Basketball : Kunels Team steht in der Beweispflicht

Nach dem Verpassen der Playoffs will BBZ Opladen die Saison mit Anstand zu Ende spielen.

Dieser Stachel der Enttäuschung saß tief. So tief, dass Birgit Kunel lange keine Worte einfallen wollten, mit denen sie die letzten zehn Minuten des Hannover-Spiels hätte erklären können. Die Pleite gegen eine abstiegsgefährdete Mannschaft (58:67), bei der sich BBZ Opladen willenlos in sein Schicksal ergab, hatte weder mit der individuellen Qualität des Gegners noch mit dem eigenen, zuletzt hartnäckigen Verletzungspech zu tun — und sie hat Spuren hinterlassen bei der Trainerin.

"Ich habe die Mannschaft bislang immer in Schutz genommen, das kann ich diesmal nicht machen, das war eine Megaenttäuschung für mich", meinte Kunel nach der Pleite gegen die Niedersachsen, mit der ihre Mannschaft auch die letzte kleine Chance auf das Erreichen des Saisonziels wegwarf. Nun finden die Play-Offs ohne eine Mannschaft statt, die jahrelang sportlich als eine der besten Adressen der Zweiten Liga galt. Das Verpassen der angepeilten K.o.-Runde ist aus BBZ-Sicht natürlich so bitter wie ärgerlich, den Untergang der Opladener Basketballwelt bedeutet es aber freilich nicht.

Mit Blick auf die neue Saison wird es indes nicht unerheblich sein, wie BBZ diese verlorene Spielzeit zu Ende bringt. Noch werden drei Runde ausgespielt. Drei Runden, in denen BBZ noch mal alles aus sich rausholt und es am letzten Spieltag sogar vielleicht schafft, dem designierten Aufsteiger Chemnitz ein paar Kratzer im Meisterlack zu verpassen — oder BBZ spielt so weiter wie gegen Hannover und geht damit auch am Samstag beim Tabellenvorletzten Bielefeld unter.

Dass nach dem Verpassen der Play-Offs wohl bei einigen Spielerinnen die Luft raus ist, will Kunel nicht mal abstreiten, eine Wiederholung vom letzten Sonntag dürfe es aber nicht mehr geben. "Die Mannschaft hatte schon vor dem Hannover-Spiel betont, dass sie alles dafür tun wird, um die verbleibenden Spiele zu gewinnen. Jetzt muss sie beweisen, dass das nicht bloß leere Worthülsen waren", appelliert Kunel an ihr Personal. Das Team hat sich auch in der Woche nach dem Katastrophenauftritt einer gründlichen Hinterfragung unterzogen und muss nun gegen ein erneut akut abstiegsbedrohtes Team zeigen, welchen Charakter es besitzt.

"Hannover hat gegen uns von Beginn an eine unheimliche Präsenz gezeigt, damit sind wir nicht klargekommen, Bielefeld wird genauso auftreten", vermutet Kunel. Dass ihr Team im Moment eine ganze Menge Frustration verspüre, sei normal und angesichts der selbst formulierten Ziele auch richtig. Dennoch müsse noch einmal jede Einzelne willens sein, an die absolute Leistungsgrenze zu gehen, ansonsten seien in der Zweiten Liga keine Spiele zu gewinnen, bekräftigt die BBZ-Trainerin. Bielefeld hat seine letzten sechs Spiele allesamt verloren, wenn BBZ auch in Ost-Westfalen wieder den Punktelieferanten spielt, braucht Kunel ihrem Team die Charakterfrage jedenfalls kein zweites Mal zu stellen.

(sl)