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Leichlinger TV: Geschäftsführer Philipp Bracht im Interview

Interview Philipp Bracht : „Die Pima hatte einige Geburtsfehler“

Philipp Bracht ist der neue Geschäftsführer beim Handball-Drittligisten Leichlinger TV – und er hat nach der Insolvenz der Pirates Marketing GmbH viel zu tun.

Der Leichlinger TV hat nicht nur sportlich eine turbulente Spielzeit hinter sich. Der Geschäftsführer der nach der Insolvenz der Pirates Marketing GmbH (Pima) neu gegründeten Spielbetriebsgesellschaft blickt auf schwierige Monate zurück – und gibt Einblicke in die unverändert großen Herausforderungen beim  Westdeutschen Meister von 2016.

Herr Bracht, wenn Sie eine Bilanz der vergangenen Wochen ziehen: Sind Sie da, wo Sie mit dem LTV sein wollen?

Bracht Wir haben eine GmbH mit der wir arbeiten können, haben Verträge mit Spielern unterzeichnet und müssen gleichzeitig alles, was die Pima in der Vergangenheit gemacht hat, komplett neu konzipieren. Außer dem Trainer und teilweise den Spielern sind alle Handelnden neu dabei. Wir sind recht weit. Der Verein, der die GmbH halten soll, ist auch gegründet – das ist ein wichtiger Schritt hin zur Zielstruktur.

Woher kommen die neuen Mitstreiter?

Bracht Dazu muss man auch in die Vergangenheit schauen. Die Pima hatte einige Geburtsfehler. Man hat vergessen, den Rest der Abteilung mitzunehmen. Da entstand eine große Kluft. Das wurde oftmals versucht zu beheben, klappte aber nie so richtig. Die Insolvenz war für uns die Chance, es bei gewissen Schwachpunkten besser zu machen und neu anzufangen. Jetzt wird keine Entscheidung im Leichlinger Handball mehr alleine getroffen. Mannschaftsübergreifend machen mehr als 20 Leute mit. Zum Beispiel ist es geplant, dass alle Teams – von der ersten bis zur E-Jugend – die gleichen Trikots tragen. Die Leute aus der Abteilung des LTV sind auch federführend bei der semi-professionellen ersten Mannschaft. Sämtliche Funktionen und Ämter besetzen wir ehrenamtlich.

Trainer Lars Hepp sagte zuletzt, die Insolvenz sei schon bei seinem Amtsantritt vor rund zwei Jahren absehbar gewesen. Gab es im Hinterkopf vielleicht schon vor einiger Zeit Ideen für diesen Neuanfang?

Bracht Ich habe auch immer mit einer Insolvenz gerechnet, es gehen aber viele Vereine immer mal wieder insolvent. Dass Leichlingen und die Pima so lange durchgehalten haben, ist eher ein großer Erfolg, der den Gesellschaftern zu verdanken war, die immer wieder Geld nachgeschoben haben. Das ist aber ein Konstrukt, das wir nicht mehr wollten: Auf der einen Seite der Verein mit der Lizenz, auf der anderen Seite ein Spielobjekt. Krass gesagt: Wenn der Trainer dem Gesellschafter nicht mehr guten Tag sagt, gibt es kein Geld mehr – und die Mannschaft geht pleite. So etwas ist nie passiert, aber mit privaten Personen als Träger der Mannschaft durchaus vorstellbar. Das ist nicht nachhaltig, deswegen haben wir alles etwas anders aufgebaut.

Können Sie das neue Konstrukt erklären?

Bracht Es ist nicht unüblich, dass Vereine Anteile an Kapitalgesellschaften haben. Es gab auch ein Szenario, den Spielbetrieb aus dem LTV heraus zu organisieren. So funktioniert es ja beim TuS Opladen oder bei Fortuna Düsseldorf auch. Das war aber vom LTV aus nicht gewünscht. Diese Entscheidung haben wir respektiert und mit dieser Restriktion eine für uns ideale Lösung gefunden. Also haben wir einen neuen Verein gegründet, der die Anteile der GmbH hält. Der Vereinsvorstand agiert mit der Geschäftsführung der GmbH und der Vorstand ist wiederum mit dem Gesamtverein vernetzt. Erster Vorsitzender ist Gregor Fuchs, zweiter Vorsitzender ist Ralf Meier, Schatzwartin ist Bianca Oeser. Der zweite Vorsitzende soll immer der Abteilungsleiter des LTV sein. So kann es nicht passieren, dass die GmbH ausbüxt: Der neue Verein wird mit vom Gesamtverein gesteuert. Wir sind komplett unabhängig vom LTV, treten aber immer für ihn an.

Woher kommt das Geld?

Bracht Natürlich sprechen wir die bestehenden Sponsoren an. Die haben aber coronabedingt selbst teilweise weniger Geld zur Verfügung. Für die GmbH haben wir aber ein gewisses Startkapital von Privatpersonen zur Verfügung gestellt bekommen.

Und wie wird der neue Verein dann alleiniger Gesellschafter der GmbH?

Bracht Die Anteile wird er übertragen bekommen, das wird im Rahmen einer Sachspende möglich sein. Das Ziel ist in Zukunft aber, den Etat durch Sponsoring und Zuschauereinnahmen zu decken. Es ist dann zwar schön, wenn jemand kommt und viel Geld einbringen will. Wir schauen aber, dass es auch ohne funktioniert und wir uns nicht von ein, zwei einmaligen Zuwendungen abhängig machen.

Wie hoch ist der Etat?

Bracht Wir liegen bei ungefähr 60 bis 70 Prozent des Etats der Pima. In diesem Jahr haben wir nicht viele Sponsoringeinnahmen eingeplant, es ist aber zu sehen, dass wir ein wenig positiver denken können. Außerdem haben wir komplett ohne Zuschauereinnahmen geplant, weil niemand weiß, wie es da weitergeht. Dass wir die Halle mit 500 Menschen voll machen, ist unwahrscheinlich. Ich weiß aber, dass wir es schaffen können, den Etat in Zukunft komplett aus Sponsoring zu finanzieren. Wir haben mit Lars Burgwinkel und Martin Pauli das große Glück, zwei überaus motivierte und unglaublich fähige Köpfe zu haben, welche die Funktionen Marketing/Sponsoring koordinieren. Ich bin fast täglich überrascht, welche neuen Impulse von dieser Seite kommen.

Hatten Sie inzwischen Kontakt zur Pima oder dem Insolvenzverwalter?

Bracht Wir stehen aktuell in Kontakt mit dem Verwerter des Insolvenzverwalters der Pima. Die Pima hat einige Gegenstände, die für uns interessant sein können. Die Musikanlage zum Beispiel, da kommt es aber auf das Preisschild an. Bei der Lounge ist die Frage: Welche Verträge gibt es, möchte man sich das ans Bein binden? Die Lounge wurde als VIP-Bereich ja nicht genutzt. Man müsste sich ein Konzept zur regelmäßigen Nutzung überlegen. Die Lounge ist in der Liste der Dinge, die wir haben möchten, aber sehr weit am Ende.