Unter neuem Namen : Leichlinger TV bleibt in Liga drei

Die Handballer aus der Blütenstadt treten auch in der kommenden Saison in der dritthöchsten Spielklasse an – allerdings unter neuem Namen. Am Donnerstag will LTV-Präsident Martin Hasenjäger dem Staffelleiter der 3. Liga melden, dass der LTV seine Lizenz nicht zurückgibt.

Die „Pirates“ sind gekentert, doch der semiprofessionelle Handball in der Blütenstadt taucht nicht ab: Der Leichlinger TV will auch in der kommenden Saison in der 3. Liga an den Start gehen. Nach dem Insolvenzbeben der zuletzt involvierten Trägergesellschaft Pima GmbH Ende April baute die Abteilung des Breitensportvereins ein neues Konzept rund um den alten und neuen Trainer Lars Hepp auf. Der Gesamtverein um LTV-Präsident Martin Hasenjäger stimmte diesem bereits am vergangenen Donnerstag zu – die Zukunft ist damit vorerst gesichert.

Abgesehen von der Personalie Hepp und wenigen anderen Beteiligten bleibt aber kein Stein auf dem anderen. Dabei brechen die neuen Verantwortlichen bewusst mit der Vergangenheit: Leichlingens Handballer gehen zukünftig nicht mehr als „Pirates“ an den Start. Unter diesem Namen glückte in der Vergangenheit unter anderem der Aufstieg in die 2. Liga und der Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft. Nun laufen die Handballer nur noch unter dem Namen des Lizenzgebers Leichlinger TV auf.

Dafür wird bereits Anfang der kommenden Woche eine neue GmbH gegründet, die LTV Leichlinger Handball GmbH. Die Gründung einer neuen Vermarktungsgesellschaft war eine Forderung Hasenjägers, der mit dem gemeinnützigen Gesamtverein künftig aber nicht mehr an der neuen GmbH beteiligt sein wird. Deren einziger Gesellschafter wird ein neugegründeter Verein sein, der Leichlinger TV Handball e.V.. „Hier passiert in Zukunft nichts mehr auf Basis der Entscheidungen einer einzelnen Person“, sagt Philipp Bracht, der die Geschäftsführung der neuen GmbH übernehmen wird. Damit soll eine überraschende Insolvenz wie die der Pima verhindert werden. Dort ging das Geld aus, weil sich der Hauptgesellschafter Gerd Cremer im April überraschend zurückzog. Mit Bracht steht jetzt ein studierter Finanzfachmann an der Spitze der neuen GmbH.

Nun versuchen es Protagonisten wie Hepp, Bracht oder der Handball-Abteilungsleiter Ralf Meier mit einem Gemeinschaftsprojekt. „Handball ist nach wie vor Stadtthema“, bekräftigt Meier. Hasenjäger lobte, er habe ein „absolut überzeugendes Konzept“ vorgestellt bekommen und der Vorstand „nicht eine Minute“ gebraucht, um diesem zuzustimmen. Am Donnerstag will Hasenjäger dem Staffelleiter der 3. Liga, Andreas Tiemann, melden, dass der LTV seine Lizenz nicht zurückgibt.

Die „Pirates“ sind Geschichte, die Planungen rund um den neuen Leichlinger TV nehmen aber langsam Formen an. Erstes Geld sei bereits geflossen und auch die Mannschaft zeichne sich bereits ab, betonte der neue sportliche Leiter, Elmar Müller. 13 Zusagen hätten er und Hepp bereits zusammen, kommuniziert ist bislang nur der Verbleib des Publikumslieblings David Ferne. Der 26-Jährige war zuletzt mit in die Spielerakquise eingebunden und gibt sich mit Blick auf die abgebrochene Spielzeit zuversichtlich: „Wir haben vergangene Saison versucht, das Haus zu renovieren. Das hat nicht geklappt – jetzt bauen wir es eben neu.“

Dabei soll sich die Mannschaft zukünftig weitgehend selbst tragen: über Einnahmen aus Sponsoring, Catering oder Tickets. Spielort bleibt die Halle am Hammer. Ob Groß-Sponsor Ostermann, der sich erst vor kurzem vom Hallen- und Mannschaftssponsoring zurückzog, doch noch für ein weiteres Engagement gewonnen werden kann, bleibt offen. Undenkbar scheint beim LTV aber nichts mehr – nach dem sportlichen Crash und der öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht nach der Insolvenz hat eine neue Zuversicht Einzug erhalten.

Kontakt zur Pima oder dem inzwischen eingesetzten Insolvenzverwalter gibt es aber nicht. So ist unklar, wie es beispielsweise mit der Cremer-Lounge weitergeht, die ein zentrales Element der Heimspieltage war und nun zur Insolvenzmasse der Pima gehören dürfte. Weiterhin dabei ist dafür Niklas Frielingsdorf, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern soll. Die erst im August 2019 verpflichteten Manager Thomas Bäckmann und Ingo Jacobi spielen dagegen keine Rolle mehr in den Plänen. Unklar ist außerdem, ob die neue Saison wie geplant im September starten kann. Selbst die 1. und 2. Bundesliga besitzen noch keine konkreten Pläne.