Leichlinger TV: Der ehemalige Trainer Frank Lorenzet im Interview

Ex-LTV-Trainer Frank Lorenzet im Interview : „Die Pirates bleiben trotz Scheidung immer mein Kind“

Rund 15 Jahre war der 51-Jährige erfolgreicher Trainer und Manager des Handball-Drittligisten Leichlinger TV, ehe es 2018 zum überraschenden Bruch kam.

Herr Lorenzet, wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt?

Lorenzet Bei mir drehte sich fast 30 Jahre alles um Tore, Punkte und Platzierungen. Zudem hatte ich weitere extrem stressige Aufgabenfelder, die mich viel Substanz kosteten. Darum habe ich mich bewusst komplett rausgenommen und auf Wesentliches fokussiert.

Was war der Grund für die überraschende Trennung?

Lorenzet Unsere Zusammenarbeit basierte immer auf großem Vertrauen und Respekt. Das war zuletzt nicht mehr der Fall. Es gab unüberbrückbare Differenzen, daher war eine sofortige Trennung für mich alternativlos. Diese haben beide Parteien in einer einvernehmlichen Lösung vollzogen. Dabei belassen wir es.

Haben Sie anschließend einen anderen Posten im Verein angestrebt oder einen kompletten Schnitt vollzogen?

Lorenzet Weder das eine noch das andere. Präsident Martin Hasenjäger hat immer wieder den Wunsch nach professionelleren Strukturen geäußert. Dafür habe ich ihm ein Konzept erstellt, was aber keine Zustimmung fand, da es nicht zur ehrenamtlichen Philosophie des Klubs passte. Das war alles. Ansonsten verstehe ich mich weiterhin mit vielen Menschen beim LTV sehr gut, bin gerne Mitglied und werde es auch bleiben.

Wie würden sie das Verhältnis zu den aktuell Verantwortlichen beschreiben? Trainer Lars Hepp stellte es in der Vorsaison gar unter Strafe, Ihren Namen zu nennen.

Lorenzet Das ist wie in einer Ehe mit Kind. Kommt es zur Scheidung muss man sich mit dem Ex-Partner nicht verstehen, aber die Pirates bleiben trotzdem immer mein Kind. Und natürlich hat jeder das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Ob die den Tatsachen entspricht, lasse ich mal dahingestellt und sollen andere beurteilen. Die Geschichte mit der Strafe kannte ich schon lange und ich lasse das unkommeniert so stehen.

Der Verein betont seit Ihrem Aus stets, wieder nahbarer und offener werden zu wollen. War das in Ihrer Zeit nicht der Fall?

Lorenzet Was genau damit gemeint ist und wohin der neue Weg führt, wird die Zukunft zeigen. Im Rückblick kann ich sagen, dass ohne entsprechende Kommunikation und positive Wirkung auf viele Menschen unser Weg, gespickt mit zahlreichen Titeln und erfolgreichen Projekten, bis zur Nummer eins der ewigen Tabelle der 3. Bundesliga deutschlandweit nicht möglich gewesen wäre.

Wie bewerten Sie die aktuelle sportliche Situation es LTV nach dem schwachen Saisonstart und was ist für die Pirates möglich?

Lorenzet Ich habe vor der Saison gesagt, dass hinter den großen Zwei, Wilhelmshaven und Hagen, ein breites Feld von fünf bis sechs Teams auf Augenhöhe kommt – und dazu gehört auch Leichlingen. Warum man bisher die PS noch nicht auf die Straße gebracht hat, kann ich aus der Entfernung nicht beurteilen.

Sie wurden zuletzt mit einigen Vereinen wie Großwallstadt oder Krefeld in Verbindung gebracht und beraten aktuell Oberligist LTV Wuppertal. Werden Sie in naher Zukunft wieder als Trainer arbeiten?

Lorenzet Wie immer kommentiere ich grundsätzlich keine Gerüchte. Wuppertal war vor ein paar Monaten in einer schwierigen Situation. Dort habe ich aus Freundschaft zu einigen Verantwortlichen geholfen. Was mich betrifft, kann ich Stand heute keine konkrete Aussage treffen. Ich blicke entspannt nach vorne und freue mich auf neue Herausforderungen.

Mehr von RP ONLINE