Handball : LTV will kein Wunder zulassen

Am Abend gastieren die Drittliga-Handballer des Leichlinger TV bei Eintracht Hagen. Der Gegner schickt vorab ein dickes Lob in die Blütenstadt. Davon wollen sich Trainer Frank Lorenzet und sein Team aber nicht irritieren lassen.

Soll der Aufwärtstrend weiterhin Bestand haben, dann müsste der Leichlinger TV — rein rechnerisch — bei Eintracht Hagen mit 19 Toren Unterschied gewinnen. Schließlich legten die Erfolge der Drittliga-Handballer seit Ende September stets an Deutlichkeit zu: Gegen Uerdingen wurde mit einem Treffer Unterschied gewonnen, gegen Korschenbroich mit acht, gegen Gladbeck mit elf, zuletzt gegen Düsseldorf mit 18.

Das ist selbstverständlich kein Maßstab, den Trainer Frank Lorenzet bei seinem Team anlegt. Aber grundsätzlich sieht auch er es so, dass "es seit Uerdingen stetig bergauf geht, nachdem es anfangs sehr unrund lief". Die aktuelle Siegesserie drängt inzwischen die holprigen Darbietungen zu Saisonbeginn immer mehr in den Hintergrund. "Auch wenn es zuletzt keine Gegner waren, die am Ende ganz oben in der Tabelle zu erwarten sind, muss man diese Aufgaben erst einmal in dieser Deutlichkeit und mit dieser Souveränität lösen, wie wir das getan haben", sagt Lorenzet.

Die Auftritte waren sogar so souverän und so deutlich, dass sich der LTV wieder — wie schon vor und zu Saisonbeginn — mit großen Lobeshymnen konfrontiert sieht. So hat der Trainer von Eintracht Hagen vor der heutigen Partie (20 Uhr, Enervie Arena) verbal einen Strauß geflochten, an dem sich manch Blumenbote einen Bruch gehoben hätte: Leichlingen, meinte Khalid Khan, sei nicht nur die stärkste Mannschaft der Dritten Liga West, sondern aller vier Dritten Ligen in Deutschland. Lorenzet bemüht sich angesichts dieser Einschätzung um maximalen Realismus: "Die Aussage ehrt uns und ist auch eine Bestätigung unserer Arbeit. Aber ob das wirklich so ist, das lassen wir mal dahingestellt."

Zumal sich die Hagener heute vermutlich sportlich nicht ganz so gönnerhaft zeigen werden. Zuletzt versorgte sich die Eintracht mit viel Wind unter ihren Flügeln, als sie ersatzgeschwächt zu einem 35:32-Erfolg in Krefeld kam, den Khan als "Wunder von Uerdingen" pries. Damit nun wieder irdische Phänomene in Hagen Einzug halten, erwartet Lorenzet, dass seine Mannschaft an ihre zuletzt gezeigten Leistungen anknüpft: "Uns erwartet ein anderes Kaliber. Hagen hat zuletzt sein Potenzial gezeigt und wird am Ende im ersten Drittel der Tabelle landen", prophezeit der LTV-Coach.

Allerdings müsse er auf drei Akteure definitiv verzichten: Bastian Munkel zog sich erneut einen Bänderriss zu, Achim Jansen ist beruflich eingespannt, Ousse Lajnef hat Grippe. Zudem sei Christian Born angeschlagen und Matthias Aschenbroich "noch nicht bei 100 Prozent". Daher soll sich erstmals in dieser Saison wieder Co-Trainer Jens Buss ein Trikot überstreifen, um im Fall der Fälle einzugreifen.

(RP/rl)