Basketball "Ich bin eine Art Coach auf dem Feld"

Leverkusen · Der 23-jährige US-Point-Guard der Bayer Giants spricht über seine Zeit in Deutschland und seine Rolle als Führungsspieler.

 Er ist der beste Punktesammler der ProB und heißer Anwärter auf die Wahl zum MVP: Josh Parker von den Bayer Giants.

Er ist der beste Punktesammler der ProB und heißer Anwärter auf die Wahl zum MVP: Josh Parker von den Bayer Giants.

Foto: Uwe Miserius

Es heißt, US-Sportler seien ganz verrückt auf Statistiken.

Parker (lacht) Ja, das stimmt. In den USA schaut jeder sofort auf die Statistiken nach seinem Spiel. Wir lieben Vergleiche von einem zum nächsten Jahr und solche Sachen.

Welche Rolle spielen Statistiken für Sie persönlich?

parker Eine wichtige. Ich frage unseren Trainer Achim Kuczmann nach jeder Partie: "Wie viele Turn-overs hatte ich?". Natürlich schaue ich auch auf meine Wurfquote, aber am meisten hilft mir die Statistik dabei, die Aspekte zu identifizieren, bei denen ich mich verbessern kann.

Viel Luft nach oben bietet ihre Punktausbeute jedenfalls nicht. Fast 27 Zähler im Schnitt sehen Sie als besten Korbjäger der gesamten ProB.

Parker (lacht) Ja, das stimmt. Die Ausbeute ist nicht so schlecht. Es fühlt sich gut an, in dieser Wertung auf Platz eins zu stehen.

War Ihnen klar, als Sie im September nach Deutschland kamen, dass Sie eine solch herausragende Rolle im Team und in der Liga würden spielen können?

parker Ich wusste nicht viel über die Liga, aber ich muss sagen, das Niveau hier in der ProB ist richtig gut. Es ist ein Level, wie ich es mir erhofft hatte. Die Trainer bereiten uns gut auf die Spiele vor. Ich kann meine Qualitäten einbringen. Insofern bin ich sehr zufrieden mit meiner bisherigen Zeit in Deutschland.

Wo und wie konnten Sie sich überhaupt über die ProB im Vorfeld informieren?

parker Ich habe im Sommer in Chicago in der Summer-Pro-League gespielt. Dort habe ich einige Jungs getroffen, die mir etwas über die deutschen Ligen erzählen konnten. Natürlich habe ich auch mit Josh Young gesprochen, der ja in der Saison 2010/2011 bei den Bayer Giants gespielt hat und dann nach Tübingen gewechselt ist. Er wusste nur Gutes zu berichten und hat mich ermutigt, den Schritt nach Übersee zu wagen.

Und wie ist Deutschland für Sie?

Parker Es ist den USA ähnlicher als ich gedacht hätte. Die Menschen sind sehr freundlich, hilfsbereit, viele hier sprechen Englisch. Ich genieße die Zeit in Deutschland sehr — auch wenn die Sprache sehr schwierig zu lernen ist.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den beiden Trainern Achim Kuczmann und Stephan Ruers?

Parker Sie helfen mir sehr. Sie sprechen viel mit mir und zeigen mir, dass Sie Vertrauen in mich haben. Sie lassen mich das spielen, was ich kann und geben mir gleichzeitig klare Ansagen, was sie von mir erwarten.

Wie lange hat es gedauert, bis Trainer und Mitspieler Ihre Qualitäten ins Spiel integrieren konnten?

Parker Jack und ich kamen ja erst Anfang September in Leverkusen an. Da hatten die meisten anderen Teams schon längst ihre beiden Amerikaner verpflichtet. Ich musste mich an vieles erst gewöhnen, aber dadurch, dass die Chemie im Team sofort stimmte, ging diese Eingewöhnung ziemlich schnell.

Die Art, wie Sie spielen, macht Sie fast automatisch zum Führungsspieler. Ist das eine Rolle, die Ihnen liegt?

Parker In den USA musst du als Point Guard viel sprechen, viel dirigieren. Das liegt mir, ja. Ich kenne es nicht anders. Auf der Position bist du halt eine Art Coach auf dem Feld. Das heißt aber nicht, dass ich Matthias (Goddek, Anm. d. Red.) nicht als Kapitän respektiere und auf ihn höre. Für mich ist jeder im Team ein Leader, weil jeder den Mannschaftserfolg über alles stellt.

Wie schaffen Sie es, 40 Minuten durchzuspielen?

Parker (grinst) Ich bin total fit, fühle mich gut. Ich habe in der Vorbereitung hart gearbeitet. Ich hätte zwar nicht gedacht, so oft über die volle Distanz zu gehen, aber wenn es gut für das Team ist, mache ich es gerne. Ich bin aber auch regelmäßig total platt nach den Spielen, doch die Trainer geben uns genug Zeit, um zu regenerieren.

Wie sieht Ihr Leben abseits von Training und Spiel aus?

Parker Ich skype natürlich sehr viel mit meiner Familie und meinen Freunden. Ich schaue mir viel US-Basketball übers Internet an, die NBA-Highlights, die College-Spiele. Wenn ich ein paar Tage frei habe, fahre ich nach Frankreich, wo meine Freundin Basketball spielt.

Morgen beginnen die PlayOffs gegen Oldenburg. Was ist drin für die Giants in den PlayOffs?

Parker Alles ist möglich für uns. Wir können gegen jeden Gegner bestehen, — auch auswärts, das hat die Saison gezeigt. Auswärts als Underdog zu gewinnen, ist ein großartiges Gefühl. Wir Spieler haben gemerkt, dass wir alles erreichen können, wenn wir als Team auftreten.

Und dieses Team stellt in Josh Parker am Ende den "MVP", den wertvollsten Spieler der Saison?

Parker Das wäre eine große Ehre. Es ist schon toll, mit dieser Auszeichnung überhaupt in Verbindung gebracht zu werden. Das ist vor allem ein Verdienst meiner Trainer und Mitspieler.

Bleiben Sie in Leverkusen?

Parker Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich konzentriere mich auf die nächsten Spiele. Wenn die Zeit reif ist, werde ich eine Entscheidung treffen. Letztlich ist es natürlich für jeden das Ziel, in der höchsten Liga zu spielen.

STEFAN KLÜTTERMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP/ac)