Handball : Siegen ist Pflicht für den LTV

Die Leichlinger Handballer treten am Freitagabend beim Tabellenletzten der Dritten Liga, der SG Menden Sauerland Wölfe, an. Im Abstiegskampf ist es schwer, junge Spieler zu entwickeln, so werden es wohl die Routiniers richten müssen, von denen es in Gerrit Kuhfuß nun noch einen weiteren gibt.

Auf der knapp anderthalbstündigen Anreise zum nächsten Abstiegskrimi im Sauerland fährt bei den Drittliga-Handballern des Leichlinger TV der große Druck mit. Nach der Pleite gegen den TSV GWD Minden II (24:28) zum Jahresauftakt darf sich die Mannschaft von Trainer Lars Hepp bei der SG Menden Sauerland Wölfe eigentlich keine weitere Niederlage leisten. Denn verliert der LTV am Freitagabend (20 Uhr) auch beim Schlusslicht, sind nicht nur die nächsten Punkte gegen einen unmittelbaren Abstiegskonkurrenten verschenkt. Auch der nächste direkte Vergleich mit einem Kellerkind wäre hergegeben. Das Hinspiel im vergangenen September hatte Menden bereits mit 25:22 gewonnen.

Siegen ist Pflicht heißt es also für den LTV, der nach der dreiwöchigen Weihnachtspause aber ein fragwürdiges Bild abgab – und damit nur wenig Hoffnung schürte. Da war zum einen die fehlerhafte und schwache sportliche Leistung, mit welcher dem keineswegs überragend aufspielenden Gegner leichtes Spiel gemacht wurde. Zum anderen war da das fragwürdige öffentliche Auftreten des Vereins, der einen ausscheidenden Spieler quasi nebenbei abhandelte: Fabian Graef, von Hepp zu Saisonbeginn vom Verbandsligisten SG Überruhr in die Blütenstadt geholt, stand in Leichlingen zweifellos vor einer riesigen Herausforderung. Drei Spielklassen sollte der Linkshänder von Jetzt auf Gleich überspringen und sich in der semi-professionellen 3. Liga zurechtfinden. Es gelang ihm nicht. „Fabian Graef, vor der Spielzeit von der SG Überruhr zu den Pirates gewechselt, hat den LTV während der Winterpause nach guten Gesprächen in beiderseitigem Einvernehmen verlassen. Für den Rechtsaußen aus dem Ruhrgebiet war der zeitliche Aufwand zu groß geworden“, schrieb der LTV auf seiner Homepage – wohlgemerkt im fünften Absatz seines Spielberichtes. Eine offizielle Verabschiedung gab es nicht.

Stattdessen sahen die wenigen Zuschauer im Ostermann-Forum ein neues Gesicht in den LTV-Reihen: Gerrit Kuhfuß. Der 32 Jahre alte Kreisläufer wird dem LTV „bis auf Weiteres“ aushelfen. Es ist davon auszugehen, dass dies auch in Menden der Fall sein wird. Und da sich die Personalsituation der Leichlinger bis dahin nicht großartig verändern dürfte, scheint es wahrscheinlich, dass Kuhfuß, als einer von vielen Routiniers im Kader wieder viele Einsatzzeiten erhält. Gegen Minden standen in Valdas Novickis (33), Christoph Gelbke (31), Kris Zulauf (33), Maik Schneider (31) und Kapitän Alexander Kübler (30) zeitweise gar fünf Spieler im Alter von 30 oder mehr Jahren auf dem Feld.

Das passt nicht zur angestrebten Verjüngung der Mannschaft, die Hepp kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2018 angekündigt hatte. „Es muss generell ein Umdenken stattfinden. Mein Ziel ist es, junge Spieler, die vielleicht auch einen regionalen Bezug haben, in den Verein zu holen“, hatte Hepp im Oktober 2018 im Interview mit unserer Redaktion gesagt. Dies gelang in der ersten Saison nach dem großen Umbruch nur teilweise, so mischt in dieser Spielzeit unter anderem Eigengewächs Fynn Natzke auf Rechtsaußen bemerkenswert gut mit. Andere junge Spieler wie Alexander Senden oder Timo Blum deuten ihr Potenzial an, wieder andere wie Maurice Meurer fliegen derzeit unter dem Radar.

Die Verantwortung tragen aber nach wie vor die Erfahrenen Schneider, Novickis, Gelbke und Co.. Und selbst sie schaffen es derzeit nicht, den LTV in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Die Lage bleibt bedrohlich, im wohl bis Saisonende andauerndem Abstiegskampf lässt sich an der Weiterentwicklung junger, talentierter Spieler nur schwer arbeiten. „Handball beim LTV soll Spaß machen“, hatte Hepp damals ebenfalls gesagt. Siege wären dafür hilfreich.