Handball, 3. Liga : Leichlinger TV verkauft ein Stück Hoffnung

Die Drittliga-Handballer des Leichlinger TV suchen händeringend nach Unterstützung angesichts ihrer prekären Hallensituation. Am Samstag geht es gegen die SG Schalksmühle-Halver.

Am Samstag gibt es ein Stück Hoffnung für wenig Geld. Von 10 bis 12 Uhr können Leichlinger Bürger ihren Handball-Drittligisten unterstützen. Dann verkaufen die Verantwortlichen des Leichlinger TV gemeinsam mit dem Bürgermeister der Blütenstadt, Frank Steffes, Spendenschals auf dem Wochenmarkt im Brückfeld. Für 25 Euro gibt es nicht nur den Schal, sondern auch freien Eintritt beim Heimspiel des LTV am Samstag (19 Uhr) gegen die SG Schalksmühle-Halver.

Auch diese Partie wird wieder in der Burscheider Halle auf dem Schulberg stattfinden – die heimische Spielstätte am Hammer besteht derzeit aus nicht viel mehr als nacktem Beton. Nach der Flutkatastrophe im Sommer musste die Schulsporthalle entkernt werden, der Schlamm stand Zentimeterhoch dort, wo sonst von Schülern und Halbprofis Sport getrieben wird. Als „Totalschaden“ bezeichnet Stadtoberhaupt Steffes die Folgen. Die Tribüne, der Schwingboden und die Umkleideräume – all das musste aus der vom Schimmelbefall bedrohten Halle entfernt werden.

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Immerhin: Die Trocknungsphase stehe vor dem Abschluss, sagt Steffes. Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr der LTV-Handballer gibt es aber nicht. „Aufgrund der Größe der Maßnahmen ist das Ganze europaweit ausgeschrieben worden“, erklärt der SPD-Politiker. Mehr als eine Million Euro müsse aufgewendet werden. Nacheinander werden dann die Projektsteuerung, die Planung und die Bauausführung vergeben. Erst im September 2023 könnte es mit den Bauarbeiten losgehen – eine Ewigkeit für die Drittliga-Handballer. „Das ist total unbefriedigend“, findet auch Steffes. Nur: Eine Dreifachsporthalle mit Turnierqualitäten finde man nicht so einfach. Die Schüler der naheliegenden Sekundarschule halten ihren Sportunterricht anderswo ab, für den LTV ist die Lage komplizierter.

Die Mannschaft, die mit 10:12 Punkten gegen den Abstieg kämpft, muss immer wieder woanders trainieren. Mal in Witzhelden, mal in der Leichlinger Toscana-Halle, mal in Leverkusen. „Es ist schwierig, den Spielern eine Perspektive zu bieten“, sagt Philipp Bracht, Geschäftsführer des LTV. Kurz vor Weihnachten wird in der Regel bereits für die nächste Saison geplant, derzeit ist das nicht möglich. „Wir müssen dreimal pro Woche vernünftiges Training anbieten können“, betont Bracht. Selbst über eine mobile Halle im Zelt dachte die Stadtspitze deswegen bereits nach. Kostenpunkt: nicht weniger als 500.000 Euro. Ausgaben, die nicht wieder reinzuholen wären.

Zudem kommt es nun zwischen der Stadt Burscheid und dem LTV zu Spannungen. Leichlingens Trainer Lars Hepp warf der Stadt Burscheid im Podcast „Kreis Ab“ unter der Woche vor, über freie Hallen zu verfügen, diese aber nicht freizugeben. „Die Halle steht unter der Woche leer, wir fragen an – aber auf dem Papier ist sie ausgebucht“, sagte Hepp und sprach von „effektiv“ freien Hallenzeiten. Diese Sichtweise teilt die Stadt Burscheid nicht. „Ausgeschöpft“ sei der Belegungsplan am Nachmittag und Abend in den infrage kommenden Stätten der Schulberg-Halle und der Max-Siebold-Halle, betonte die Stadt auf Anfrage. Bei den Klubs vor Ort habe die Stadt „explizit“ nachgefragt – es stünde nichts zur Verfügung. Die Verwaltung verweist auf die bereits geleistete und weiterhin laufende Unterstützung: „Burscheid hilft dem Leichlinger TV bereits, indem für dessen Heimspiele etwa alle zwei Wochen die Burscheider Schulberghalle zur Verfügung gestellt wird.“

Hepp äußerte in diesem Kontext zudem den Wunsch, „dass die Stadt Leichlingen mit der Stadt Burscheid spricht“. Dies geschehe laut Steffes: „Wir versuchen seitens der Stadtverwaltung Kooperationen zu fördern, aber die anderen Kommunen sind auch alle voll“, berichtet der Leichlinger Bürgermeister.

Und so steuert der LTV mal wieder auf eine „existenzielle Krise“ zu, wie Bracht sagt. Von zu wenigen Seiten erfährt der Klub Unterstützung, zu wenige Leichlinger Fans finden den Weg nach Burscheid. Im schlimmsten Fall könnte der sportliche Kraftakt in dieser Saison wegen außersportlicher Gründe am Ende nutzlos sein.

Info  Die „Cremer Lounge“, das Bauwerk vor der Halle am Hammer, ist nach der Insolvenz der Spielbetriebs-GmbH Pima an die Stadt gefallen. Der Bestand sei vorerst gesichert, sagt Bürgermeister Frank Steffes und fügt hinzu: „Wir sind in Gesprächen, wie wir damit umgehen.“