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Leichlinger TV teilt sich eine Halle mit den Bergischen Panthern

Handball, 3. Liga : Leichlinger TV teilt sich eine Halle mit den Panthern

Da die Heimspielstätte der Handballer des Leichlinger TV nach der Flutkatastrophe saniert werden muss, spielt das Team von Trainer Lars Hepp kommende Saison in Burscheid.

Am Ende blieben den Handballern des Leichlinger TV noch ein paar Tassen aus dem Catering. Fast alle anderen Gegenstände aus der Halle am Hammer, in der der Drittligist normalerweise seine Heimspiele austrägt, sind nicht mehr da: Trainingsmaterialien, Banden, Laptops. „Selbst die grünen Auszeit-Karten müssen wir neu beschaffen“, sagt Gregor Fuchs, der sich für den LTV um die Hallen-Thematik kümmert. Die schweren Überflutungen Mitte Juli wirkten sich auch auf den Betrieb der Handballer aus. Und das gravierend.

Dabei versuchen die nach der Pleite der einst so erfolgreichen Spielbetriebs-GmbH und der gefühlt endlosen Corona-Pause gerade wieder einen Neuanfang. Doch mitten in der Vorbereitung auf die bereits Anfang September beginnende Drittliga-Saison war von einem Tag auf den anderen kein Training mehr in der Halle am Hammer möglich. Zentimeterdick waren auch dort Wasser und Schlamm eingedrungen.

Inzwischen wird entrümpelt und saniert. Alle Böden müssen entfernt werden, Wände in Teilen und auch die Außenfassade inklusive Blechverkleidung und Dämmung sind hinüber. Auf einen Schaden im vermutlich siebenstelligen Bereich taxiert Leichlingens Bürgermeister Frank Steffes (SPD) auf Nachfrage unserer Redaktion die Kosten für die Arbeiten.

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Für den LTV ein schwerer Rückschlag, denn an Heimspiele wird zumindest in Leichlingen auf absehbare Zeit nicht zu denken sein. Zwar signalisierte der Deutsche Handballbund (DHB) schnell Flexibilität und bot an, die ersten Heimspiele der anstehenden Saison zu verschieben oder die Heimrechte zu tauschen. Allerdings war beim LTV auch wegen der Frage nach einer neuen Trainingsstätte Eile bei der Hallensuche geboten.

Inzwischen gibt es eine Lösung. Zwei Trainingseinheiten pro Woche kann die Mannschaft von Trainer Lars Hepp in der vom Wasser verschont gebliebenen Toscana-Halle absolvieren, eine weitere findet in Witzhelden statt. Dazu kommen – wie in den vergangenen Wochen notgedrungen erprobt – Trainings bei Fitness-Partnern. Die Heimspiele trägt der LTV aller Voraussicht nach in der elf Kilometer entfernten Burscheider Schulberghalle aus. „Alle haben Verständnis für die Notlage der anderen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so funktioniert. Das ist sehr toll“, schwärmt Fuchs über die Suche nach Ausweichmöglichkeiten. Gerade der Stadtsportbund habe gute Lösungen angestoßen.

Der beliebte Freitagstermin wird für die Leichlinger in Burscheid allerdings nicht frei sein. Dort sind auch die Bergischen Panther beheimatet, ein Ligakonkurrent des LTV. Bis auf drei Partien werde man alle Heimspiele am Samstag jeweils ab 19 Uhr austragen, sagt Fuchs und lobt: „Eine Halle in der Nähe, ein fester Termin: Mehr kann man nicht erwarten.“ Immerhin: Eine Soforthilfe für Geschädigte des Hochwassers hat der LTV bereits bekommen. „Alles, was wir sofort für den Betrieb brauchen, können wir bezahlen“, stellt Fuchs klar.

Die Mannschaft versucht diese Thematik erst gar nicht an sich heranzulassen. „Es ist eben so, wie es ist. Man kann die Hände vors Gesicht schlagen und sagen: Man, ist das ungerecht. Aber man kann nichts ändern“, sagt Torhüter David Ferne. Der Publikumsliebling sieht die Situation pragmatisch – und sucht ausschließlich das Positive. „Besondere Umstände führen zu besonderen Leistungen. Das ist ein Gedanke, der mich motiviert, zum Training zu gehen“, sagt Ferne. Er lobte das Trainergespann um Hepp, das von den Spielern große Flexibilität verlangt, gleichzeitig aber auch Freiheiten gebe und Verständnis aufbringe.

Ferne ist optimistisch, dass die Saison knapp ein Jahr nach dem vorerst letzten Pflichtspiel ein Erfolg werden kann. Und das trotz des wegen der Pandemie stark veränderten Modus, der den LTV im Kampf um den Klassenerhalt vor eine größere Herausforderung stellt als ohnehin schon. „Wir sind heiß darauf, in zehn Jahren die Story zu erzählen, in der alles schiefgelaufen ist, wir die Saison am Ende aber gerockt haben“, sagt der Torhüter der Blütenstädter.