Leichlinger TV überrascht sich mit Sieg in Hagen selbst

30:29 beim Favoriten : Leichlinger TV überrascht sich mit Sieg in Hagen selbst

Als Außenseiter mit Personalsorgen tritt das Team von Trainer Lars Hepp beim Zweitliga-Absteiger an – und kehrt als spektakulärer Gewinner zurück.

 Mannschaftssport ist immer auch eine Stimmungssache. Wie schnell sich die Gemütslage von „wie auf der Titanic“ zu „himmelhochjauchzend“ ändern kann, erleben gerade die Handballer des Leichlinger TV. Nachdem der Nordwest-Verein noch vor zwei Wochen am Ende der Drittliga-Tabelle rangierte und die Stimmung denkbar schlecht war, darf sich die Mannschaft von Trainer Lars Hepp nun zurecht feiern. Auswärts besiegte der LTV den favorisierten Zweitliga-Absteiger VfL Eintracht Hagen mit 30:29 (13:18) – und kann nun nach dem ersten Erfolg gegen den OHV Aurich aus der Vorwoche die nächsten Zähler verbuchen.

„Diese Punkte waren definitiv nicht eingeplant“, räumte Hepp ein, dessen Team mit der Rolle des vermeintlich chancenlosen Außenseiters bestens zurechtkam. Ohne die verletzten Sebastian Linnemannstöns (Kreuzbandriss und Meniskusverletzung) sowie Alexander Senden (Syndesmoseanriss) machten die Gäste einfache Fehler und verwarfen freie Bälle mit der Unsicherheit der vergangenen Wochen. Doch im Gegensatz zu den ersten sechs Spielen der Saison riss sich die Mannschaft zusammen – und gewann am Ende spektakulär.

Hepps Team profitierte gleichzeitig vom eigenen Aufschwung und einer Hagener Leistung, für die sich deren Trainer Ulli Kriebel sogar öffentlich zu entschuldigen versuchte. All die kleinen und großen Fehler, die dem LTV wochenlang Punkte und Laune geraubt hatten, machten die Handballer von der Wupper nun plötzlich nicht mehr. Hagen leistete sich seinerseits zwölf Minuten ohne eigenen Treffer. Die Leistung der Spieler im Zentrum des LTV explodierte geradezu. Linkshänder Maik Schneider ist ohnehin der wichtigste Mann und unersetzbar, doch auch Lars Jagieniak warf am Kreis insgesamt sechs Mal ein – und Kris Zulauf agierte in der zentralen Deckung tadellos.

„Wir haben in den entscheidenden Phasen gute Entscheidungen getroffen“, sagte Rückraumspieler Maurice Meurer. Der 21-Jährige erlebte eine handballerische Wiederauferstehung. Mit sechs Toren hatte er großen Anteil am Sieg und nötigte Kriebel zur Umstellung auf Manndeckung. „Mit den zwei Kreisläufern hatte Hagen lange zu kämpfen“, sagte Meurer über den taktischen Kniff, der schon beim Sieg gegen Aurich geholfen hatte.

Einst als Königstransfer vom Drittliga-Absteiger und Lokalrivalen SG Langenfeld in die Blütenstadt geholt, erwischte Meurer einen schweren Start im neuen Verein. So recht konnte 1,98 Meter große Handballer sein zweifellos vorhandenes Talent nicht abrufen – bis am Freitagabend endlich zu sehen war, wofür ihn Hepp im Sommer nach Leichlingen holte. „Ich hatte eine schwierige Phase und war nicht ganz so gut“, sagte er selbstkritisch. „Jetzt bin ich froh, dass ich endlich aus dem Rückraum zünden konnte.“ Nun gilt es für den Wuppertaler, seinen Aufwärtstrend zu bestätigen. Gleiches trifft auf den Leichlinger TV insgesamt zu, der seine wahre Stärke aber wohl erst in zwei Wochen kennen wird.

Bis dahin stehen die Aufgaben gegen die vermeintlichen schwächer einzuschätzenden Teams von Gummersbach II und des TuS Volmetal an. „Wenn man so schlecht startet, hängen die Schultern sehr schnell“, lautet Meurers Einblick in die Gefühlswelt des LTV. Jetzt dürften sie vorerst wieder etwas weiter aufgerichtet sein.

Leichlinger TV Mathes, Ferne - Natzke (2), Schneider (10), Kübler (1), Jagieniak (6), Meurer (6), Blum (2/1), Richartz, Gelbke (2), Graef, Sivanathan (1), Zulauf.

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