nie versuchen, die Lachnummer der Nation zu werden, nur, um bekannter zu werden", sagt Roper.

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2013 war ihr Jahr. Sie holte in Rio WM-Bronze und in Budapest EM-Bronze mit der Mannschaft, sie gewann die Grand-Slam-Turniere in Baku und Moskau, sie siegte bei den Grand-Prix-Turnieren in Rijeka und Abu Dhabi. Und als fast schon logische Folge all dessen stand sie im Dezember schließlich ganz oben in der Weltrangliste der Kämpferinnen bis 57 Kilogramm. "Mein Ziel war es, unter die Top Acht zu kommen, das hielt ich für realistisch. Dann gewöhnt man sich plötzlich daran, zu den Top Fünf zu gehören, dann zu den Top Drei, Top Zwei — dass es so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht", sagt die Sportsoldatin.

Dieser Triumph war Balsam auf die Seele, die 2012 bei Olympia in London so schwer gelitten hatte. Damals, als ihr Traum von den Spielen nach nur einem Kampf gegen die Dauerrivalin Rafaela Silva aus Brasilien zu Ende war. Was folgte, war eine mentale Leere. "London war mein großer Traum, und ich hatte die Möglichkeit, um die Medaillen mitzukämpfen, und dann ist nach einem Kampf alles vorbei. Ich war, glaube ich, einen Monat lang komisch drauf. Mein Umfeld hat da echt gelitten", sagt Roper heute.

Doch sie fing sich. Arbeitete hart. Verbesserte ihre Technik. Variierte den Kampfstil. Der Ehrgeiz kam zurück, wuchs mit jedem gewonnenen Wettkampf. "Mein Bodenkampf kann noch besser und schneller werden. Ich will besser nach links werfen. Es hilft einem, wenn man weiß, dass man auch andere Problemlösungsstrategien anwenden könnte. Als ich jünger war, war ich nicht so flexibel", sagt Roper. Die Enttäuschung von London ("Ich bin dadurch mental stärker geworden") ist längst der Vorfreude auf Rio 2016 gewichen. "Klar, Rio soll schon noch mein Fest werden! Wenn die Spiele heute wären, hätte ich Medaillenchancen", sagt sie.

Die Zuschauer können sich jedenfalls darauf verlassen, dass es zur Sache geht, wenn Roper die Matte betritt. "Attacke bin ich immer noch, das macht meinen Kampfstil aus. Ich finde es schöner und spektakulärer, wenn man einen K.o.-Sieg erringt. Das macht es aus, diesen Moment zu erwischen, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das ist etwas Besonderes, und es sieht gut aus", sagt sie.

Gut aussehen will sie auch 2014 — vor allem bei der WM im russischen Tscheljabinsk Ende August. "Ich hoffe, der Bundestrainer plant mit mir", sagt Roper. Sie hat zumindest viel dafür getan, dass der Bundestrainer kaum anders kann.

(RP)