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Für Footballer Equanimeous St. Brown gibt es mehr als nur Football

Serie: Im Gespräch mit „EQ“ : Für St. Brown zählt mehr als nur Football

Equanimeous St. Brown ist seit 2018 Football-Profi in der NFL. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet der Deutsch-Amerikaner mit Wurzeln in Leverkusen über seine Teilnahme an den „Black Lives Matter“-Demonstrationen in den USA, von seinen Umgang mit der Corona-Pandemie sowie seinem Lieblingsfußball-Team – der Werkself.

Equanimeous St. Brown ist ein echtes Multitalent. Der Deutsch-Amerikaner mit Wurzeln in Leverkusen hat es nicht nur zum Spieler in der Football-Profiliga NFL geschafft, sondern hat auch eine exzellente Schulbildung genossen, spricht drei Sprachen fließend und blickt bewusst über den sprichwörtlichen (sportlichen) Tellerrand. Den Eindruck vom reflektierten Athleten bestätigte der Passempfänger der Green Bay Packers wenige Tage nach dem Start in die Vorbereitung einmal mehr im Gespräch mit unserer Redaktion.

St. Brown und seine Familie nahmen persönlich an den „Black Lives Matter“-Demonstrationen nach dem Tod von George Floyd teil, „um ein Zeichen zu setzen“. Als Sohn einer Leverkusenerin und eines Afroamerikaners hat „EQ“ selbst schon Erfahrungen mit Rassismus gemacht – sowohl in den USA als auch in Deutschland.

In Erinnerung geblieben sind ihm vor allem zwei Erlebnisse. Während der Zeit an der High School wurde Equanimeous und einem Freund einmal der Eintritt zu einer Hausparty verwehrt. „No blacks allowed“ („Kein Zutritt für Schwarze“) bekamen sie zu hören. „Ich glaube, jedes Land hat ein Problem mit Rassismus“, betont er – und steuert passend dazu ein Beispiel aus Ostdeutschland bei. Dort ist es den St. Browns einmal passiert, dass sie ein Bus mit Schulkindern passierte. „Und die hoben plötzlich den Arm zum Hitlergruß“, erinnert sich „EQ“.

Er findet, es sei Zeit, klar Stellung zu beziehen – „auch und gerade im Stadion“. Gut möglich also, dass St. Brown demnächst auch bei der Nationalhymne knien wird wie einst San Franciscos Quarterback Colin Kaepernick. „Diese Aktion fand ich immer schon gut.“ Dass sein eigener Spielmacher Aaron Rodgers nach einer Internet-Kontroverse inzwischen Verständnis für diese viel beachtete Aktion zeigt, freut St. Brown. „Es hat einen großen Wert, wenn Top-Quarterbacks wie er Stellung beziehen. Das kann der Bewegung nur nutzen.“

Anders als viele Kollegen hat er großes Verständnis für die strengen Corona-Schutzmaßnahmen der NFL. Diese seien „gut und richtig“. Angst um seine eigene Gesundheit hat er nicht. Schließlich würden die Footballer „ja auch häufig getestet“. Der 23-Jährige hofft sogar noch auf Publikum bei den Packers-Spielen und sagt: „Es wäre schlimm, im Lambeau-Field ohne Fans zu spielen.“

Persönlich hat ihm der Lockdown sogar genutzt. „So hatte ich mehr Zeit, meine Verletzung auszukurieren. Ich hatte sogar eine richtig gute Zeit mit meinen Brüdern. Wir haben zusammen trainiert und waren viel am Strand“, berichtet „EQ“. Als schwierig erwies sich bisweilen nur die Suche nach einem Park für die Übungseinheiten, weil der Packers-Receiver mehr Begleiter hatte als im Corona-Lockdown erlaubt. „Zwei, drei Mal wurden wir auch vertrieben“, räumt er ein.

Die Leverkusener Wurzeln von St. Brown und seinen Brüdern zeigen sich derweil unter anderem bei der gemeinsamen Vorliebe für Fußball und insbesondere für Bayer 04. Equanimeous bezeichnet sich sogar als Fan der Werkself und verfolgt die Spiele zumindest über die Zusammenfassungen. „Für ganze Spiele ist leider meist keine Zeit“.

Anfang März war St. Browns Onkel und Manager Mike Steyer noch in Leverkusen und sprach mit dem Management der Werkself über eine Zusammenarbeit. Bayer 04 will die Internationalisierung vorantreiben und für den interessanten US-Markt könnte St. Brown ein passender Botschafter sein. Der älteste von drei Geschwistern sagt: „Das könnte sicher interessant sein. Meine Brüder sind ja auch auf dem Weg in die NFL.“

Erst einmal wird er aber noch als Fan mitfiebern – soweit es die Vorbereitung mit den Packers zulässt.