1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen
  4. Sport Leverkusen und Leichlingen

Leichtathletik: Osenberg – der Mann hinter Björn Otto

Leichtathletik : Osenberg – der Mann hinter Björn Otto

Marc Osenberg, Ex-Stabhochspringer des TSV Bayer 04, managt den Olympiazweiten genauso wie Raphael Holzdeppe und Silke Spiegelburg. Zudem organisiert der 44-jährige Leverkusener in Düsseldorf eines der besten Meetings der Welt.

Etwa bei der Hälfte des Gesprächs klingelt das Handy. Marc Osenberg entschuldigt sich und geht ran. Es geht um Kosten für einen Flug. Um das Anrechnen von Freigepäck auf die Sprungstäbe. Um die Höhe der Stornogebühr. Alltag im Berufsleben eines Athletenmanagers. Und Osenberg, 44, Sohn der Leverkusener Trainerlegende Gerd Osenberg, gehört zu den Großen in der Branche. Er managt Björn Otto, den Silbermedaillengewinner im Stabhochsprung bei den Olympischen Spielen in London und aktuelles Vorzeigegesicht der Deutschen Leichtathletik. Osenberg betreut auch Raphael Holzdeppe, den Olympiadritten, und Silke Spiegelburg, zuletzt zweimalige Gewinnerin der Diamond League.

Gerade Otto ist seit London gefragter denn je. "Man hat im Bereich neben den Wettkämpfen gemerkt, wie das Interesse doch massiv angestiegen ist. Das ebbt auch nicht ab. Wir hoffen natürlich, auf dieser Welle des Erfolges weiterzuschwimmen", sagt Osenberg, während ein paar Meter von ihm entfernt Otto seine Aufwärmrunden in der Manforter Jakobi-Halle dreht.

  • Für ihn ist die Saison schon
    Basketball : Marc Raß fehlt den Elephants für den Rest der Spielzeit
  • Ellen Lorentz hat mit weiteren Autoren
    Leverkusener schreiben Buch : Eine Stadt voller Glücksmomente
  • Der Leverkusener Jonathan Tah bei seiner
    Beim DFB-Team in Wolfsburg : Tah trifft auf vier Ex-Leverkusener

Osenberg ist Athletenmanager mit Leib und Seele. "Es ist mein Traumberuf", sagt er. Vertrauen zum und vom Athleten stellt für ihn, der früher selbst Stabhochspringer war und danach den Weltmeister von 2005, Rens Blom, trainierte, dabei die Basis für diesen Traumberuf dar. "Björn und ich kennen uns seit 15, 20 Jahren, ich weiß es nicht. Er hat mich sogar noch springen sehen. Das ist natürlich eine ganz andere Beziehung als zu einem 18-jährigen Athleten, für den ich ja ein alter Mann sein muss", sagt Osenberg. Nähe und Freundschaft zum Schützling sind für ihn nicht Hindernis, sondern Bedingung für Professionalität. "Nur dann kann ich dem Athleten auch mal unangenehme Sachen ins Gesicht sagen. Wenn er nichts drauf hat, oder wenn Dinge in die falsche Richtung laufen. Das ist auch Teil des Jobs."

Bei Otto läuft seit London vieles richtig. Er ist gefragt. Bei Sponsoren, Veranstaltern, Fans und Medien. So gefragt, dass Osenberg inzwischen auch mal Medienanfragen ablehnen muss. Denn bei allem Drang zur Vermarktung soll das Sportliche weiter im Mittelpunkt stehen. "Sportler werden nur bekannt über Erfolg. Der Björn kann der netteste Kerl der Welt sein, der wird nirgendwo eingeladen, wenn er sich nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert", sagt Osenberg. Für seinen Schützling erntet er nun, im Nachgang von London, die Früchte der Silbermedaille – natürlich auch die finanziellen. "Früher gab es die Mäzene. Da hat jemand gesagt: ,Och, da geben wir der Leichtathletik mal Geld.' Das ist vorbei. Heute kann sich keine Marketingabteilung mehr erlauben, Gelder für Werbung und Sponsoring auszugeben, ohne nachzuweisen, welchen Effekt das hat", sagt Osenberg.

Was er sich stets bewusst macht, sind die Grenzen des eigenen Einflusses auf eine erfolgreiche Arbeit. "Ich hänge bei vielen Sachen nicht davon ab, wie gut ich sie mache, sondern wie gut andere Leute sind: Strengen sich die Athleten an? Wie übertragen die Fernsehregisseure im Ü-Wagen mein Meeting? Gibt es junge Athleten, die nachrücken? Wie lange sind Sponsorengelder gesichert?", sagt Osenberg. Bei all diesen Fragen verschwimmen die Grenzen zwischen dem Athletenmanager Osenberg und Osenberg, dem Organisator des Düsseldorfer PSD-Bank-Meetings. Zwei Jobs, die oft zwei Seiten derselben Medaille darstellen. "Wenn man als Veranstalter einen guten Job macht, bekommt man immer auch Athleten. Wenn man gut für die Athleten arbeitet, wird man sie auch immer auf Veranstaltungen unterbringen können", sagt Osenberg. In beiden Fällen kann er momentan nicht über mangelnden Erfolg klagen.

Doch dieser Erfolg hat auch unumstritten seinen Preis. "Ja, es gibt die Zeiten im Jahr, in denen ich mein Handy gnadenlos ausschalte und sage: ,Ich guck vielleicht am Wochenende mal wieder drauf.' Die Athleten wissen ja, wie sie mich trotzdem erreichen können. In der Saison ist man aber an sieben Tagen 24 Stunden lang im Dienst. Wenn ein Athlet sonntagsmorgens um sechs Uhr am Flughafen steht und ein Problem hat, kann ich nicht sagen: ,Ruf mich am Montag wieder an.'", sagt Osenberg.

Otto ist inzwischen in den Kraftraum hinübergegangen. Gleich will sein Manager mit ihm noch ein paar Dinge abklären. Denn: Die nächste Anfrage kommt bestimmt.

(RP)