Fußball : Frauen-WM auf dem Prüfstand

An der Universität Bremen beschäftigt sich Professor Rainer Hartmann mit den Auswirkungen des Turniers im vorigen Jahr auf das Image der neun Austragungsorte. Bis feststehen wird, ob sich die Weltmeisterschaft aus Leverkusener Sicht gelohnt hat, wird es aber noch eine Weile dauern.

Acht Nationalteams und fast 90 000 Zuschauer waren zu Gast in Leverkusen. Aus Sicht der städtischen Verantwortlichen war es "das" sportliche Ereignis des Jahres: die Frauen-Fußball-WM 2011. Zwar musste die Stadt die Austragung der vier Partien und das zugehörige Rahmenprogramm mit mehr als 300 000 Euro bezuschussen. Aber Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn bekräftigte noch im vergangenen Dezember, dass das Turnier "für die Marke und den Namen Leverkusen nicht nur kurzfristig ein Gewinn war".

Forscht in Sachen Tourismus und Freizeit: Prof. Rainer Hartmann. Foto: Privat

Wissenschaftlich ist diese These nicht belegt. Aber sie wird von Prof. Rainer Hartmann auf den Prüfstand gestellt. Der Freizeit- und Tourismusexperte lehrt und forscht an der Hochschule Bremen — unter anderem zur Frauen-WM. "Langzeitstudie zur Rolle von Groß-Events zur Markenentwicklung und Imageprofilierung der Austragungsorte der Fifa Frauen-Weltmeisterschaft 2011" nennt sich das Projekt. Etwas verknappt ausgedrückt, könnte es auch heißen: Inwiefern profitieren die Austragungsorte hinsichtlich ihrer Außendarstellung von der WM?

Gut 1000 Personen wurden befragt

"Wir haben Ende 2010 mit einer Repräsentativ-Studie begonnen", berichtet Hartmann. Gut 1000 Personen wurden befragt zu den neun WM-Städten, ihre Antworten sollen als Basis für einen Vorher-Nachher-Vergleich dienen. "Leverkusen hat prinzipiell gute Voraussetzungen. Denn die Stadt wird mit Fußball verbunden, somit lässt sich auch viel über den Sport transportieren", erläutert Hartmann. Die Erkenntnisse aus der ersten Befragung hat er in alle neun Städte versandt und um Unterstützung bei seiner Studie angefragt. Anders als aus Wolfsburg oder Augsburg "gab es aus Leverkusen keine Resonanz", sagt er. Auch der Deutsche Fußball-Bund sei nicht interessiert gewesen.

Derzeit läuft an der Bremer Hochschule der zweite Teil des Projekts: Im Rahmen einer Masterarbeit werden Aktivitäten der Städte außerhalb der Stadien unter die Lupe genommen, etwa das NRW-Fanfest im Neulandpark Anfang Juli. "Es wird untersucht, welcher Nutzen sich aus diesen WM-begleitenden Maßnahmen ziehen lässt", berichtet Hartmann. Der Sympathie- und Imagegewinn der Städte kann enorm sein. Das weiß der Akademiker seit der Männer-WM 2006.

"Das Budget ist nicht riesig"

Damals führte er eine ähnliche Studie durch, und es habe sich gezeigt, dass das Budget und die Professionalität der Durchführung ausschlaggebend gewesen seien, um nachhaltig zu punkten: So blieb Frankfurt/Main mit seiner schwimmenden Leinwand haften und Berlin mit der riesigen Fanmeile. An Dortmund als Austragungsort erinnerten sich dagegen die wenigsten. Vermutlich, weil dort das örtliche Sportamt die Feste organisiert habe und kein professioneller Vermarkter, erläutert Hartmann.

Er plant als Abschluss seiner Studie über die Frauen-WM eine erneute Befragung. Ihre Ergebnisse könnten im Vergleich mit der Studie von Ende 2010 Aufschluss über den tatsächlichen Gewinn der Marke Leverkusen liefern. Noch aber stehe die Finanzierung nicht ganz. "Das Budget ist nicht riesig", sagt Hartmann. Daher bemühe er sich um Mittel von der Hochschule. Zudem will er die neun Austragungsorte noch einmal anschreiben — in der Hoffnung, dass die Resonanz dann größer sein wird.

(RP/rl)