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Badminton: Lützenkirchener "Yang" will Meistertitel holen

Badminton : Lützenkirchener "Yang" will Meistertitel holen

Im zwölfjährigen Chenyang Jiang verfügt der SSV über ein Badminton-Talent von "außergewöhnlichem Niveau" und hohen Ambitionen.

Auffällig ist Chenyang Jiang nicht. Für Beobachter des Trainings in der Sporthalle des Heisenberg-Gymnasiums ist er zunächst einmal nur einer unter vielen jungen Badmintonspielern. Der Zwölfjährige und seine Alterskollegen absolvieren die gleichen Übungen, lachen zwischendurch zusammen. Erst bei etwas genauerem Hinsehen hebt sich "Yang", wie sie ihn beim SSV Lützenkirchen nennen, ab von seinen Nebenleuten. Zwar hinkt er ihnen sprachlich noch etwas hinterher, aber sportlich schreitet er vorneweg.

Vor rund einem halben Jahr begann Jiangs Liaison mit dem SSV, die Trainer Andrej Gorohow einen "extrem glücklichen Zufall" nennt. Nachdem die Familie des Zwölfjährigen berufsbedingt von Shanghai ins Rheinland übergesiedelt war, verschlug es den badmintonbegeisterten Jungen zum SSV. "Uns war schnell klar, dass sein Niveau außergewöhnlich ist", sagt Gorohow. Yang verfüge für sein Alter über ein riesiges Repertoire an Schlägen, ist extrem flink auf den Beinen, "hat Finten und Varianten, die Gleichaltrige mitunter zum ersten Mal sehen, wenn sie gegen ihn spielen", sagt sein Trainer.

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Regelmäßig führt Jiang dies vor, wenn er für die U 15 seines Klubs in der Schüler-Verbandsliga an den Start geht. Das ist die höchste Liga in dieser Altersklasse, und der SSV hatte im vorigen Jahr ein paar Bedenken, als er dort eine Mannschaft anmeldete. "Wir wollten das mal ausprobieren", sagt Gorohow. Erst nach diesem Entschluss stieß Jiang zum Team – das nun in der Spitzengruppe der Liga mitmischt und sich für die Bezirksmeisterschaft in Refrath (3. März) qualifiziert hat.

Verfügten die Lützenkirchener in der Vergangenheit immer wieder über Nachwuchsspieler, die in NRW-weiten Vergleichen mithalten konnten, haben sie in Jiang erstmals jemanden in ihren Reihen, der es in jungen Jahren schon an die nationale Spitze geschafft hat. Denn – wie es der Zufall will – erstmals wird in diesem Jahr ein Deutscher Meister in der Altersklasse U 13 ermittelt. Und Yang ist nicht nur dabei, sondern geht als einer der Favoriten ins Rennen. Bei Ranglistenturnieren des Deutschen Badminton Verbandes landete er im Herbst auf Rang eins und zwei. Zuletzt schaffte er es ins Finale der Westdeutschen Meisterschaften – verlor dort allerdings. An dieser Niederlage knabbert der Zwölfjährige noch ein wenig. "Ich habe zu viele Fehler gemacht", sagt Jiang. Sowohl beim Spiel am Netz als auch läuferisch sei er im Endspiel unter seinen Möglichkeiten geblieben. Das will er im Mai bei der Deutschen Meisterschaft in Beuel bessermachen: "Ich denke, ich kann dort gewinnen."

Dieser Überzeugung sind viele beim SSV. Allerdings gebe es durchaus noch Bereiche, in denen sich das Ausnahmetalent verbessern könne. Nicht in athletischer, aber in taktischer Hinsicht. Das habe sich beim Finale der Westdeutschen gezeigt. "Der Gegner war nicht so schnell und nicht so gut am Schläger, aber er hat das Spiel gut antizipiert – und genau da kann Yang noch zulegen", erläutert Gorohow.

Ein klein wenig ist Jiang zur Attraktion geworden im SSV. "Gerade die jüngeren Spieler bleiben nach dem Training stehen und schauen ihm zu", erzählt Gorohow. Abseits des Sportlichen sind die Lützenkirchener froh, dass sie dem Zwölfjährigen die Eingewöhnung in Deutschland erleichtert haben. "Er hat hier Bekannte und Freunde gefunden", berichtet Gorohow, der auch weiß, dass vermutlich irgendwann ein Bundesligist in der Region seine Fühler nach dem Talent ausstrecken wird. Aber erstmal ist Jiang beim SSV zufrieden: "Ich habe es nicht weit bis zur Halle hier. Das ist gut so" – eine Meinung, die vermutlich viele im Verein teilen.

(RP)