Lokalsport : Nerius sucht neue Herausforderung

Die Behindertensport-Trainerin wechselt nach 13 Jahren ins Sportinternat und bildet dort ab Sommer eine Doppelspitze mit Jens Schmidt. Ihre Top-Athleten will die 42-Jährige aber bis Rio weiter betreuen.

Steffi Nerius zählt gewiss zu den prominentesten Gesichtern in der Behindertensport-Abteilung des TSV Bayer. Die ehemalige Weltmeisterin im Speerwerfern und aktuelle Behindertensport-Trainerin hat den heutigen Paralympischen Stützpunkt in Leverkusen maßgeblich mitaufgebaut. Sie war die erste hauptamtliche Trainerin im Behindertensport in Deutschland. Und sie führte seit 2002 Athleten wie Andrea Hegen, Mathias Mester oder auch Markus Rehm zu insgesamt vier Paralympics-Medaillen sowie zu zahlreichen Weltrekorden und internationalen Medaillen.

Für manch einen mag es im Moment noch schwer vorstellbar sein, dass die 42-Jährige nach 13 erfolgreichen Jahren bald neue Wege geht. Nerius wechselt zum 1. August als Nachfolgerin von Christine Adams ins Sportinternat Leverkusen und bildet dort eine Doppelspitze mit Jens Schmidt, der bereits seit 2011 zur Internatsleitung gehört. Nerius fungiert dann als "Internatsleitung Sport", während Schmidt die "Internatsleitung Schule & Ausbildung" verantwortet.

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Ausschlaggebend für ihre Entscheidung sei die berufliche Weiterentwicklung gewesen, erklärte Nerius. "Mir war immer klar, dass ich nicht dauerhaft als Trainerin arbeiten wollte, auch wenn mir die Arbeit unglaublich viel Spaß gemacht hat. Ich freue mich aber, dass ich nun die Gelegenheit bekomme, in einem für den Bayer-Sport zentralen Projekt weiter mit jungen Menschen arbeiten und meine Erfahrung einfließen lassen zu können."

Vollständig zurückziehen wird sich die A-Lizenz-Inhaberin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes jedoch nicht. Nerius, die "Sportlerin des Jahres" 2009, kündigte an, dass sie ihre beiden Topathleten Franziska Liebhardt (Kugelstoßen/Weitsprung) und Markus Rehm (Weitsprung) bis zu den Paralympics in Rio/Brasilien 2016 weiter betreuen möchte. Ihr Ausnahmeathlet Rehm gewann im vergangenen Jahr bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften bei den Nicht-Behinderten mit einer Weite von 8,24 Metern überraschend den Titel. Bei den Paralympics sollen weitere Siege folgen - für Nerius wäre das ein krönender Abschluss, die im Deutschen Behindertensport-Verband zunächst Disziplintrainerin war und später die Position des Blocktrainers übernahm.

Sie als Coach zu verlieren, bedauert Abteilungsleiter Dr. Karl Quade, der das besondere Engagement von Steffi Nerius für den Behindertensport beim TSV, aber auch als Blocktrainerin in der deutschen Nationalmannschaft würdigte.

"Sie hat schon als erfolgreiche Athletin viel Verantwortung für das Training und die Betreuung der paralympischen Leichtathleten übernommen. Diese Aufgaben hat Steffi auch nach ihrer aktiven Karriere fortgeführt", sagte Quade.

Neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit unterstützt Nerius als Schirmherrin den Förderverein "Aclive", der sich speziell die Unterstützung des Nachwuchses im TSV zum Ziel gesetzt hat. Einen Nachfolger für die 42-Jährige gibt es vorerst nicht. "Ich finde es gut für die Athleten, dass es vor Rio keinen Wechsel mehr gibt", sagt Jörg Frischmann, Geschäftsführer der Behindertensport-Abteilung. "Wir werden die Stunden auf die anderen Trainer verteilen. Mit Helena Hermens kommt im September überdies eine Nachwuchs-Trainerin aus dem Mutterschutz zurück. Nach den Paralympics wird neu geplant. Dann werden ohnehin die finanziellen Mittel neu vergeben. Das heißt für uns, dass wir ein neues Konzept machen."

(RP)