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Elfen erst fürchterlich fahrig, dann echt fabelhaft

Pflichtsieg mit reichlich Mühe : Elfen erst fürchterlich fahrig, dann echt fabelhaft

Bayers Handballerinnen siegen klar bei Aufsteiger Union Halle-Neustadt – nach einem Acht-Tore-Rückstand kurz vor der Pause.

Der 32:24-Sieg von Bayers Handballerinnen beim Bundesliga-Aufsteiger SV Union Halle-Neustadt taugt hervorragend als Beispiel für die Sport-Weisheit, dass das reine Resultat mitunter täuschen kann. Tatsächlich sah es lange so aus, als würden die Leverkusenerinnen bei ihrer Reise nach Sachsen-Anhalt böse straucheln. Zur Pause lagen sie noch mit sechs Treffern hinten (11:17). Zwei Minuten zuvor betrug der Abstand sogar noch zwei Tore mehr (9:17).

Dass die Gäste von Rhein binnen nur 32 Minuten den Spielstand aus acht Toren Differenz im Soll auf die gleiche Anzahl im Haben korrigierte, war einer angesichts der erschreckenden Darbietung bis dahin schier unglaublichen Leistungssteigerung vor allem nach der Pause zu verdanken. „Es fehlte in der ersten Hälfte insgesamt an vielem“, sagte Elfen-Coach Robert Nijdam und ging dabei noch schonend mit seinen Schützlingen um, denen es tatsächlich an fast allem mangelte.

Bayer startete unglaublich fahrig, ohne die nötige Ordnung und viel zu ungeduldig, lag schnell mit 0:4 hinten. Und auch ein kleiner Zwischenspurt zum 6:8 brachte nicht die nötige Sicherheit. Stattdessen verloren sie nun völlig die Linie und jeglichen Zugriff. Besonders bitter war die schwache Abwehr-Leistung. Dabei waren die Elfen bestens auf den Gegner vorbereitet und wussten genau, dass die Wildcats (so der Teamname des Aufsteigers) ihr Glück oft im Eins-gegen-Eins suchen würden. „Da sind wir viel zu wenig in den Kontakt gegangen“, kritisierte Nijdam.

Offensiv lief es in dieser Phase auch nicht besser. „Viel zu passiv, zu berechenbar, mit zu wenig Bewegung“, sah der Niederländer die Elfen-Offensive. Anders als im laufenden Spiel – und bei den insgesamt drei Auszeiten beider Teams – fand er beim Seitenwechsel die richtigen Worte und Stellschrauben für eine furiose zweite Hälfte.

War es im Spiel zuvor noch Nele Kurzke, die mir ihren Paraden und Treffern beim Sieg gegen Dortmund glänzte, leistete diesmal die andere Leverkusener Keeperin einen gehörigen Beitrag zum Umschwung: Vanessa Fehr hielt famos. Weitere Gesichter der Aufholjagd waren die beiden älteren Rode-Schwestern. Die Älteste, Jennifer, profitierte vom jetzt besser funktionierenden Tempospiel und war allen Bemühungen des Gegners zum Trotz praktisch nicht zu bremsen. Hinten brillierte Schwester Joanna Rode als personifiziertes Stop-Schild für die bis dahin stärkste „Wildkatze“ Viktoria Divak.

Das Comeback nur an diesem Trio festzumachen, wäre aber nicht gerecht. Das gesamte Team zeigte in Halbzeit zwei Moral, Einstellung, Griffigkeit, dazu endlich das nötige Maß an Konzentration, Fokus, Aggressivität, Geschwindigkeit und Treffsicherheit. „Das haben die Mädels toll gemacht. Ein großes Lob an alle“, betonte Coach Nijdam allerdings nur für die 32 Minuten nach dem 9:17.

Elfen Kurzke, Fehr - Jurgutyte, Seidel (7/3), Zschocke (5), Potocki (4), Souza, Kämpf, Bruggeman (1), Hodel (2), Berndt, Berger (1), Jo. Rode (3), Je. Rode (9/1), E. Rode.