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Judo: Gladbach-Fan Zingg will 2016 in Rio auf die Matte

Judo : Gladbach-Fan Zingg will 2016 in Rio auf die Matte

Im Judoka des TSV Bayer 04 und aktuellen Deutsche Meister sieht mancher Experte einen möglichen Nachfolger von Olympiasieger Ole Bischof. Für Zingg selbst sind die Spiele in drei Jahren das große Ziel.

19 Jahre alt, 1,72 Meter groß und 66 Kilogramm schwer — Liest man die Angaben eines solchen Profils, könnte man denken, es handele sich um die Kontaktanzeige eines Heranwachsenden. Doch weit gefehlt: Hinter diesen Daten verbirgt sich der aktuelle deutsche Judo-Meister in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm. Sein Name ist Anthony Zingg, und der Athlet vom TSV Bayer 04 gilt als eines der größten deutschen Talente seit Jahren. Eigentlich dürfte er sogar noch in der Juniorenklasse antreten, umso erstaunlicher war sein 10:0-Erfolg gegen den Leipziger Philipp Mackeldey im Finale der Männer. "Es war einfach ein perfekter Kampftag für mich", erinnert sich Zingg an seinen Auftritt im Januar im sächsischen Riesa.

Vor dem Erreichen dieses Ziels stand jedoch ein langer Weg für ihn. Schon die Anekdote, wie er einst zum Judo fand, klingt recht ungewöhnlich. "Meine Schwester fand den Judotrainer süß, und sie schickte mich vorweg, um den ersten Kontakt mit ihm aufzunehmen", erzählt Zingg mit einem Lächeln. Während Judo für seine Schwester also offensichtlich als "Kontaktbörse" diente, bedeutete es für den inzwischen 19-jährigen Bruder genau das Gegenteil: So seien während der intensiven Trainingsphasen Freunde, Familie und Freizeit häufig zu kurz gekommen, erzählt Zingg. Wie sich der hohe Trainingsaufwand mit der Schule vereinbaren lässt? Darauf antwortet Zingg kurz und knapp: "Gut. Das klappt alles." Denn er habe sehr verständnisvolle Lehrer und eine Schule, die ihn nach Kräften unterstütze.

Für seine Zukunft hat sich der aus Hilden stammende Judoka hohe Ziele gesteckt. So möchte er in diesem Jahr auf jeden Fall bei den Junioren-Europa- und Weltmeisterschaften jeweils eine Medaille gewinnen, und "2016 will ich unbedingt bei den Olympischen Spielen dabei sein", sagt er selbstbewusst. Den Vergleich mit Ole Bischof, dem 2012 zurückgetretenen Aushängeschild seiner Sportart, scheut Zingg jedoch. Er möchte lieber seinen eigenen Judocharakter entwickeln. "Deswegen ist der Vergleich nicht angemessen", sagt Zingg. Trotzdem schaute er bei den Kämpfen von Ole Bischof stets genau hin, denn so eine gute Technik am Boden wie der Olympiasieger von 2008 will Zingg irgendwann auch einmal beherrschen.

Wer sich mit Anthony Zingg unterhält, sitzt einem aufgeweckten und extrovertierten jungen Mann gegenüber — allerdings hat der 19-Jährige auch seine in sich gekehrten Seiten — und er frönt einem "Laster", das in Leverkusen durchaus mit Argwohn betrachtet werden könnte: "Im Fußball bin ich großer Fan von Borussia Mönchengladbach, und sofern es die Zeit zulässt, verfolge ich jedes Spiel", gibt er zu.

In seiner eigenen Sportart stehen Zingg nach Ansicht vieler Experten angesichts des Ehrgeizes, Fleißes und Talents, die er an den Tag legt, in der Judo-Welt viele Türen offen. Wer weiß, wohin ihn sein Weg verschlagen hätte, wenn seine Schwester den Judotrainer nicht so "süß" gefunden hätte. Und vielleicht findet ja auch einmal eine junge Dame wegen ihm den Weg zum Judo.

(sefo)