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Leichlinger TV empfängt TuS 82 Opladen zum Drittliga-Derby

Fabrice Voigt und Lars Hepp im Doppel-Interview : „Ich sehe aktuell keine Perspektive für uns“

Trainerinterview vor dem Drittliga-Derby des Leichlinger TV gegen den TuS 82 Opladen: Bei Fabrice Voigts Leverkusenern geht es ums Sportliche, bei Lars Hepps Blütenstädtern um die Existenz.

Am Samstagabend (19 Uhr) treten der Leichlinger TV und der TuS 82 Opladen zum Abschluss der Hinrunde in der Dritten Handball-Liga in der Burscheider Schulberghalle gegeneinander an. Ist dieses Derby das interessanteste von allen? 

Fabrice Voigt Als ich noch aktiv war, war es das Spiel überhaupt. Aber wir waren jetzt lange nicht in einer Liga, so dass ich die Brisanz ähnlich zu den Spielen wie gegen die Bergischen Panther und Longerich sehe. Betrachtet man die Dinge aber regional, ist es das Derby der Derbys, da man im Normalfall zu Fuß von Halle zu Halle gehen könnte.

Lars Hepp Da wir ja leider nicht wirklich zu Hause „Am Hammer“ antreten können, ist es für uns fast ein Spiel wie jedes andere auch. Die Duelle gegen die Bergischen Panther oder Longerich sind noch etwas hitziger, und vor allem ist ja auch die Rollenverteilung klar: Opladen spielt spielt eine überragende Hinrunde und steht vollkommen zu Recht so weit oben in der Tabelle. Dazu kann man nur gratulieren.

Die LTV-Halle soll bis Ende 2023 gesperrt sein. Das heißt, die Zukunft sieht nicht gerade rosig aus.

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Hepp Das ist noch etwas untertrieben. Wir müssen mindestens noch anderthalb Spielzeiten ohne eigene Halle auskommen. Damit ist uns die komplette Grundlage für eine weitere Zukunft erst einmal entzogen. Wir haben einiges hinter uns: Die Insolvenz der Spielbetriebs-GmbH, Corona-Einbußen und dazu kommen nun auch noch die Hochwasser-Schäden. Welcher Klub würde das unbeschadet überstehen? Aktuell sehe ich leider keine Perspektive für uns.

Zumal zu den Heimspielen in Burscheid auch nur ein Bruchteil des Stammpublikums kommt.

 Coach Fabrice Voigt ist mit seinem TuS 82 Opladen gut in die Saison gestartet.
Coach Fabrice Voigt ist mit seinem TuS 82 Opladen gut in die Saison gestartet. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Hepp Wäre das Derby gegen den TuS in Leichlingen, hätten wir einen leichten Heimvorteil. Da wären sicher 400 bis 500 Zuschauer gekommen. Die hatten wir in unseren letzten drei Spielen in Burscheid nicht einmal zusammen. Das sagt ja schon alles. Aber es ist nicht nur das. Wie soll ich interessierten Handballern unseren Verein schmackhaft machen? Wir wissen nicht, in welcher Liga wir nächste Saison spielen, haben keine Heimspielstätte, können dadurch nur zwei Mal in der Woche trainieren, während die Konkurrenz doppelt so häufig aufs Feld geht. Das stimmt alles andere als optimistisch.

Trotzdem ist für Sie ein Ausstieg keine Option?

Hepp Ich habe als Spieler und jetzt als Trainer verdammt viel erlebt. Im Guten wie im Schlechten. Ich möchte es vermeiden, dass der Handball-Standort Leichlingen von der Landkarte verschwindet. Wir schauen bereits nach links und rechts, ob es vielleicht Vereine gibt, die an einer Kooperation interessiert sind. Letztlich sind wir für viele Dinge offen.

Herr Voigt, sind Sie froh, diese Sorgen nicht zu haben?

Voigt Das kann man so sagen. Wir haben in unserer Bielerthalle einen echten Heimvorteil. Das macht schon viel aus, und sportlich sind wir mit dem dritten Platz natürlich absolut zufrieden. Wir können die Situation des LTV nur ansatzweise nachempfinden, da die Bielerthalle nach dem Hochwasser ja auch eine Weile gesperrt war. Man fühlt sich nirgendwo richtig zu Hause. Respekt an die Jungs aus Leichlingen, die das jetzt schon über Monate durchziehen. Wir sind zum Glück mit einem blauen Auge davongekommen.

Schauen wir auf das Sportliche. Der TuS 82 hat am vorangegangenen Wochenende gegen die SGSH Dragons zum ersten Mal zu Hause verloren. Ist das Selbstvertrauen vor dem Lokalduell gegen den LTV nun angeknackst?

Voigt Wir haben uns darüber geärgert, weil wir das taktische Konzept ein bisschen verlassen haben. Und das Ende war natürlich unglücklich, als wir plötzlich doch noch die Chance auf einen Punkt hatten, die aber liegengelassen haben. Nach der Videoanalyse war das Thema dann aber auch durch, so dass wir uns jetzt auf das Spiel freuen.
Hepp Ich rechne mit einem interessanten Match, weil beide Seiten recht befreit aufspielen können. Opladen steht super da, und was haben wir schon zu verlieren? Die bisherigen Ergebnisse in der Liga haben gezeigt, dass es oft auf die Tagesform ankommt. Wer die bessere Torhüterleistung hat, kommt für einen Sieg in Frage.

Der LTV war zuletzt stark von Spielmacher Valdas Novickis abhängig. Sind die Ergebnisse auch deshalb so schwankend?

Hepp Er ist ein Unterschiedsspieler im Positiven wie Negativen. Wenn er einen gebrauchten Tag erwischt, verlieren wir gegen den TuSEM Essen II, an einem guten schlagen wir die Bergischen Panther. Alles ist sicher nicht von ihm abhängig, aber seine Leistung hat schon einen großen Einfluss.
Voigt Uns fehlt sicherlich ein Spieler wie er, dafür sind wir breiter aufgestellt, und damit fahren wir bislang gut. Aber neben Valdas hat Leichlingen auch andere Jungs, die Handball spielen können, sonst hätten sie nicht so viele Punkte. Uns erwartet eine auch in der Breite gut aufgestellte Mannschaft.

Während der Begegnung mit Schalksmühle sind einige Spieler ausgefallen. Wie ist die personelle Situation derzeit beim TuS 82 Opladen?

Voigt Die Partie hat Körner gekostet. Maurice Meurer hat sich eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen, so dass sein Einsatz fraglich ist. Extrem unwahrscheinlich ist es zudem, dass Oliver Dasburg aufläuft. Er hat massive Schulter- und Hüftprobleme. Zugang Philipp Jäger konnte mit Knieproblemen auch noch nicht trainieren. Dafür kommt Yannik Nitzschmann nach seinem Muskelfaserriss vielleicht wieder zurück.