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Leichlinger TV – von der Meisterschaft bis zum Rückzug

Handball: Aufstieg und Fall des Leichlinger TV : Von der Meisterschaft bis zum Rückzug

Der semiprofessionelle Handballsport in der Blütenstadt ist Geschichte. Wir blicken auf die wichtigsten Momente der vergangenen Jahre beim Leichlinger TV zurück.

Der Name hatte noch einen gewissen Klang. Doch sportlich hatten der Leichlinger TV der vergangenen drei Jahre und der, dessen Team einst in die zweite Liga aufstieg und den Titel des Westdeutschen Meisters errang, wenig gemeinsam. Der Verein aus der Blütenstadt an der Wupper ist vom Leuchtturm für den Handball in der Region zum Winzling geschrumpft. Auch seinen Platz an der Spitze der ewigen Tabelle der dritten Liga hat der LTV verloren. Der märchenhafte Aufstieg des kleinen Vereins aus dem Bergischen ist Geschichte, die rund 20 Jahre währende Ära vorbei. Die erste Mannschaft tritt nicht mehr in der dritten Liga an. Zukünftig wird wohl nur noch ein Team in der Kreisliga aktiv sein.

Dabei gehörte der LTV lange zu den Paradebeispielen dafür, was mit bescheidenen Mitteln und viel Engagement möglich ist. Dass der Ruf der Handballabteilung des Breitensportvereins in der Szene bisweilen für Bewunderung, aber immer für Respekt sorgte, lag an der Leichlinger Mentalität: Das gallische Dorf, wir Kleinen gegen die Großen. Keine Mannschaft mit jahrzehntelanger Geschichte, aber eine, die rund um die Jahrtausendwende mit stetigen Aufstiegen den Weg in den semiprofessionellen Bereich fand. Mit Frank Lorenzet kam schließlich ein Mann vom Longericher SC, der die folgenden 15 Jahre prägen sollte – als Trainer, Manager, Geschäftsführer. Bis zu seinem Abschied 2018 war er „Mister LTV“.

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2004 stieg Leichlingen erstmals in die damals drittklassige Regionalliga auf – und wurde im ersten Jahr gleich Vizemeister. Insgesamt dreimal holte Lorenzets Team Platz zwei, ehe 2007/08 sogar der Aufstieg in die Süd-Staffel der zweiten Liga gelang. Sportlich war es ein Himmelfahrtskommando, doch Leichlingen hielt sich wegen eines Rückzugs der Konkurrenz sogar für ein zweites Jahr in der Spielklasse. Die Regionalmacht Bergischer HC oder auch der TuSEM Essen und HC Erlangen mussten plötzlich in die Leverkusener Arena reisen, wo der LTV gegen große Namen meist wenig Chancen hatte.

Was blieb, waren Strukturen, von denen der Verein jahrelang zehrte. In der neu gegründeten dritten Liga war der LTV plötzlich einer der Großen. Insgesamt fünf Vizemeisterschaften erkämpften die Leichlinger und standen nach 2008 noch ein weiteres Mal vor allen Konkurrenten, als 2016 der Titel des Westdeutschen Meisters erneut an den LTV ging. Bitter, dass mit Lorenzet ausgerechnet einer der Väter des Erfolgs wegen eines Trauerfalls im privaten Umfeld den Titel nicht mit den Fans feiern konnte. Aus wirtschaftlichen Gründen war der erneute Aufstieg aber kein Thema mehr.

Spätestens 2016 festigte sich das Image des perfekten Drittligisten: Oft erfahrene, aber immer wieder auch nach Höherem strebende Talente spielten beim LTV erfolgreichen, oft sogar spektakulären Handball. Der LTV übernahm die Führung der ewigen Drittligatabelle, die er erst vor wenigen Monaten abgeben musste. Nur dreimal schloss Leichlingen schlechter als Platz vier ab: 2014 unter dem heutigen Krefelder Coach und damaligen Kurzzeit-Trainer Maik Pallach, 2017 unter Lorenzet und 2019 unter dessen Nachfolger Lars Hepp. Spätestens seit Lorenzets Abschied 2018 konnte der Klub seine Erfolge nicht mehr bestätigen – und die Probleme häuften sich.

Es war der Anfang vom Ende der Leichlinger Handball-Ära.