Interview Ralf Meier : „Wir brauchen einen Plan für die Jugend“

Seit Februar ist Ralf Meier Chef der Handballabteilung des Leichlinger TV. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet der 49-Jährige über die derzeit größten Herausforderungen der Blütenstädter.

Herr Meier, wie ist Ihr Eindruck nach den ersten Monaten als Handball-Abteilungsleiter beim LTV?

Meier Wir sind in unserer Entwicklung stehengeblieben. Wir haben in der ersten Mannschaft einen größeren Umbruch, nachdem die Ära von Frank Lorenzet beendet ist und die Abteilung fast ein Jahr ohne Leitung war. Gerade im Jugendbereich wurde zwar der Betrieb aufrechterhalten, aber eine mittelfristige Planung war nicht existent. Wir müssen kurz- und mittelfristig wieder einen Plan aufstellen, um eine Weiterentwicklung voranzutreiben und in der Jugend wieder höherklassig zu spielen.

Liegt auch die zweite Mannschaft in ihrem Fokus? Sie spielt lediglich in der Kreisliga.

Meier Das ist das Problem. Die Lücke zwischen erster und zweiter Mannschaft ist spielerisch zu groß. Leider hatten wir dadurch auch viele Abgänge aus der Reserve an höherklassige Mannschaften in der Umgebung, so dass wir viele unserer talentierten Spieler verloren haben, die wichtig für eine weitere Entwicklung der zweiten Mannschaft gewesen wären. Wir haben zwar für die neue Saison Fynn Natzke hochgezogen, aber regelmäßig Spieler aus dem Jugendbereich in den Drittliga-Kader zu bringen, halte ich für sehr ambitioniert. Das kann nur die Ausnahme sein und ist nicht unser Anspruch für die nächsten fünf bis sechs Jahre.

Wie wollen Sie die Entwicklung voranzutreiben?

Meier Wir schicken unsere Trainer auf Lehrgänge, das haben wir in den vergangenen Jahren versäumt. Wir müssen dorthin kommen, wo andere Vereine im Umkreis schon sind. Wir brauchen nicht nur ehrenamtliche, sondern auch ausgebildete Trainer mit Lizenz. Wir diskutieren derzeit auch ein Patenschaften-Modell mit Spielern der ersten Mannschaft. Es sollen auch Drittliga-Spieler Trainingseinheiten von Jugendmannschaften leiten.

Die Handball-Abteilung muss also mehr zusammenrücken?

Meier Wir sind ein wenig auseinandergedriftet in den vergangenen Jahren. Die erste Mannschaft war eine Art Satellit, der um die Handballabteilung kreiste. Einerseits ist sie das Aushängeschild, anderseits war sie zu weit weg von der gewachsenen Abteilung. Durch viele Spielerwechsel gab es dieses Miteinander nicht mehr. Wir hoffen, dass sich das mit dem neuen Trainer Lars Hepp ändert.

Wie eng ist der Austausch mit ihm?

Meier Es ist eine sehr offene Kommunikation in allen Bereichen, das schätze ich sehr. Auch der Austausch mit den Gesellschaftern ist offener geworden als in der Vergangenheit. Kommunikation ist für mich in allen Bereichen sehr wichtig. Da sehe ich große Fortschritte.

Ein Problem in der Abteilung sind fehlende Ehrenamtler. Wie sollen sie das ändern?

Meier Das ist richtig. Die ehrenamtliche Hilfe ist in allen Bereichen sehr dünn. Da muss aus der Abteilung mehr kommen. Daran wird mit Blick auf die Entwicklung auch Vieles hängen. Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, um uns Übungsleiter von außen einzukaufen. Ich hoffe, dass wir mit der neuen Offenheit und der verbesserten Kommunikation wieder mehr Begeisterung entfachen können.

Welche Erwartungen haben Sie an die Drittliga-Mannschaft nach dem Umbruch?

Meier Man darf nicht erwarten, dass wir in der oberen Tabellenregion landen werden. Wir werden nicht wie in den Vorjahren zu den Topmannschaften gehören. Es ist ganz schwierig, das einzuschätzen. Die Liga ist vermeintlich stärker geworden und dazu sehr ausgeglichen, das könnte zum Problem werden, wenn unsere neu formierte Mannschaft zu Beginn noch zu unerfahren sein sollte. Wir müssen sehen, dass wir nicht zu schnell ins untere Tabellendrittel abrutschen. Jedes Spiel wird ein Kampfspiel sein.

Wie wichtig ist es, dass die erste Mannschaft als „Aushängeschild“ auch zukünftig drittklassig spielt?

Meier Wir haben im Umkreis mittlerweile sehr viele Vereine, die auf dem gleichen oder ähnlichen Niveau spielen, wie wir. Wenn wir als LTV den Anspruch haben möchten, als Handball-Standort wahrgenommen zu werden, dann ist die Drittliga-Zugehörigkeit entscheidend. Sonst würden wir außen vor sein, diese Gefahr würde bestehen.

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