Lokalsport: Frau Bauer springt ihren Traum

Lokalsport: Frau Bauer springt ihren Traum

Stabhochspringerin Katharina Bauer wird in Dortmund deutsche Hallenmeisterin. Der Titel sei eine Erlösung, sagt die verletzungsgeplagte 27-Jährige. Beim TSV Bayer 04 tritt sie damit aus dem Schatten einer Silke Spiegelburg heraus.

Als alles vorbei ist, macht Katharina Bauer aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Als ihre Konkurrentin Lisa Ryzih zum dritten Versuch über 4,56 Meter anlief, habe sie "gezittert wie noch nie im Leben", sagt Bauer. Normal ist diese Höhe kein Problem für Ryzih, die WM-Fünfte von London. Aber diesmal reißt sie. Und Bauer ist plötzlich deutsche Hallenmeisterin. "Es war für mich mein erstes richtiges Pokern, bei dem es um einen Titel ging. Das war mega heiß. Nun ist es wie eine Riesen-Erlösung, wie ein Sprung in die Freiheit", sagt die 27-Jährige Minuten später. Da sind schon Tränen geflossen. Trainer Leszek Klima wurde innig umarmt. "Ich lebe meinen Traum", sagt Bauer. Den Traum eines Meistertitels. "Es ist schön, das mal abgehakt zu haben. Auf jeden Fall kann ich jetzt sagen: Das habe ich geschafft."

Dass Bauer einmal ganz oben stehen würde bei einer Meisterschaft, war zwischenzeitlich in weite Ferne gerückt. Ein Traum, der zu verblassen drohte. 2015 war sie noch gut drauf. Sie springt 4,60 Meter in der Halle, auch bei der Hallen-EM, im Sommer geht es bis 4,65 hinauf, doch dazwischen wirft sie ein Pfeiffersches Drüsenfieber zurück. Danach wird es übel: Erst leidet sie unter einem Fuß-Ödem, sie lässt die Hallensaison 2016 aus, dann landet sie im Sommer auf dem Nacken, und Wochen später stürzt sie bei einem Meeting in Frankreich auf den Rasen und reißt sich die wichtigsten Bänder in der Hand. "Das hätte mein Karriereende sein können", sagt Bauer heute.

Doch das war es nicht. Die gebürtige Wiesbadenerin kämpft sich zurück. Sechs Kilo hat sie in der Verletzungspause verloren, dafür aber eine neue Gelassenheit gewonnen. "Ich habe einfach nur großen Spaß an den Sprüngen und denke gar nicht an irgendwelche Höhen. Ich sehe den Stabhochsprung mit ganz anderen Augen. Die Verletzung hat mich geprägt", sagt Bauer. Sie stellt die Ernährung um, findet innere Ruhe im Yoga und im NLP, dem Neurolinguistisches Programmieren, einem mentalen Training inklusive Hypnose. "Meine Mutter ist darin ausgebildet. Wir arbeiten seit Jahren zusammen" sagt Bauer.

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Mit der Siegesweite von 4,51 Metern in Dortmund schlägt der Verband sie für die Hallen-WM Anfang März in Birmingham vor. Die Norm liegt zwar bei 4,71 Metern, aber es gibt eine Restchance für die Nominierung. "Wenn ich da teilnehmen dürfte, hört der Traum gar nicht auf, schön zu sein", sagt Bauer. Ein Grund, warum er aufhören sollte, ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. "Ich habe noch viele Reserven in der Technik. Mein Trainer sagt immer, das Ziel sollte sein, mal konstant bei 4,40 Metern einzusteigen." Die Norm für die EM in Berlin im August liegt bei 4,45. Um sicher dabei zu sein, müsse man aber schon 4,60, 4,65 springen, schätzt Bauer.

In Dortmund gelingt ihr neben dem Titel aber noch etwas anderes: der Sprung aus dem Schatten einer Silke Spiegelburg, die mit nationalen und internationalen Erfolgen über Jahre für Frauen-Stabhochsprung, "made in Leverkusen", stand. "Es wäre natürlich schön, wenn es an der Zeit für einen neuen Namen wäre, aber ich habe sehr hohen Respekt vor Silkes Leistungen. Leider ist sie verletzt", sagt Bauer.

Es liegt nun an ihr, einen eigenen Schatten zu werfen. Dortmund kann dafür der Anfang sein.

(klü)