Handball : Die Elfen wehren sich nicht

Die Handballerinnen des TSV Bayer 04 präsentierten beim 31:35 gegen Oldenburg Mängel in Abwehr und Angriff, aber keine Aggressivität. Am Samstag werden sie physisch und psychisch beim Aufsteiger aus Koblenz gefordert.

Jetzt ist das eingetreten, wovor die Freunde des Bayer-Handballs sich gefürchtet hatten, seitdem der Spielplan veröffentlicht wurde: Nach vier Partien gegen die absoluten Top-Teams der Liga und ebenso vielen Niederlagen stehen die Leverkusenerinnen vor dem fünften Spieltag bereits gehörig unter Druck. Wie schon beim Treffen in Buxtehude offenbarten die Elfen auch beim 31:35 (14:18) gegen den amtierenden Pokalsieger VfL Oldenburg ungewohnte Schwächen, die nicht allein darauf zurückzuführen sind, dass sich das Team erst finden und durch Verletzungen (Latakaite-Willig, van Nijf und Extremado) auf wichtige Spielerinnen verzichten muss.

Keine einzige Zeitstrafe

Gravierend waren insbesondere die Mängel in der Verteidigung der Elfen, die wohl noch schlimmere Folgen gehabt hätten, wenn Torfrau Natalie Hagel nicht eine solch herausragende Leistung gezeigt hätte. Die Keeperin, die von ihren Vorderleuten allzu oft im Stich gelassen wurde, war merklich bedient und verkniff sich dementsprechend auch nicht einen kritischen Kommentar: "Wenn man in 60 Minuten keine einzige Zeitstrafe kassiert, dann sagt das viel aus." Ins selbe Horn stieß ihre Trainerin Heike Ahlgrimm. Die zu ihrer aktiven Zeit starke Verteidigerin monierte insbesondere die mangelnde Aggressivität. "Mit einer Abwehr ohne Anfassen kann man kein Spiel gewinnen", schimpfte sie.

Zudem präsentierte sich die Offensive trotz 31 Treffern — am häufigsten trafen Spielführerin Laura Steinbach (neun Tore) und die grippegeschwächte Kim Naidzinavicius (sieben Treffer) — phasenweise äußerst fehlerhaft. Mit Hast und Unkonzentriertheiten machten sich die Elfen meist dann das Leben schwer, wenn sie den Rückstand wieder auf ein erträgliches Maß verkürzt hatten.

Zeit zum Wundenlecken bleibt kaum. Bereits am Samstag muss der aktuelle Tabellenvorletzte (nur Bad Wildungen ist wegen der knapp schlechteren Tordifferenz hinter Bayer) in der Sporthalle am Oberwerth bei Neuling Koblenz/Weibern antreten. Für gewöhnlich ist das auch für arg dezimierte Elfen keine unlösbare Aufgabe. Allerdings spielt im Handball auch die Psyche stets eine erhebliche Rolle. Und wie es um die bei den Leverkusenerinnen nach vier Niederlagen zum Auftakt bestellt ist, das dürfte sich Samstag eigen.

Bayer: Hagel, Gerken — Zapf (4), Egger (4), Glankovicova (4), Hilster (3), Naidzinavicius (7), Steinbach (9/4), Seidel, Jörgens, Comans.

(kre)